Ebingen
Ebingen ist seit der Stadtgründung 1975 der zentrale, größte Stadtteil von Kastell_Lautlingen-Ebingen.
Ebingen selbst wurde erstmals im Jahre 793 in einer Schenkung an das Kloster_St._Gallen urkundlich erwähnt. Der Ort ist allerdings mit Sicherheit wesentlich älter. Die Siedlungen mit der Endung ?-ingen? werden als alemannische Gründungen angesehen. In der Zeit um 259/260 n.Chr. endete die Herrschaft der Römer in Südwestdeutschland - die Alemannen traten an ihre Stelle und machten sich daran, das Land zu besiedeln.
Natürlich ließen sie sich zunächst in Gegenden mit besonders mildem Klima nieder. So bald aber solche Landstriche besetzt waren, kamen die etwas weniger ?lieblichen? Regionen zur Besiedlung an die Reihe, und dazu wäre auch die ?Rauhe Alb? zu zählen. So dürfte die Gründung Ebingens im 4. oder 5. Jahrhundert n. Chr. stattgefunden haben.
Bedingt durch seine verkehrsmäßig im Vergleich zu den Nachbarorten relativ günstige geographische Lage wird Ebingen wahrscheinlich schon bald größer gewesen sein als andere Dörfer der Umgebung, denn einerseits ist durch die Schmiecha die Anbindung an das Donautal gegeben, andererseits über die nahe gelegene Eyach der Zugang zum Neckartal. Auf diese Weise entwickelte sich Ebingen während des Früh- und Hochmittelalters zum Zentralort der näheren Umgebung. Diese Funktion zeichnet sich auch im kirchlichen Bereich ab, denn seit dem 7. oder 8. Jahrhundert wurde Ebingen Sitz des gleichnamigen Landkapitels (moderne Bezeichnung: Dekanat).
Auf die Bedeutung Ebingens als wirtschaftliches und kirchliches Nahzentrum ist es wohl zurückzuführen, dass die Grafen von Hohenberg den Ort um 1260 zur Stadt erhoben, ihr ein eigenes Wappen verliehen und sie mit einem besonderen Stadtrecht versahen. Eine Stadterhebungs-Urkunde ist uns nicht erhalten; der früheste schriftliche Hinweis auf Ebingens Status als Stadt geht aber auf das Jahr 1285 zurück. Diese steht in Zusammenhang mit dem Schultheißen Albrecht von Honstetten.
Ein knappes Jahrhundert später, nämlich 1367, kam Ebingen an das Haus Württemberg, und zwar zunächst als Pfand; 1468 wurde die Stadt als württembergischer Besitz endgültig bestätigt. Alsbald erwarb sich Ebingen den Rang einer württembergischen Amtsstadt - mit gewissen Einschränkungen allerdings. Die Kommune hatte zwar einen Amtmann und war außerdem auf dem Stuttgarter Landtag vertreten, verfügte aber über keinen nennenswerten Amtsbezirk, denn lediglich die benachbarten Ansiedlungen Ehestetten und Bitz standen unter Ebinger Botmäßigkeit.
Gegen Ende des Mittelalters nahm die Ebinger Bevölkerung in einem derartigen Ausmaß zu, dass die Bewohner innerhalb der Stadtmauern keinen Platz mehr fanden. So entstanden im 15. Jahrhundert die Obere und die Untere Vorstadt.
Nach dem Dreißigjährigen_Krieg beginnt sich in Ebingen eine spezifische wirtschaftliche Besonderheit abzuzeichnen, nämlich eine deutliche Zunahme handwerklicher Berufe auf dem Textilsektor. So finden wir 1664 nicht mehr als 15 Weber; bis 1788 hatte sich deren Zahl jedoch verdoppelt; außerdem waren 53 Strumpfwirker, 77 Zeugmacher und 20 Bortenwirker hinzugekommen. Eine solche frühe Ausrichtung auf den Textilbereich wirkte sich nachhaltig auf die Industrialisierung in Ebingen aus. Deren erste Anfänge liegen im Wirken des Textilfabikanten Johannes Mauthe, genannt ?Löwen-Mauthe?, der 1834 die erste Dampfmaschine und 1836 den ersten Rundwirkstuhl nach Ebingen brachte.
Der große Durchbruch kam allerdings erst in den 1870er Jahren (Eisenbahn-Anschluss 1878). Neben der Herstellung von Trikotwaren kam in Ebingen der Produktion von Samt und Manchesterstoffen eine größere Bedeutung zu, darüber hinaus spielten der Waagenbau wie auch die Erzeugung von Nadeln (Theodor Groz, heute Groz-Beckert) eine maßgebliche Rolle. Die allgemeine wirtschaftliche Aufwärtsbewegung bewirkte eine gewaltige Bevölkerungszunahme. Hatte die Stadt 1820 noch 4126 Einwohner, so waren es 1871 bereits 5029, 1895 dann 7600 und 1910 schließlich 11423.
