Alexander Walterowitsch Litwinenko
Alexander Walterowitsch Litwinenko (russisch , wiss. Transliteration ; Putin-Kritiker und Buchautor.Leben
Karriere
Nach Abschluss der Mittelschule wurde Litwinenko 1980 in die Armee einberufen. Ab 1988 war er in der Abteilung für Spionageabwehr des sowjetischen Geheimdienstes KGB tätig. In verschiedenen Konfliktherden der Sowjetunion und später Russlands war er an Kampfeinsätzen beteiligt. Beim FSB, der russischen Nachfolgeorganisation des KGB ab 1991, war Litwinenko im Kampf gegen Terrorismus und organisiertes Verbrechen eingesetzt.
Vom Agenten zum Kritiker des russischen Machtapparates
1998 trat Litwinenko erstmals als Kritiker des russischen Machtapparates an die Öffentlichkeit: Auf einer Pressekonferenz in Moskau beschuldigte er ? zusammen mit Michail Trepaschkin und einigen anderen maskierten Geheimdienstlern ? die Führung des Geheimdienstes FSB der Anstiftung zum Mord. Sie hätten von dieser den Auftrag bekommen, den damaligen Sekretär des Staatsicherheitsrats Boris_Beresowski zu töten.[http://www.welt.de/politik/article715171/Geheimdienst-Oberst_Ich_sollte_Litwinenko_ermorden.html Geheimdienst-Oberst: Ich sollte Litwinenko ermorden] Auf: Welt Online vom 15. Februar 2007
Im März 1999 wurde Litwinenko erstmals verhaftet, in einem Strafverfahren im November desselben Jahres aber freigesprochen. Noch im Gerichtssaal wurde er erneut festgenommen, im Jahr 2000 schließlich aus der Haft entlassen. Litwinenko behauptete, die Anschuldigungen gegen ihn seien konstruiert gewesen. Und bei der Haftentlassung habe er sich verpflichten müssen, nicht aus der Russischen Föderation auszureisen. In der Folge wurde ein drittes Strafverfahren gegen ihn eröffnet. Nach eigenen Angaben wurden Litwinenko und seine Familie vom FSB bedroht, was ihn noch im Jahr 2000 zur illegalen Ausreise bewogen habe.
Litwinenko traf am 1. November 2000 in London ein und beantragte politisches Asyl. Dieses wurde ihm und seiner Familie im Mai 2001 gewährt. In Großbritannien betätigte sich Litwinenko als Journalist und Buchautor, finanziert durch den ebenfalls in London lebenden Boris Beresowski.[http://www.sueddeutsche.de/ausland/artikel/87/92994/6/ Wolfgang Koydl, Daniel Brössler: Geigerzähler und giftige Grüße aus Moskau] In: Süddeutsche Zeitung vom 28. November 2006
Im Oktober 2006 ? wenige Wochen vor seinem Tod ? erhielt Litwinenko die britische Staatsbürgerschaft.
Kritik aus dem Londoner Asyl (ab November 2000)
Litwinenko machte eine Reihe von Anschuldigungen öffentlich, die seine früheren Geheimdienstkollegen von KGB und FSB und den früheren FSB-Chef Wladimir Putin belasten oder diskreditieren. Diese Behauptungen konnten bislang von unabhängigen Medien weder bestätigt noch widerlegt werden.
= Sprengstoffanschläge auf Wohnhäuser 1999
=Zusammen mit Juri_Felschtinski, einem US-amerikanischen Historiker russischer Herkunft, verfasste er 2002 das Buch Blowing up Russia: Terror from Within; russisch ??? ???????? ??????[http://www.zeka.ru/september99/book.html ??? ???????? ??????]
(deutsch: ?Der FSB sprengt Russland in die Luft?). Die auf Menschenrechtsfragen spezialisierte russische Nachrichtenagentur Prima, welche vom ehemaligen Sowjetdissidenten Alexander Podrabinek geleitet wird, ließ das Buch in Lettland drucken und wollte es in Moskau mit einer Auflage von 4400 Exemplaren verkaufen. Der Lastwagen mit der Auflage wurde indes im Rahmen einer Antiterror-Aktion beschlagnahmt.
