Alex Harvey
Alex Harvey (5. Februar 1935 in Glasgow, Schottland; ? 4. Februar 1982 in Zeebrugge, Belgien) war ein schottischer Rockmusiker aus dem Arbeitermilieu. Mit seiner Sensational Alex Harvey Band (SAHB) war er in den 1970ern einer der gefeiertsten Bühnenstars in Europa.Seine musikalischen Wurzeln hatte Harvey in der Dixieland- und Skiffle-Musik, die in den 1950ern in Großbritannien populär war. Er gewann einen Wettbewerb, in dem "Schottlands Antwort auf Tommy Steele" gesucht wurde.
1959 hatte Harvey seine eigene Band, Alex Harvey's Big Soul Band, die mit mäßigem Erfolg Blues und Rock'n'Roll spielte und auch Engagements in Hamburg hatte. 1967 gründete Harvey zusammen mit seinem Bruder Leslie Giant Moth, eine kurzlebige psychedelische Band, die es auf zwei Single-Veröffentlichungen brachte. Anschließend spielte er in der Londoner Produktion des Musicals Hair.
1972 entstand die Sensational Alex Harvey Band (SAHB), die die Stilvorlage einer kurz zuvor nur in Holland erschienen Harvey Lp namens "The Joker Is Wild" übernahm. Neben Harvey gehörten Zal Cleminson (Gitarre), Chris Glen (Bass) sowie die Cousins Ted (Schlagzeug) und Hugh McKenna (Keyboards) dazu, die zuvor unter dem Namen "Tear Gas" zusammen gespielt hatten. Mit dieser Gruppe hatte Harvey seine größten musikalischen und kommerziellen Erfolge. Der Durchbruch gelang während einer Tour als Support Act für die damals sehr populäre Hard Rock Truppe Slade. Tourbeginn war der 31. Mai 1973 in Green's Playhouse zu Glasgow. Die Verbindung mit Slade sorgte für regen Zulauf aus der Glam Rock Szene. Im Oktober 1973 erfolgte die erste Tour als Headliner in Großbritannien. Kontinentaleuropa erlebte die bizarr theatralische Harvey Band zuerst im Beiprogramm von Status Quo. Für drei Jahre umgab sich die SAHB mit einem wilden Dämonenkult um eine mystische Gestalt namens "Vambo", die aus einer Parallelwelt namens "Vibrania" aufgebrochen war, um die Menschheit von ihren Irrwegen abzubringen. Der Mut zum exzentrisch-exquisiten Arrangement sollte letztlich nur einen steten Mangel an niveauvollen Melodien ausgleichen. Schon allein deshalb gehörten Musical- Interpretationen bei der SAHB zum Bühnenstandard. Daneben gab's immer wieder Ausflüge in die Welt des Hard Rock, Blues Rockund Space Rock, die zum Teil bereits den Charakter von Weltmusik hatten, da auch Elemente aus der schwarzafrikanischen und arabischen Musik übernommen wurden.
Ein schönes Beispiel hierfür ist die Hugh McKenna Komposition "Sirocco", die diesen heißen Wüstenwind fast schon physisch spürbar macht.
Harvey litt zunehmend unter Rückenschmerzen und Alkoholismus, der auch mit dem nicht verwundenen Bühnentod seines Bruders Leslie bei Stone the Crows zusammenhing. Die Band löste sich 1977, am Vorabend einer großangelegten Europa-Tournee, auf. Zwar kam man 1978 noch einmal zusammen, um das finale, grossartige Album Rock Drill einzuspielen, jedoch spielte die Band nie wieder live. Zal Cleminson wechselte zu Nazareth und Ted McKenna blieb für ein paar Jahre bei Rory Gallagher. 1979 nahm ein ziemlich angetrunkener Alex Harvey mit anderen Musikern das Album The Mafia Stole My Guitar auf und vergab durch unkonzentrierten, geradezu jaulenden Gesang die Chance auf ein größeres Comeback. Kurz vor seinem allzu frühen Tod lief er nochmal zu altgewohnter Form auf, wie man auf dem posthum veröffentlichten Album "The Soldier On The Wall" begutachten kann.
Sein erfolgreichster Song war The Faith Healer auf dem dritten SAHB Album Next 1973. Hugh McKenna simulierte mit seiner Orgel zum ersten Male einen Bass-Sequenzer, was dieser Voodoo Rock Nummer einen ziemlich avantgardistischen Touch verlieh. Zuerst kaum beachtet wurde "The Faith Healer" später dann doch sehr schnell das Erkennungslied der Band. Der Titel wurde von mehreren Bands gecovert, darunter The Cult und The Bollock Brothers.
Alex Harvey starb während einer Tournee in Belgien an einem Herzinfarkt, einen Tag vor seinem 47. Geburtstag.
Diskografie
* Alex Harvey and His Soul Band (1963)
* The Blues (1964)
* Having a Hair Rave up Live from the Shaftsbury Theatre (1967)
* Roman Wall Blues (1969)
* The Joker is wild (1972)
* This Is The Sensational Alex Harvey Band (1972)
* Framed (1972)
* Next (1973)
* The Impossible Dream (1974)
* Live (1975)
* Tomorrow Belongs to Me (1975)
* Penthouse Tapes (1976)
* SAHB Stories (1976)
* Alex Harvey Presents the Loch Ness Monster (1977)
* Big Hits and Close Shaves (1977)
* Rock Drill (1978)
* The Mafia Stole My Guitar (1979)
* The Soldier On The Wall (1983)
* Zalvation (2006)
Weblinks
• Biografie bei All Music Guide (engl.)
• Artikel über The Faith Healer (engl.)
bar:Alex Harvey