Der Erste_Weltkrieg beeinträchtigte die Ebinger Wirtschaft nur vorübergehend; der Mangel an Rohstoffen und Lebensmitteln erzeugte aber bei der Arbeiterschaft großen Unmut. Weniger rabiat freilich reagierten die Ebinger auf die Machtübernahme der Nationalsozialisten. Die Bürger legten keinen sichtbaren Widerstand an den Tag, als Kommunisten und Gewerkschaftler verschwanden, als die wenigen Ebinger Juden vertrieben wurden, als Vereine und Parteien sich zur Auflösung bewegen ließen. Als einer der wenigen Aufrechten kann der Fabrikant Dr. Fritz Haux gelten, der unerschrocken für die Liberalen eintrat und deswegen zeitweise im Gefängnis saß.
Der Zweite_Weltkrieg brachte mehr als 1600 Zwangsarbeiter in die Stadt, die Hälfte davon Russen. Der Krieg selbst kam erst am 11. Juli 1944 in Gestalt eines Bombenangriffs nach Ebingen, wobei 61 Menschen ums Leben kamen und im Stadtzentrum 37 Häuser zerstört wurden.
Während der NS-Zeit war seit 1934 Emil Hayer Bürgermeister von Ebingen, er wurde zunächst 1944 durch Eugen Rilling abgelöst, war aber 1945 erneut Bürgermeister. Nach Kriegsende wurde Albert Walker Bürgermeister, welcher aber schon 1946 durch Fridolin Reiber abgelöst wurde, der bis 1948 im Amt war.
Das Wirtschaftswunder der Nachkriegszeit ließ die Bevölkerung Ebingens weiter ansteigen, so dass 1956 die Zahl 20.000 erreicht wurde, was bedeutete, dass Ebingen fortan den Titel einer Großen_Kreisstadt führen durfte; der Bürgermeister wurde analog dazu zum Oberbürgermeister. Für die neu hinzu gekommenen Menschen musste Wohnraum bereit gestellt werden; es mussten neue Schulen gebaut (Schalksburgschule 1957) bzw. erweitert werden; 1956 entstand ein repräsentatives Hallenbad. Damit sind einige herausragende Leistungen des (Ober-)Bürgermeisters Walther Groz (Amtszeit 1948-1960) beim Namen genannt.
Nach dieser Aufbauphase setzte unter dessen Nachfolger Dr. Hans Hoss (1961-1975) die Konsolidierungsphase ein. In dieser Zeit entstand die Umgehungsstraße (B_463), das Berufsschulzentrum, das Gymnasium und der Krankenhaus-Neubau.
In der Fußgängerzone von Ebingen wurden 1991 von Ernst-Reinhart Böhlig entworfene, dickleibige Comicfiguren aufgestellt, die er ?Xingles? nannte und die seither die Ebinger Altstadt mitprägen. Diese Skulpturen sind umstritten, nicht zuletzt, weil für deren Aufstellung ein historischer Altstadtbrunnen weichen musste.
Politik
Wohnplätze
Zu Ebingen gehören folgende Stadtteile und Wohnplätze: Ehestetter Hof, Ehestetter Mühle, Eselmühle, Fohlenweide, Galthaus, Im Degerwand, Im Kienten, Im Mehlbaum, Jausenteich, Oststadt, Petersburg, Sandgrube, Setze, Stopper, (Am) Schloßberg, Waldheim, Weiherwuhr, Weststadt und Weißenburg.
Bürgermeister
siehe: Liste der Bürgermeister von Albstadt und der ehemalig selbständigen Gemeinden
Wappen
Das Wappen von Ebingen zeigt unter goldenem Schildhaupt eine linkshin liegende schwarze Hirschstange, geteilt von Silber und Rot.
Erklärung: Die Farben Silber und Rot stehen für die Grafschaft Hohenberg, zu der Ebingen gehörte, bevor es an Württemberg kam. Außerdem waren es die Grafen von Hohenberg, die Ebingen das Stadtrecht verliehen. Das Schildhaupt weist auf die Zugehörigkeit zu Württemberg.
Einwohnerentwicklung
Einwohnerzahlen nach dem jeweiligen Gebietsstand bis 1970. Ab 1975 siehe Albstadt. Die Zahlen sind Volkszählungsergebnisse (¹) oder amtliche Fortschreibungen der jeweiligen Statistischen Ämter (nur Hauptwohnsitze).