Die zentrale These des Buches ist, dass die Sprengstoffanschläge_von_1999_auf_Wohnhäuser_in_Moskau und anderen russischen Städten, bei denen rund 300 Menschen den Tod fanden, entgegen den Behauptungen von offiziellen russischen Stellen nicht von tschetschenischen Terroristen verübt wurden. Vielmehr gingen die Anschläge ? so die Autoren ? auf das Konto des russischen Geheimdienstes FSB und dienten im Rahmen einer «Strategie_der_Spannung» als Vorwand für die Entfesselung des Zweiten_Tschetschenienkriegs. Beweise für diese Verschwörungstheorie konnte er aber nicht liefern.
[http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,449912,00.html Ärzte rätseln über Vergiftung des Ex-KGB-Agenten Litwinenko], Auf: Spiegel Online, 21. November 2006
[http://www.sueddeutsche.de/ausland/artikel/459/92367/ Moskau schimpft Litwinenko einen "unbedeutenden Wicht"], Auf: sueddeutsche.de, 22. November 2006
Dieselbe Theorie vertraten auch Mitglieder einer öffentlichen Kommission um Sergei_Kowaljow. Ihre Mitglieder wurden von einer Reihe von Zwischenfällen heimgesucht: Der Kommissionsvorsitzende Sergej Juschenkow wurde am 17. April 2003 erschossen.[http://www.faz.net/s/Rub28FC768942F34C5B8297CC6E16FFC8B4/Doc~E15DBB31F83174F25B9776B0C9F64B9D4~ATpl~Ecommon~Scontent.html Russischer Parteiführer erschossen] Auf: faz.net vom 17. April 2003
[http://www.nupi.no/cgi-win/Russland/krono.exe?6200 State Duma Deputy Yushenkov shot dead] Auf: Website des norwegischen Instituts für Außenpolitik vom 17. April 2003
Dem Ermittler der Kommission, dem Anwalt Michail_Trepaschkin ? wie Litwinenko ein ehemaliger FSB-Offizier ? wurde eine Pistole untergeschoben, er wurde im Mai 2004 wegen Verrats von Staatsgeheimnissen und illegalem Besitz von Munition zu vier Jahren Lagerhaft verurteilt. Nach Angaben von Amnesty International war das Verfahren ?offenbar politisch motiviert? und entsprach ?nicht den internationalen Standards für faire Verfahren?. Russische Menschenrechtsgruppen gingen davon aus, dass ?die Anklagen gegen ihn konstruiert wurden, um zu verhindern, dass er seine Ermittlungen zu den 1999 verübten Bombenanschlägen auf Wohnhäuser fortsetzen konnte?, so Amnesty International.[http://www2.amnesty.de/internet/deall.nsf/0/71f396f2742c95e2c125718100449875?OpenDocument Der Fall Trepaschkin bei Amnesty International] Stand: Juni 2006
Das Kommissionsmitglied Juri_Schtschekotschichin, Vize-Chefredakteur der Wochenzeitung ?Nowaja Gaseta?, starb am 3. Juli 2003. Offizielle Todesursache war eine schnell verlaufende allergische Reaktion, das sogenannte Lyell-Syndrom. Die politischen Freunde des Verstorbenen zweifelten diese Darstellung an. Sie wiesen darauf hin, dass der Verstorbene nicht an Allergie gelitten habe und dass nie geklärt wurde, was den angeblichen allergischen Schock auslöste. Ihre Versuche, die Umstände des Todes näher zu untersuchen, wurden jedoch von offizieller Seite behindert; zahlreiche Fragen konnten nicht beantwortet werden.[http://www.ppsz.ru/news/190/ Der letzte Fall des Juri Schtschekoschichin] Auf: Website der Partei der Sozialen Verteidigung vom 23. Juni 2006 (russisch)
Einige westliche Medien sprechen von Vergiftung.Florian Hassel: Tödliche Quittung für die Kritik In: Bietigheimer Zeitung vom 22. November 2006
Die russische oppositionelle Internetzeitung grani.ru reiht den Fall unter die großen politischen Morde in Russland ein.[http://www.grani.ru/Politics/Russia/m.112746.html Große politische Morde (russisch)] Auf: grani.ru vom 12. Oktober 2006
= Organisation der Geiselnahme im Moskauer Theater 2002
