Albert Vigoleis Thelen
Albert Vigoleis Thelen (28. September 1903 in Süchteln am Niederrhein; ? 9. April 1989 in Dülken am Niederrhein) war ein deutscher Schriftsteller und Übersetzer (vor allem aus dem Portugiesischen).Thelen war der Sohn des Buchhalters Louis Thelen und dessen Ehefrau Johanna Scheifes. Thelen wurde, wie seine drei Brüder, streng katholisch erzogen. Seine Schulzeit absolvierte er an der Volksschule (1909-1913) und an der Kaiser-Wilhelm-Schule (1913-1918). Nach einem Jahr brach Thelen den Besuch des Gymnasiums in Viersen 1919 ab und absolvierte in der Firma ?Ling & Duhr? in Süchteln bis 1922 eine Schlosserlehre.
Anschließend bekam Thelen bei ?Fa. W. Schäfer? in Viersen eine Anstellung als technischer Zeichner. Bereits 1923 beendete er dieses Arbeitsverhältnis und besuchte für ein Jahr die Textilfachschule in Krefeld. Mit Wirkung vom 30. Oktober 1925 begann Thelen an der Universität Köln Germanistik, Philosophie und Kunstgeschichte zu studieren. Im darauffolgendem Jahr wechselte er an die Westfälische Wilhelms-Universität in Münster.
Bei seinen ersten Schreibversuchen als Student, wählte sich Thelen als alter ego den zweiten Vornamen ?Vigoleis?. Nach eigenen Aussagen tat er dies in Anlehnung an das mittelalterliche Versepos ?Wigalois? des Wirnt von Grafenberg.
1928 wirkte Thelen als Assistent von Prof. Karl Dester in Köln an der Internationalen Presseausstellung Pressa mit und lernte dabei auch seine spätere Ehefrau Beatrice Bruckner kennen. Seinen Lebensunterhalt verdiente sich Thelen zwischen 1928 und 1931 als Arbeiter auf der Geflügelfarm seines älteren Bruder Joseph. In diesen Jahren bemühte sich Thelen immer wieder zu veröffentlichen, und am 12. September 1929 gelang ihm dies zum ersten Mal mit dem Text Versuch einer Deutung (ein Artikel über den Maler Hermann_Schmitz in der Vereinigten Drei-Städte-Zeitung).
Die Jahre 1931 bis 1936 verbrachte Thelen zusammen mit Beatrice Bruckner auf Mallorca. 1934 heirateten die beiden in Barcelona. Als zwei Jahre später der Bürgerkrieg ausbrach, vertrieben die Falangisten sie nach Marseille. Von dort aus führte sie die Emigration nach Auressio, Tessin; 1939 über Frankreich und Spanien nach Portugal. Der portugiesische Dichter Teixeira de Pascoaes beherbergte sie zwischen 1939 und 1947 auf seinem Weingut ?Sao Jao de Gatao? bei Amarante. Während dieser Zeit war Thelen überaus produktiv; einen Schwerpunkt bildete dabei allerdings sein Werk als Literat und Übersetzer. Seine letzte Kritik unter dem Pseudonym Leopold Fabrizius schrieb Thelen am 28. April 1940.
1947 ließ sich Thelen für über sieben Jahre mit seiner Ehefrau in Amsterdam nieder.
1954 hielt sich Thelen kurz in Locarno, Schweiz auf, um sich dann Ende desselben Jahres in Ascona niederzulassen. Dort blieb er bis 1960 und ging dann bis 1973 nach Blonay bei Vevey. In Ascona (Casa Rocca Vispa) wie in Blonay (La Colline) verwaltete Thelen für eine niederländische Emigrantin, welche in Mexiko lebte, Landgüter.
1962 wurde Thelen als ?Verfolgter des Naziregimes? anerkannt und ihm eine kleine Rente bewilligt. Als die von ihm verwalteten Güter 1973 verkauft wurden, ließ sich Thelen mit seine Ehefrau bis 1986 in Lausanne-Vennes nieder. Mit Wirkung von 27. Dezember 1984 verlieh ihm das Land Nordrhein-Westfalen den Titel Professor.
