Sasha Sokolov
Sasha Sokolov (russisch , eigentlich / , wiss. Transliteration , bisweilen auch in der Transkription Sascha Sokolow; Moskauer Universität Deutsch unterrichtete und sich in der Folge mit zum Teil spektakulären Mitteln für seine Ausreise einsetzte. Sie führte im Stephansdom in Wien einen Hungerstreik durch und gewann bekannte Persönlichkeiten für ihr Anliegen (z. B. den damaligen österreichischen Bundeskanzler Bruno Kreisky und den Wiener Kardinal Franz König). Nach dem Erfolg dieser Bemühungen erhielt der Autor, dessen Manuskript von "Die Schule der Dummen" von Steindl aus der damaligen Sowjetunion herausgeschmuggelt worden war, ein Visum zur Ausreise nach Österreich. Dort heiratete er Johanna Steindl noch einmal, da eine standesamtliche Eheschließung in der Sowjetunion nicht möglich gewesen war. Nachdem sein erster Roman in den USA publiziert war, wanderte Sokolov Ende 1976 in die Vereinigten Staaten aus und ließ seine schwangere Frau in Wien zurück. Sein Sohn kam im März 1977 zur Welt und wurde Journalist.Der Roman ?Die Schule der Dummen" erhielt eine zum Teil enthusiastische Resonanz, u. a. bei Vladimir Nabokov. Bei diesem erst 1989 in Russland veröffentlichten Roman (Deutschland 1993), der ohne Rücksicht auf die Zensur geschrieben wurde, handelt es sich um den Bericht eines schizophrenen Hilfsschülers, der kritisch-naiv im Dialog mit sich selbst bzw. seinem anderen Ich die damals herrschenden Verhältnisse in der UdSSR würdigt. Sokolov schlägt hier einen Ton an, der einerseits an die Monologe von Buck Mulligan in Joyces Ulysses erinnert, andererseits ein ganz eigenes privates Universum eröffnet in dem er ständig die Grenzen zwischen Fantasie und Wirklichkeit überschreitet. Das virtuos geschrieben Werk kann in seiner Anlage als Spirale oder Kreis verstanden werden, in dem die Frage von Identität und Transzendenz fortwährend erörtert wird. Im russischen Original spielt über die Anlage des Romans hinaus seine klangliche Komposition und die damit möglichen Assoziationen eine besondere Rolle. In der ZEIT schrieb Iris Radisch: ?Hier gibt es nichts zu holen. Kein spät-sozialistisches Epochendiagramm, kein Panorama des sowjetischen Endspiels. Nur das Glück der Dummheit, das ansteckend ist. Nur die zügellose Sprache, den wilden, zutraulichen Plauderton, der sich wie eine nie gehörte Musik im Ohr festsetzt. Nur den Herzschlag einer galoppierenden, rücksichtslosen, anarchischen Literatur, der fröhlich und traurig und schwindlig macht und den man nicht vergisst."
Sokolov gelang es nach der Veröffentlichung des Romans ?Schule der Dummen" nicht mehr an dessen Erfolg anzuknüpfen. Sein zweiter Roman, "Zwischen Hund und Wolf", lebt noch stärker von den Besonderheiten der russischen Sprache und gilt daher als unübersetzbar (lediglich eine polnische und eine davon abgeleitete englische Übersetzung existieren). Dadurch war der Erfolg von "Die Schule der Dummen" nicht wiederholbar. 1985 erschien sein drittes Buch. Das fertige Manuskript seines vierten Romans soll bei einem Brand in Griechenland vernichtet worden sein. Angeblich schreibt Sokolov weiter, möchte aber nicht mehr veröffentlicht werden.
Werke (Auswahl)
* 1976 ????? ??? ???????/Schkola dlja durakow. Ann Arbor. (deutsch unter dem Titel "Die Schule der Dummen", Frankfurt/Main 1977)
* 1980 ????? ??????? ? ??????/Meschdu sobakoi i wolkom. Ann Arbor. ("Zwischen Hund und Wolf", bisher nicht auf Deutsch erschienen)
* 1985 ???????????/Palisandrija. Ann Arbor. (bisher nicht auf Deutsch erschienen, englisch unter dem Titel "Astrophobia")
Auszeichnungen (Auswahl)
*1996 Puschkin-Preis der Alfred Toepfer Stiftung F. V. S., Hamburg
Zwei Preise von russischen Untergrund-Magazinen in den 1980er-Jahren
Literatur
*Cynthia Simmons: Their father's voice. Vassily Aksyonov, Venedikt Erofeev, Eduard Limonov, and Sasha Sokolov. Lang, New York u. a. 1993, ISBN 0-8204-2160-X
Weblinks
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