=Im Juni 2003 behauptete Litwinenko im Interview mit dem australischen TV-Sender SBS, dass mindestens zwei der Tschetschenen, die das Moskauer_Musical-Theater_erstürmt_hatten, in Wahrheit für den FSB gearbeitet hatten und vom FSB zur Geiselnahme angestiftet worden waren. Angeblich konnten die beiden ihm bekannten Tschetschenen später nicht unter den Toten gefunden werden, weil sie vom FSB herausgeholt worden waren. Litwinenko war überzeugt, dass die Geiselnahme in Wahrheit eine geplante Aktion des FSB war.[http://news.sbs.com.au/dateline/index.php?page=archive&daysum=2003-06-04# Terrorism takes front stage ? Russia?s theatre siege]. Auf: SBS-TV vom 4. Juni 2003
= Unterstützung von al-Qaida
=In einem Interview im Juli 2005 mit der polnischen Zeitung Rzeczpospolita warf Litwinenko dem von Putin geführten FSB vor, im Jahr 1998 Aiman az-Zawahiri und andere al-Qaida-Führer in der an Tschetschenien angrenzenden Teilrepublik Dagestan trainiert zu haben.[http://www.financialsense.com/stormwatch/geo/pastanalysis/2006/1120.html Kremlin Poison]. Auf: Financial Sense vom 20. November 2006
= Romano Prodis KGB-Komplizenschaft
=Im April 2006 machte Litwinenko mit Anschuldigungen gegen den italienischen Ministerpräsidenten Romano Prodi auf sich aufmerksam. Aus seinen Kontakten zu früheren russischen FSB-Mitarbeitern will Litwinenko zuverlässige Informationen erhalten haben, dass Prodi mit dem KGB zusammengearbeitet habe. Dies erklärte der britische Europaabgeordnete Gerard Batten am 3. April 2006 im EU-Parlament.[http://www.gerardbattenmep.co.uk/speeches.php?subaction=showfull&id=1144768311&archive=&start_from=&ucat=4&TB=home2 Battens Rede im Original auf seiner Website]
= Pädophilie-Anschuldigungen gegen Putin
=Litwinenko beschuldigte im Juli 2006 auf der Website der tschetschenischen Separatistenbewegung Wladimir Putin der Veranlagung zur Pädophilie.[http://www.chechenpress.info/events/2006/07/05/03.shtml Der Kreml-Tschikatilo]. Auf: chechenpress.info vom 5. Juli 2006
Er verglich ihn mit dem bekannten ukrainischen Massenmörder und Kannibalen Andrei_Tschikatilo.
= Letzte, unveröffentlichte Recherchen
= Zerschlagung von Jukos
Vor seinem Tod soll Litwinenko brisantes Material über die Zerschlagung des russischen Ölkonzerns Jukos gesammelt haben. Dies berichtete die britische Tageszeitung The Times. Litwinenko habe Unterlagen besessen, die bewiesen, dass mehrere Mitarbeiter des Unternehmens verschwunden oder gestorben seien und dass die russische Regierung an diesen Verbrechen direkt beteiligt gewesen sei. Die Akte habe Litwinenko dem früheren, mittlerweile in Israel lebenden Jukos-Vize Leonid Newslin übergeben.[http://www.welt.de/politik/article86248/Ex-Spion_recherchierte_zu_Skandal_um_Oelkonzern_Yukos.html Ex-Spion recherchierte zu Skandal um Ölkonzern Yukos] In: Die Welt vom 27. November 2006
Ermordung von Anna Politkowskaja
Eigenen Aussagen zufolge hat Litwinenko sich zuletzt auch mit dem Mord an der Moskauer Journalistin Anna_Politkowskaja beschäftigt. Er soll sich am Tag seiner Verstrahlung mit Polonium-210 mit dem italienischen Geheimdienstexperten Mario Scaramella getroffen haben, der ihm angeblich wichtige Unterlagen zu diesem Fall überreichte. Darin sollen Mitglieder einer Spezialeinheit des FSB als Urheber des Mordes an Politkowskaja angeführt werden. Litwinenko sei in diesen Unterlagen ebenso wie der in London lebende russische Oligarch Beresowski als nächstes Ziel von Anschlägen genannt worden.[http://www.diepresse.com/Artikel.aspx?channel=p&ressort=a&id=601890 Eine Spur des Todes durch London] In: Die Presse vom 29. November 2006
Tod