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¹ Volkszählungsergebnis
Signifikant ist die Verdoppelung der Einwohnerzahl innerhalb von 30 Jahren (von 1880 bis 1910) als Folge des Eisenbahnanschlusses 1878 und der florierenden Textil- und Metallverarbeitungsindustrie
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Museen
* ?Kräuterkasten?: regionales Museum für Naturkunde und Archäologie
* Heimatmuseum: Es wurde bereits 1926 gegründet und hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Ursprünglich befand es sich im Dachstock des Ebinger Rathauses, wo es beim Bombenangriff im Juli 1944 schweren Schaden nahm. Nach dem Krieg wurde es wieder hergestellt. Im Laufe der Nachkriegszeit diente es immer öfter für Kunstausstellungen. Nach der Gründung von Albstadt 1975 musste es weichen, denn der Dachstock des Rathauses wurde als Gemeinderatssaal der nun wesentlich größeren Stadt Albstadt gebraucht. Die Exponate des Heimatmuseums wurden eingemottet, die Kunstwerke fanden ein neues Domizil im evangelischen Vereinshaus, heute städtische Galerie. Erst in den 1980er Jahren fand ein Förderverein Ebinger Heimatmuseum zusammen, der es schließlich schaffte, dass das Heimatmuseum 1996 in der ?Alten Schule? auf dem Spitalhof wieder eröffnet wurde, zunächst unter dem etwas irreführenden Namen ?Ebinger Heimatstuben?, ab 1999 dann wieder unter seinem angestammten Namen.
Bauwerke
Kirchen
*Martinskirche (evangelisch), (heutiger Kirchenbau im Jugendstil, Turm von 1670): Bereits im 7. Jahrhundert entstand hier über einem alamannischen Gräberfeld ein Gotteshaus, an dessen Stelle später eine frühgotische Rundpfeilerbasilika trat. Diese Kirche wurde 1270 erstmals erwähnt, 1342 taucht sie als St. Martinskirche auf. Eine 1382 gestiftete Frauenkapelle wurde 1490 neu erbaut. In der Kirche befindet sich der Grabstein des Ritters Heinrich von Ringelstein, genannt Affenschmaltz, von 1413. Nach langen Diskussionen in der Gemeinde wurde der Großteil der St. Martinskirche 1905 aus baulichen Gründen abgerissen und dafür eine repräsentative Jugendstilkirche errichtet, mit einer eindrucksvollen Schaufassade nach Süden. Dabei wurden der alte, spätgotische Chor (1473) wie auch der 1670 erneuerte Turm in das neue Gebäude mit einbezogen.
*Kapellkirche (evangelisch): Sie wurde 1382 ?zu Ehren Unserer Lieben Frau und des Heiligen Grabes zu Jerusalem? gestiftet. Der jetzige Bau stammt aus dem Jahr 1490 und ist 1833 renoviert worden.
Die Stadt war Sitz eines Dekanats. Nach der Reformation wurde sie dem Dekanat Balingen zugeordnet. Die Bevölkerungszunahme der Stadt Ebingen nach dem Zweiten Weltkrieg machte den Bau weiterer Kirchen notwendig. Es wurden weitere Pfarreien errichtet und neue Kirchen erbaut. Diese bilden mit der alten Martinskirche die Evangelische Gesamtkirchengemeinde Ebingen, die zum Dekanat Balingen der Schwäbische_Albverein und das Ebinger Heimatmuseum untergebracht.
*?Alte Kanzlei?: Das Gebäude wurde im 15. Jahrhundert erbaut und diente bis zum Bau des Rathauses 1913 als Kanzlei des Stadtschultheißen und damit als Sitz der Stadtverwaltung.
*?Hospiz?: Ein markantes Fachwerkhaus, in dem einst der Ebinger Amtmann residierte. Das Gebäude brannte 1731 ab und wurde anschließend neu errichtet. 1885 kam es in den Besitz des Evangelischen Vereins, dem es bis vor wenigen Jahren gehörte. Heute beherbergt es ein Hotel.
Weitere Sehenswürdigkeiten:
*Marktbrunnen mit Ritterfigur (Renaissance-Ritter) aus dem Jahr 1545, die im Volksmund ?Herzog Ulrich? genannt wird. Die Figur wurde im 20. Jahrhundert durch eine Kopie ersetzt, das Original befindet sich heute in der Stadtbücherei.
*Ebinger Rathaus (Jugendstil), erbaut 1912/13, mit einem wuchtigen Schaugiebel zur Marktstraße hin. Es ist mit zahlreichen Schmuckelementen versehen, die seinerzeit von Ebinger Bürgern gestiftet wurden.
