Alexander Tille
Alexander Tille (30. April 1866 in Lauenstein; ? 16. Dezember 1912 in Saarbrücken) war ein deutscher Germanist, Philosoph und Funktionär von Wirtschaftsverbänden. Sein jüngerer Bruder war der Archivar, Bibliothekar und Historiker Armin Tille.Tille stammte aus einer protestantischen Pfarrersfamilie. Sein jüngerer Bruder war der Archivar, Bibliothekar und Historiker Armin Tille. Nach dem Besuch der Fürstenschule in Grimma studierte Alexander Tille von 1886 bis 1890 deutsche und englische Philologie sowie Philosophie an der Universität Leipzig. Seit 1890 war er an der Universität Glasgow Dozent für Germanistik. Während dieser Zeit veröffentlichte er in deutscher Sprache Bücher zum Sozialdarwinismus sowie Zeitungsartikel zum gleichen Thema und zur zeitgenössischen britischen Wirtschaft und Gesellschaft. 1896 veröffentlichte er die erste englische Übersetzung von ?Also sprach Zarathustra?, in den folgenden Jahren schrieb er Einleitungen zu weiteren englischen Übersetzungen von Werken Nietzsches, in denen er diesen insbesondere als Sozialdarwinisten darstellte. Auf Grund ideologischer Auseinandersetzungen mit britischen Studenten im Zusammenhang mit dem Burenkrieg gab er 1900 seine Dozentenstelle auf. In der Folgezeit vertrat er in Berlin die Interessen der Großindustrie als stellvertretender Geschäftsführer im Centralverband_Deutscher_Industrieller. Ab 1901 begann er, die politischen Reden des saarländischen Großindustriellen und Politikers Carl Ferdinand Freiherr von Stumm-Halberg herauszugeben. Von 1903 bis zu seinem Tod war er Syndikus der Handelskammer Saarbrücken und Geschäftsführer mehrerer Industrieverbände.
In seinen philosophischen Hauptwerken, dem 1893 zunächst anonym ("von einem Sozialaristokraten") veröffentlichten Buch "Volksdienst" sowie der zwei Jahre später erschienenen Abhandlung über "Darwin und Nietzsche (Ein Buch Entwicklungsethik)" verwirft Tille weitestgehend die im Laufe der kulturellen Entwicklung der Menschheit etablierten humanen ethischen Prinzipien unter Verweis auf ihre "Unnatürlichkeit" bzw. ihre angeblich fortschrittslimitierende oder fortschrittsverhindernde Wirkung. Er war damit einer der radikalsten, wenn nicht der radikalste Theoretiker des Sozialdarwinismus und attackierte auch immer wieder Philosophen wie Ernst Haeckel oder Herbert Spencer, die auf entwicklungsbiologischer Grundlage die Vereinbarkeit von Fortschritt und Humanität postulierten. Tille hingegen negierte diese Vereinbarkeit und hielt den Fortschritt für unbedingt vorzuziehen.
Literatur
* Wilfried Schungel: Alexander Tille (1866 - 1912). Leben und Ideen eines Sozialdarwinisten. ISBN 3786840407
* Fritz Hellwig: Alexander Tille. In: Peter Neumann (Hrsg.): Saarländische Lebensbilder. Bd. 4. (1989), ISBN 3-925036-20-2