Am 1. November 2006 ließ sich Litwinenko mit Vergiftungserscheinungen in ein Krankenhaus einweisen. In den folgenden Tagen verschlechterte sich sein Zustand rasant. Die Mediziner gingen zuerst davon aus, dass Thallium für den körperlichen Verfall Litwinenkos gesorgt hatte. Erst wenige Stunden vor dem Ableben fand man große Mengen der radioaktiven Substanz Polonium-210 im Urin.[http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,450599,00.html Ärzte finden radioaktive Substanz im Körper des toten Ex-Spions] Auf: Spiegel Online vom 24. November 2006
Litwinenko starb am 23. November 2006 um 21.21 Uhr Ortszeit an den Folgen der Polonium-Vergiftung.[http://www.tagesschau.de/aktuell/meldungen/0,1185,OID6126036,00.html Chronologie des Falles Litwinenko] Auf: tagesschau.de vom 24. Dezember 2006
Nur wenige Stunden bevor er das Bewusstsein verlor, erklärte Litwinenko in einem Interview mit der Times, dass er vom Kreml zum Schweigen gebracht worden sei.[http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,450434,00.html «Die Bastarde haben mich gekriegt»] Auf: Spiegel Online vom 24. November 2006
Die Beerdigung auf dem Londoner Highgate-Friedhof (lt. Merkur Online vom 7. Dezember 2006) wurde nach islamischem Ritus abgehalten (Litwinenko war kurz vor seinem Tod zum Islam übergetreten).[http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,452375,00.html Litwinenko konvertierte auf Totenbett zum Islam] Auf: Spiegel Online vom 4. Dezember 2006
[http://www.express.co.uk/news_detail.html?sku=814 Was ex-spy trying to sell dirty bomb?] Auf: Daily Express online vom 3. Dezember 2006
Litwinenko hinterließ seine Frau Marina und einen zehnjährigen Sohn.
Der Fall Litwinenko
Ermittlungen
Die Ermittlungen im Fall Litwinenko werden von Scotland Yard geführt; die britische Polizeibehörde stufte den Tod am 6. Dezember 2006 als Mord ein.[http://www.netzeitung.de/ausland/469863.html Scotland Yard spricht von Mord am Ex-Spion] Auf: netzeitung.de vom 6. Dezember 2006
[http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,453002,00.html Scotland Yard spricht jetzt offiziell von Mord] Auf: Spiegel Online vom 6. Dezember 2006
[http://www.diepresse.com/home/politik/aussenpolitik/65259/index.do Scotland Yard ermittelt offiziell wegen Mordes] Auf: diepresse.com vom 7. Dezember 2006
Am darauf folgenden Tag eröffnete auch die russische Staatsanwaltschaft ein Verfahren wegen Mordes an Litwinenko. Damit wird ? falls die Ermittlungen zu einem offiziellen Ergebnis kommen ? ein Prozess gegen mutmaßliche Täter in Russland möglich.[http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,453156,00.html Russland eröffnet eigenes Ermittlungsverfahren] Auf: Spiegel Online vom 7. Dezember 2006
Nach bisherigen Erkenntnissen wurde Litwinenko am 1. November 2006 in der Bar des Millennium Hotel mit Polonium-haltigem Tee vergiftet.[http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,453322,00.html Tödlicher Drink im Fünf-Sterne-Hotel] Auf: Spiegel Online vom 8. Dezember 2006
Hier traf er sich mit den russischen Geschäftsmännern (und früheren Spionen) Andrej Lugowoi und Dmitri Kowtun.[http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,453680,00.html Busticket weist auf Vergiftung in Hotelbar hin] Auf: Spiegel Online vom 11. Dezember 2006
Möglicherweise war noch eine weitere Person namens "Wladislaw" involviert; diese steht im Verdacht, den kontaminierten Tee zubereitet und Litwinenko übergeben zu haben.[http://www.timesonline.co.uk/article/0,,3-2556377.html Police match image of Litvinenko's real assassin with his death-bed description] In: The Times vom 20. Januar 2007
