Alexander Hermann von Wartensleben
Alexander Hermann Reichsgraf und Graf von Wartensleben (16. Dezember 1650 in Lippspringe; ? 26. Januar 1734 in Berlin), war Offizier in verschiedenen Diensten und zuletzt preußischer Generalfeldmarschall.Herkunft und Familie
Alexander Hermann von Wartensleben wurde am 16. Dezember 1650 als ältester Sohn des Gutsbesitzers Herrmann Hans von Wartensleben und seiner Ehefrau Elisabeth von Haxthausen in Lippspringe bei Paderborn geboren. Sein Vater war Herr der Güter Exten, sowie von Rinteln, Nordhold und Ottleben. Exten war der Stammsitz der Familie, Lippspringe wurde Geburtsort, da seine Mutter gerade ihren Bruder dort besuchte. Getauft wurde Alexander Herrmann am 15. Januar 1651 in Exten. Alexander Herrmann hatte sechs Brüder und vier Schwestern. Seine vier älteren Brüder sind alle gefallen, ein jüngerer Bruder starb an den Kriegsfolgen.
Militärischer Werdegang
Wartensleben wurde zunächst vom Bischof von Paderborn, Ferdinand von Fürstenberg, dann von der Landgräfin Sophie von Hessen-Kassel erzogen, trat 1666 in die Dienste der franz. Grands Mousquetaires, 1667/68 Teilnahme am Feldzug in den Niederlanden unter Turenne: Belagerung von Ryssel, 1668 Lieutenant und Adjutant des Regiments Elsaß, 1673 aus franz. Diensten ausgeschieden und bei der kurbrandenburg. Garde am Oberrhein eingetreten, 1673 Kapitän in hessen-kasselschen Diensten, 1675/79 Teilnahme am Feldzug gegen die Schweden: Treffen bei Landskrona, Gefechte auf der Insel Rügen (verwundet), 1675 Major, 10. Juli 1680 Oberstlieutenant und Führer der hessen-kasselschen Garde, 1683 beim Entsatz von Wien, 1684 bei der Belagerung von Ofen, 30. Dezember 1684 Oberst, 12. März 1686 dem Obristen Johann zur Brügge als Kommandant von Ziegenhain zugeteilt, 1687 bei den Venetianern in Morea, 1689 Teilnahme an der Einnahme von Mainz,
2. Februar 1690 Generalmajor in landgräflich-hessischen Diensten,
1689/91 Oberkommando aller zwischen Bonn und Heidelberg liegenden hessischen Truppen, Belagerung von Namur,
1691 als General en chef in sachs.-gothaische Dienste getreten, Führer der gothaischen Truppen im Reichsheer,
27. Dezember 1691 kaiserlicher General-Feldmarschall-Lieutenant, 1691/95 Feldzug in Flandern und am Oberrhein,
1695 kaiserl. Generalfeldzeugmeister (zu diesem Anlass wird in Wien eine Medaille mit seinem Bild geprägt),
18. August 1702 Eintritt in preußische Dienste als General der Infanterie, Chef der Garde (Regiment Nr.1) und Geheimer Kriegsrat, 19. August 1702 auch Gouverneur_von_Berlin, 2. September 1702 Ritter des Hohen Ordens vom Schwarzen Adler,
1703 preußischer Grafenstand, 17. Oktober 1705 Amtshauptmann zu Potsdam und Saarmund, 1705 Feldzug in Pommern,
23. März 1706 Generalfeldmarschall und Erhebung in den Reichsgrafenstand
ab 1. April 1713 trägt das 1.Garderegiment seinen Namen (Graf Wartensleben),
11. Mai 1722 erbliches Bürgerrecht von Neufchatel,
Abbildungen
Im Schloss Molsdorf bei Erfurt hängt ein Altersbildnis (Öl) des Feldmarschalls von Wartensleben, vermutlich gemalt von Bescheky.
Darüberhinaus gibt es mehrere Kupferstiche, darunter einen von 1717 des Kupferstechers Wolffgang.
In der 1858 erschienenen, zweibändigen Familiengeschichte der Wartensleben befindet sich ebenfalls ein Kupferstich nach einem Gemälde von Antoine Pesne.
Im Internet unter "google - bilder" sind mehrere Abbildungen des Feldmarschalls zu sehen, ein großes Ölportrait mit Marschallsstab, der Stich aus der Familiengeschichte sowie der Kupferstich mit Familienwappen von Wolffgang.
Biographie
Von 1701 bis 1710 war er Generalfeldmarschall Friedrichs_I. von Preußen, Geheimer Kriegsrat und Gouverneur von Berlin sowie Ritter des Schwarzer-Adler-Ordens. Als Mitglied des ?Drei-Grafen-Kabinetts?, auch bekannt als die ?drei Ws? (Wartenberg, Wartensleben und Wittgenstein), bestimmte er knapp acht Jahre die preußische Politik.
Wartensleben ist Schwiegervater des späteren Generalfeldmarschalls Graf Hans Heinrich von Katte, also Großvater des 1730 enthaupteten Lieutenants Hans Hermann von Katte, um dessen Leben er vergeblich den König durch Kniefall bat.
Graf Wartensleben erhielt ein Staatsbegräbnis und für sich und seine Familie ein Erbbegräbnis in der Berliner Garnisonkirche, die im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde. Über die Beisetzungsfeierlichkeiten findet sich ein langer Artikel in der Berlinischen Zeitung vom 5. Februar 1734. Die Gebeine aus der völlig kriegszerstörten Kirche wurden nach 1945 in einem gemeinsamen Grab auf dem Stahnsdorfer Friedhof bei Berlin beigesetzt.