*In der Fußgängerzone von Ebingen wurden 1991 von Ernst-Reinhart Böhlig entworfene, dickleibige Comicfiguren mit blanken Hinterteilen aufgestellt, die er ?Xingles? nannte und die seither die Ebinger Altstadt mitprägen. Diese Skulpturen sind umstritten, nicht zuletzt, weil für deren Aufstellung ein historischer Altstadtbrunnen weichen musste.
*Bemerkenswert sind auch die zahlreichen Jugendstil-Fabriken in Ebingen. Als Auswahl seien die 1897 errichtete ehemalige Samtfabrik Traugott Ott, die ehemalige Samtfabrik Gottlieb Ott & Sohn und die ehemalige Waagenfabrik Gottlieb Kern genannt.
Bildung
Ebingen verfügt über viele Schulen sowie höhere Bildungseinrichtungen.
Grundschulen:
*Kirchgrabenschule
*Oststadtschule
Grund-, Haupt- und Werkrealschulen:
*Schalksburgschule
*Hohenbergschule
Realschule:
*Schlossbergrealschule
Gymnasien:
• Gymnasium]]' target='blank'>Ebingen (Allgemeinbildendes Gym.)
Berufschulen/Berufl.Gymnasien:
*Albstadt-Sigmaringen|Hochschule_Albstadt-Sigmaringen]
*Staatliches_Seminar_für_Didaktik_und_Lehrerbildung_(Grund-_und_Hauptschulen)
_Persönlichkeiten_
_Söhne_und_Töchter_des_Ortes_
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*Staatliches Seminar für Didaktik und Lehrerbildung (Grund- und Hauptschulen)
Persönlichkeiten
Söhne und Töchter des Ortes
• Georg Kiesinger] (* 6. April 1904 in Ebingen; ? 9. März 1988 in Tübingen) war ein deutscher Politiker (CDU), von 1958 bis 1966 Ministerpräsident von Baden-Württemberg, von 1966 bis 1969 Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland und von 1967 bis 1971 Bundesvorsitzender der CDU
• Landenberger] (* 1862 in Ebingen; ? 1927 in Stuttgart), impressionistischer Maler (Landschaftsbilder) und Professor an der Stuttgarter Kunstakademie
Wilhelm Dodel (*25. März 1850 in Ebingen, ? 24. Januar 1934 in Bayern), legendärer Oberamtsrichter in [[Marbach am Neckar und Blaubeuren ("schwäbischer Salomo"); nach ihm ist die ?Wilhelm-Dodel-Gasse? in Ebingen benannt
Literatur
*Elmar Frey: Ebingen. Sutton, Erfurt 2002. ISBN 3-89702-423-3
*Gottlob F. Hummel: Kriegs-Chronik der Stadtgemeinde Ebingen. Steinkopf, Stuttgart 1919.
*Gottlob F. Hummel: Geschichte der Stadt Ebingen. Ebinger Druckerei, 1. Aufl. 1923, 2. Aufl. Ebingen 1936.
*Johannes Jerg: Chronik des Bleichers Johannes Jerg, 1771-1825. Ein Heimatbuch der Stadt Ebingen. (Textübertragung aus dem Original von J. Halm. Zeichnungen von O. Wider). Daniel, Balingen 1953.
*Otto Klaiber: Lebenserinnerungen eines Zeitzeugen aus Ebingen. Eigenverlag, Albstadt-Ebingen 2004.
*Peter Th. Lang: Ebingen. Die Fünfzigerjahre. Sutton, Erfurt 2006. ISBN 3-86680-011-8
*Wilhelm Maute: Vergessene Ereignisse aus fünf Jahrhunderten, zugetragen in der Stadt Ebingen. Silberburg, Tübingen 2000.
*Wilhelm Maute: Handel und Gewerbe im Wandel. 150 Jahre Ebinger Wirtschaftsgeschichte. Daniel, Albstadt-Ebingen 2004. ISBN 3-925012-38-9.
*Roger Orlik: Mit dem Flugzeug über Ebingen. Luftaufnahmen von 1927. SP-Verlag, Albstadt 2005.
*Stadtverwaltung Ebingen: Große Kreisstadt Ebingen. Stadtverwaltung Ebingen, Ebingen 1957.
*Jürgen Scheff: 75 Jahre Museen in Albstadt. Ebinger Heimatmuseum 1926-2001. Stadtverwaltung Albstadt, Albstadt 2002.
*Walter Stettner: Ebingen. Die Geschichte einer württembergischen Stadt. Thorbecke, Sigmaringen 1986. ISBN 3-7995-4094-6
Weblinks
• Stadtteilinfo