[http://www.n-tv.de/755950.html Fall Litwinenko - Mörder identifiziert] Auf: n-tv.de am 20. Januar 2007
Nach dem Treffen im Millennium Hotel war Litwinenko mit Mario Scaramella zum Mittagessen in einer Sushi-Bar verabredet. Und anschließend traf er sich mit dem tschetschenischen Rebellensprecher Achmed Sakajew.[http://www.tagesschau.de/aktuell/meldungen/0,1185,OID6126036,00.html Chronologie des Falles Litwinenko] Auf: tagesschau.de vom 24. Dezember 2006
Im Visier von Scotland Yard steht insbesondere Lugowoi ? laut dem Guardian möchten die Ermittler den wieder nach Russland ausgereisten früheren KGB-Mann nach London ausliefern lassen.[http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,462531,00.html London fordert Auslieferung Lugowois] Auf: Spiegel Online vom 26. Januar 2007 Aber auch Kowtun ist nicht unverdächtig, ließen sich doch Polonium-Spuren bei seinen Verwandten in Deutschland nachweisen.[http://www.dw-world.de/dw/article/0,,2264173,00.html?maca=de-teaser_top_stories-212-rdf Scotland Yard unterstützt deutsche Ermittler im Fall Litwinenko] Auf: dw-world.de vom 10. Dezember 2006
Spekulationen über die Täterschaft
= Litwinenko beschuldigt Putin
=Am 21. November ? zwei Tage vor seinem Tod ? diktierte Litwinenko seinem Vater einen Abschiedsbrief. Darin machte er den russischen Präsidenten Putin für seinen Tod verantwortlich:
Putin wies die Anschuldigungen bezüglich einer Beteiligung Moskaus an der Ermordung Litwinenkos als unbegründet zurück.[http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,450599,00.html Ärzte finden radioaktive Substanz im Körper des toten Ex-Spions] Auf: Spiegel Online vom 24. November 2006
= Spekulationen westlicher Medien
=Das Medieninteresse für das Schicksal Litwinenkos entbrannte Mitte November 2006, nachdem sich dessen Zustand massiv verschlechtert hatte. Nach Angaben des Guardian stellte zu Beginn die PR-Agentur Chime Communications ? im Auftrag von Beresowski ? eine Kampagne auf die Beine. Die Agentur verbreitete Informationen über den Gesundheitszustand von Litwinenko mit Fotos aus dem Krankenhaus.[http://www.guardian.co.uk/russia/article/0,,1955864,00.html Poisoned former KGB man dies in hospital] In: The Guardian vom 24. November 2006
Die meisten westlichen Medien heben das Interesse hervor, welches "Moskau", das "Putin-Regime", der "russische Geheimdienst" an einer Beseitigung Litwinenkos gehabt haben könnte.[http://www.zeit.de/online/2006/48/Litwinenko Giftige Grüße aus Moskau] Auf: ZEIT online vom 28. November 2006
Ergänzend werden die Täter auch in den Kreisen der russischen Mafia vermutet.[http://www.faz.net/s/RubDDBDABB9457A437BAA85A49C26FB23A0/Doc~E10577EDBC2614C909F7446FE466EE271~ATpl~Ecommon~Sspezial.html Der Agent und Putin] Auf: FAZ.net Diskutiert wird aber auch die in Russland verbreitete Theorie, dass eine andere Täterschaft bewusst den Verdacht auf "Moskau" lenken wollte.[http://www.guardian.co.uk/russia/article/0,,1955864,00.html Poisoned former KGB man dies in hospital] In: The Guardian vom 24. November 2006
[http://www.townhall.com/columnists/PatrickJBuchanan/2006/11/27/is_putin_being_set_up Is Putin being set up? (Wird Putin kompromittiert?)] Patrick Buchanan auf: townhall.com vom 27. November 2006
= Spekulationen in Russland
=Der Berater des Präsidenten, Sergei Jastrschembski, vermutete in einer Reportage des russischen Staatssenders Westi ein Komplott gegen die Regierung: ?Ich denke, wir haben es mit einer gut organisierten Kampagne oder einem konsequenten Plan zur Diskreditierung Russlands und seiner Führung zu tun.?[http://www.vesti.ru/comments.html?id=53078&tid=40713 ???????????? ?????? (Ein seltsamer Tod)] Auf: vesti.ru vom 24. November 2006