Am 22. Oktober 1986 mietete sich Thelen zusammen mit seiner Ehefrau im ?St. Cornelius Stift? in Viersen-Dülken ein. Dort starb er dann im Alter von über 85 Jahren am 9. April 1989. Seine Ehefrau überlebte ihn um fast drei Jahre (? 19. Januar 1992).
Nach dem Literaturwissenschaftler Jürgen Pütz gilt Thelen bis heute als ?...der grosse Unbekannte der deutschen Literatur?, obwohl sein Roman Die Insel des zweiten Gesichts als eines der großen literarischen Werke des 20. Jahrhunderts gilt. Mit einer unnachahmlichen sprachschöpferischen Fabulierlust verarbeitet er in diesem Roman die Jahre, in denen er (von 1931 bis 1936) auf der Mittelmeerinsel Mallorca lebte.
Werke
* Schloss Pascoaes (Gedichte), Zürich 1942
* Die Insel des zweiten Gesichts. Aus den angewandten Erinnerungen des Vigoleis. (Roman), Amsterdam 1953 (Autobiographischer Roman über das Leben des Ehepaares Thelen auf Mallorca). Hierfür wurde ihm der Theodor-Fontane-Preis der Stadt Berlin für das Jahr 1954 verliehen.
* Vigolotria (Gedichte), Düsseldorf 1954
* Der Tragelaph (Gedichte), Düsseldorf 1955
* Der schwarze Herr Bahßetup (Roman), München 1956
* Runenmund (Gedichte), München 1963
* Glis-Glis (Erzählung), Hildesheim (Olms) 1967
* Im Gläs der Worte (Gedichte), Düsseldorf 1979
* Poetische Märzkälbereien (Prosatexte), Aachen 1984
* Lobsame Handelsbalz, Reutlingen 1984
* Gedichte und Holzschnitte, Reutlingen 1985
* Saudade (Gedichte), Reutlingen 1986
* Goethes Gespräche mit Frau Eckermann, Reutlingen 1987
* Einfahrt in Pascoaes, Reutlingen 1988
* Mein Name ist Hase, Reutlingen 1989
* Was wir sind (Gedichte), Viersen 1989
* Der Magische Rand. Eine abtriftige Geschichte, Mönchengladbach (JUNI-Vlg.): 1989, ISBN 3-926738-06-5
* Gedichte-Linolschnitte, Mönchengladbach 1989
* Gedichte-Zeichnungen, Mönchengladbach 1989
* Gedichte, Viersen 1990
* Poetische Märzkälbereien (erweiterte Ausgabe), Mönchengladbach 1990
* Die Literatur in der Fremde (Literaturkritiken), Bonn 1996
* Cartas a Teixeira de Pascoaes (Briefe), Lisboa 1997
* water closet regained, (Gedicht), Zoeterwoude 1998
* Goethe anonymus, Reutlingen 1999
* Die Gottlosigkeit Gottes oder Das Gesicht der zweiten Insel, (Romanfragment auf CD), Bremerhaven 1999 (Der Text wurde nach dem Tode Thelens vernichtet und liegt nur auf einer Doppel-CD vor. Die CDs dokumentieren eine Lesung Thelens von 1966)
* Briefe an Teixeira de Pascoaes, Bonn 2000
* Die Insel des zweiten Gesichts. Gelesen von Albert Vigoleis Thelen (CD, Bremerhaven 2003)
Literatur
*Albert Vigoleis Thelen. Mittler zwischen Sprachen und Kulturen. Münster 2003.
Weblinks
*
* http://www.vigoleis.de/
* http://www.lyrikwelt.de/autoren/thelen.htm
• Der erlauchteste Spinner und Weber
• Im Flittergewirr der Erinnerungen
• Texte von und über Albert Vigoleis Thelen im Muschelhaufen

