Albulabahn
Am 1. Juli 1903 konnte die Eröffnung des Abschnitts von Thusis nach Celerina gefeiert werden. Weil sich die RhB und die Gemeinde St. Moritz noch über den Standort des dortigen Bahnhofs einigen mussten, verzögerte sich die Einweihung des knapp 3 km langen Reststücks bis zum 10. Juli 1904. Der Mangel an Kohle während des Ersten_Weltkrieges veranlasste die RhB, die Elektrifizierung in Angriff zu nehmen. Am 20. April 1919 wurde mit dem Abschnitt Bever?Filisur das erste Teilstück der Strecke mit der auf der Engadinerlinie bewährten Wechselspannung von 11 kV 16 2/3 Hz elektrifiziert. Am 15. Oktober folgte die Fortsetzung bis Thusis.Seit 1930 benutzt der Glacier-Express die Trasse der Albulabahn, der Bernina-Express kam nach dem Zweiten_Weltkrieg hinzu. Beide Züge begründeten als Aushängeschild der Rhätischen Bahn den legendären Ruf der Bahngesellschaft bei den Eisenbahnfreunden in aller Welt.
Seitdem im Jahre 1969 die Linie mit Streckenblock ausgerüstet wurde, kann der Zugbetrieb auf den meisten Stationen fernüberwacht werden. 2005 übernahm das Rail Control Center Landquart die Aufgaben des Fernsteuerzentrums Filisur.
Das Unterwerk Bever wurde 1973 modernisiert. Die sukzessive erweiterten Ausweichgleise der Stationen weisen heute sämtlich Längen über 260 m auf, was einem Schnellzug mit 13 Wagen entspricht. Seit Ende der 1990er Jahre erstellte die RhB drei kurze Doppelspurabschnitte ? bei Thusis, bei Filisur und unterhalb von Preda ? um die stündlichen Zugkreuzungen flüssiger abwickeln zu können. Die übrige Strecke ist nach wie vor eingleisig trassiert und immer noch weitestgehend im Zustand von 1904.
Zugbetrieb
Zwischen Chur und St. Moritz verkehren täglich Schnellzüge ? seit Dezember 2004 offiziell RegioExpress genannt ? im Stundentakt. Für den Abschnitt Thusis?St. Moritz benötigen sie 1 Stunde 34 Minuten, fahren also mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 39 km/h. Einer dieser Züge ist auch der Glacier Express, der von und bis Zermatt durchläuft. Es werden nur noch die Schnellzugstationen bedient, an den kleineren Bahnhöfen halten seit den 1990er Jahren keine Züge mehr. Ein Retourbillett der 2. Klasse kostet zwischen Chur und St. Moritz 74 CHF, das sind knapp 50 ? (Stand 2006).
Zum Einsatz kommen mehrheitlich die modernen Elektrolokomotiven der Reihe Ge_4/4_III, die auch auf der Vereinastrecke eingesetzt werden. Die Albulabahn war einst Haupteinsatzgebiet der RhB-Krokodile (Ge 6/6 I). Die verbliebenen Loks dieser Serie und die ebenfalls historischen Ge 4/6 verkehren auch heute noch vor den nicht seltenen Sonderzügen. Die neueren RhB-Lokomotiven haben dagegen nicht die Popularität der Krokodile erreicht. Sie stehen jedoch in einem tagtäglichen Einsatz, dessen Schwierigkeiten aufgrund der Streckenführung und der Dichte des Fahrplanes kaum mit anderen Bahnen dieser Grössenordnung und Spurweite zu vergleichen sind. Hinzu kommt der für eine Schmalspurstrecke ungewöhnlich dichte Güterverkehr, der im gebirgigen Gelände viele Aufgaben des Strassenverkehrs übernimmt. Fast alle Bahnhöfe der Strecke werden mit Güterzügen bedient; die grösseren verfügen über (mindestens) eine eigene Rangierlokomotive. Die wichtigsten Transportgüter sind Holz, Zement und andere Baustoffe, Mineralölprodukte und Lebensmittel.
Ein weiteres Aufgabengebiet der Bahn ist der Transport von Autos mitsamt Passagieren durch das Hochgebirge. Die alpinen Witterungsverhältnisse machen die ganzjährige Benutzung der Pässe unmöglich, während man mit Hilfe der Albulabahn problemlos die Gebirgsbarriere überwinden kann. Daher bietet die Rhätische Bahn die Möglichkeit an, in Thusis das eigene Auto auf spezielle Autotransportwagen zu verladen und nach Samedan befördern zu lassen.
Eine wohl weltweit einzigartige betriebliche Besonderheit sind die Schlittelzüge auf dem Abschnitt Bergün?Preda. Die im Winter für den Autoverkehr gesperrte Albulapassstrasse wird auf einer Länge von über 6 km als Schlittenbahn genutzt. Den Rücktransport von Schlitten und Piloten hinauf nach Preda übernehmen die Züge der Rhätischen Bahn.
Literatur
* Gian Brüngger, Tibert Keller, Renato Mengotti: Abenteuer Albulabahn. Chur 2003, ISBN 3-856-37279-2
* Gion Caprez und Peter Pfeiffer: Albulabahn. Harmonie von Landschaft und Technik. Zürich 2003, ISBN 3-905-11189-6
* Hubertus von Salis Soglio: Bahnhistorischer Lehrpfad Preda-Bergün. Herausgegeben vom Verkehrsverein Bergün. Thusis 51997 (Bezug beim RhB-Bahnladen oder am Bahnhof Bergün).
* Henning Wall: Albula?Schlagader Graubündens. Aachen 1984, ISBN 3-921679-33-8
* Eisenbahn Journal Sonderausgabe Rhätische Bahn (I). Hermann Merker Verlag, Fürstenfeldbruck 1.1988, S. 34?102.
* Friedrich Hennings: Projekt und Bau der Albulabahn. Chur 1908.
Weblinks
• Offizielle Website der Rhätischen Bahn
• Fahrplan der Albulabahn (PDF; 249 KB)
• Albulabahn auf www.eisenbahnen.at Umfangreiche Fotosammlung sowie Streckenkarte
Galerie
Bild:Albulabahn01.jpg|Strecke der Albulabahn zwischen Preda und Bergün. Der aus dem Toua-Tunnel auftauchende Zug hat knapp eine Minute zuvor den darüber liegenden Albulaviadukt III überquert
Bild:CH_Solis_Bridge_wide.jpg|Die Solisbrücke der Albulabahn
Bild:Albula05.jpg|Ausschließlich in Massivbauweise erbaut: Die Viadukte der Albulabahn
Bild:Ge 6-6 I 407 Krokodil.jpeg|Eine der ab 1921 extra für die Albulabahn beschafften «Krokodil» - Elektrolokomotiven
Bild:Albula04.jpg|Ein Güterzug im Bahnhof Bergün
Bild:Bever_2003-10-16.jpg|Güterzug mit Ge 4/4 III 650 bei Bever
Bild:Bergün_2004-09-07.jpg|Albulaviadukt III zwischen Preda und Bergün
Bild:Predazug.jpg|RhB-Zug vor Preda
Bild:RhB_Krokodil_Landwasser.JPG|Extrazug auf dem Landwasserviadukt