Ende Dezember 2006 bezeichnete die russische Generalstaatsanwalt Leonid Newslin als möglichen Auftraggeber für den Mord an Litwinenko. Der seit 2003 in Israel lebende ehemalige Mitbesitzer des Ölunternehmens Jukos hat die Verdächtigung als ?absoluten Schwachsinn? zurückgewiesen.[http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,456773,00.html Moskau gibt Jukos-Manager die Schuld] Auf: Spiegel Online vom 27. Dezember 2006
[http://de.rian.ru/society/20061228/58032925.html Ex-Yukos-Miteigner Newslin als Mittäter bei Litwinenko-Mord verdächtigt] Auf: RIA Novosti vom 28. Dezember 2006
Der Regierungskritiker Eduard_Limonow wiederum stützt die These Litwinenkos und stellt Präsident Putin an den Pranger: ?Das Argument all der Herren ist: Es war für Putin nicht nützlich, den Befehl zur Beseitigung Litwinenkos und Politkowskajas zu geben. Doch dieses Argument passt nicht für Herrn Putin und seine Umgebung. Die Jukos-Affäre hat dem Image Russlands und Putins gewaltigen Schaden zugefügt, hat sich negativ ausgewirkt auf die Entwicklung Russlands und wird sich noch weiter negativ auswirken. Trotzdem hat man die Jukos-Spitze mit unnützer Grausamkeit und Rachsucht verfolgt. Der Beschuss der Schule in Beslan, der Gasangriff auf das Kino Nord-Ost haben die unmenschlichen, tierischen Züge des Regimes gezeigt ? sie waren völlig unnütz und wurden durchgeführt. Putin ist ein Mensch der Rache und der Emotionen. Litwinenko war im Jahr 2006 schon nicht mehr aktuell. Doch man hat Rache genommen für die Pressekonferenz des Jahres 1998, für sein Buch ?Wie der FSB Russland in die Luft sprengt?. Das war eine demonstrative, auf Schau angelegte Bestrafung ? lange und quälend, zur Abschreckung.?[http://www.grani.ru/Politics/Russia/FSB/m.114988.html ??????????????? ????? (Eine demonstrative Bestrafung)] Auf: grani.ru (russische Internetzeitung) vom 28. November 2006
Eine weitere Meinung vertritt Julia Latynina, die prominente russische Wirtschaftsjournalistin der Nowaja Gaseta und Buchautorin: ?Das Verbrechen trägt die Handschrift einer aggressiven Fraktion innerhalb der Staatssicherheit, deren Ziel es ist, Putins Integrationsbemühungen gen Westen Einhalt zu bieten.?[http://www.faz.net/s/RubFC06D389EE76479E9E76425072B196C3/Doc~EA722AC562EC14E64A0FDF3B90B15EA36~ATpl~Ecommon~Scontent.html Ist alles nur eine Verschwörung von Putins Gegnern?] Julia Latynina in FAZ.net vom 2. Dezember 2006
Verfahren gegen Lugowoi
Am 22. Mai 2007 beschuldigte die britische Staatsanwaltschaft den früheren russischen Agenten und Geschäftsmann Andrej Lugowoi offiziell des Mordes. Sie erließ einen Haftbefehl, forderte eine schnelle Auslieferung von Russland an Großbritannien und empfahl Anklage zu erheben. Die russische Seite beruft sich darauf, dass nach geltender russischer Gesetzeslage russische Staatsbürger nicht an andere Staaten ausgeliefert werden könnten. [http://www.faz.net/s/RubDDBDABB9457A437BAA85A49C26FB23A0/Doc~EF08C0924D9DE41658780CCD4D6F20A84~ATpl~Ecommon~Scontent.html Anklage gegen Andrej Lugowoj] In: Frankfurter Allgemeine Zeitung online vom 22. Mai 2007 Die russische Nachrichtenagentur Interfax berichtete, der russische Generalstaatsanwalt lehne die Auslieferung Lugowois ab.[http://news.bbc.co.uk/2/hi/uk_news/6678887.stm Russian faces Litvinenko charge] Auf Homepage der BBC Vom: 22. Mai 2007. Die britische Seite erklärt dagegen, Russland könne auf Basis einer Europäischen Konvention aus dem Jahr 2001 eigene Staatsbürger sehr wohl an andere Länder ausliefern.
Erklärung der britischen Staatsanwaltschaft
Der Vertreter der königlichen Staatsanwaltschaft (Crown Prosecution Service) Sir Ken Macdonald erklärte dazu:
"Ich habe heute beschlossen, dass die Beweise, die uns von der Polizei übergeben wurden genügen, um Andrej Lugowoi des Mordes an Herrn Litwinenko mittels absichtlichen Vergiftens zu beschuldigen. Ich habe ferner beschlossen, dass die Strafverfolgung klar im öffentlichen Interesse ist. In dieser Lage habe ich die Mitarbeiter der Staatsanwaltschaft angewiesen unverzüglich Schritte zu unternehmen, um die baldige Auslieferung von Andrej Lugowoj durch Russland an das Vereinigte Königreich zu erreichen, damit er des Mordes angeklagt und schnell vor ein Londoner Gericht gestellt werden kann, um wegen dieses außerordentlich schweren Verbrechens angeklagt zu werden."[http://news.bbc.co.uk/2/hi/uk_news/6679873.stm Wortlaut der Erklärung] Auf:BBC-online vom 22. Mai 2007
Die Beweislage
Wie die britische Zeitung The Guardian am 23. Mai 2007 berichtete, stützt sich die Anschuldigung gegen Lugowoi vor allem auf die Polonium-Spur, die der mutmaßliche Täter nach der Vergiftung hinterlassen hat.
Der Täter habe sich bei der Vergiftung selbst kontaminiert. In der Folge habe er in Restaurants, Hotelzimmern, Taxis an Lichtschaltern, Banknoten, Quittungen von Kreditkarten und Flugtickets winzige Spuren von Polonium hinterlassen. Auch Personen, mit denen er in Kontakt gekommen sei, hinterließen danach Polonium-Spuren, allerdings in wesentlich geringerem Umfang. Ebenso scheide das Opfer, vom Zeitpunkt seiner Vergiftung über die Schweißdrüsen geringe Mengen Polonium aus.
Alle Polonium-Spuren führten zu Andrei Lugowoi. Dieser habe bei einem Treffen im Millenium Hotel Litwinenko das Polonium in eine Teekanne gegossen, so das Blatt.
Das amerikanische FBI habe Polonium 210, das von Russland aus in die USA exportiert wurde, mit dem Polonium verglichen, mit dem Litwinenko ermordet wurde. Dies versetze die britischen Ermittler in die Lage, sowohl den Reaktor, aus dem das Polonium stammt zu identifizieren als auch das genaue Datum der Polonium-Produktion zu bestimmen.[http://www.guardian.co.uk/russia/article/0,,2085751,00.html Ian Cobain: The polonium-210 trail that police say led to Moscow] In The Guardian online vom 23. Mai 2007
Werke
*????????? ??????????, ???? ????????????, ??? ???????? ??????. Liberty Publishing House, New York 2002. ISBN 0914481630. Im Internet: [http://www.zeka.ru/september99/book.html zeka.ru], [http://terror99.ru/book.htm terror99.ru].
**Übersetzungen:
Blowing up Russia: Terror from Within. S P I Books, August 2002. ISBN 1561719382
Blowing up Russia. The Secret Plot to Bring Back KGB Terror. Gardners Books, January 2007. ISBN 1903933951
Blowing up Russia. The Secret Plot to Bring Back KGB Terror. Encounter Books, April 2007. ISBN 1594032017
*????????? ??????????, ????????? ?????????? ??????????? (Gang from Lubyanka). 2002. Im Internet: [http://www.compromat.ru/main/fsb/litvinenkolpg.htm compromat.ru], [http://lib.aldebaran.ru/author/litvinenko_aleksandr/litvinenko_aleksandr_lubyanskaya_prestupnaya_gruppirovka/ lib.aldebaran.ru].
*Ein Buch über den Aufstieg Putins und den FSB war in Vorbereitung.
Literatur
*Alex Goldfarb, Marina Litvinenko, Death of a Dissident: Alexander Litvinenko and the Death of Russian Democracy. The Free Press, May 2007. ISBN 1416551654
Weblinks
• Schwerpunkt-Thema Litwinenko in der Wochenzeitschrift Die Zeit
• FAZ-Spezial zum Fall Litwinenko
• Special der Wirtschaftszeitung Handelsblatt zu Litwinenko
• Litwinenkos Lebenslauf (englisch)
• Die Times Online mit einem Hintergrundbericht zu Litwinenkos Leben in Großbritannien (englisch)
• Die russische Zeitung Kommersant zum Fall Litwinenko (englisch)
• Litwinenko-Stiftung (englisch/russisch) - von der Witwe Alexander Litwinenkos gegründet

