Albert Schulz
Albert Schulz (11. Oktober 1895 in Rostock, ? 26. Juli 1974 in Hamburg), war ein deutscher Sozialdemokrat und von 1946 bis 1949 Oberbürgermeister von Rostock.
Leben
Albert Schulz besuchte bis 1910 die Volksschule und begann danach eine vierjährige Lehrzeit auf der Rostocker Neptun-Werft. Bereits in dieser Zeit wurde er Gewerkschaftsmitglied. Am 1. Oktober 1913 trat er in die SPD ein. Nach seiner Lehrzeit folgte eine kurze Wanderschaft als Maschinenbaugeselle mit kurzer Tätigkeit in einer Firma für Landmaschinen in Bad Bevensen. Hier machte Schulz erste Erfahrungen als Verhandlungsführer für Lohnerhöhungen, die mit einem Kompromiss endeten. Nachdem die Firma geschlossen wurde, fand Schulz Arbeit in einer Kieler Werft. Im November 1915 wurde er als Soldat eingezogen und war bis 1918 an der Westfront. 1918 wurde er Mitglied des Soldatenrates. Nach dem Krieg war Schulz agitatorisch in der Arbeiterjugend aktiv, nach den Wahlen 1918 war er beratendes Mitglied für die Jugend im Parteivorstand der SPD in Rostock. Schulz war arbeitslos, schlug sich mit Hilfs- und Gelegenheitsarbeiten durch. 1919 wurde er Angestellter der Ortskrankenkasse Rostock. 1920 wurde er Stellvertretender Vorsitzender der SPD-Ortsgruppe Rostock und 1921 Abgeordneter der SPD im Mecklenburger_Landtag. 1928 wurde Schulz Redakteur der Mecklenburgischen Volkszeitung.
Schulz arbeitete auch als Gauvorsitzender des Reichsbanners_Schwarz-Rot-Gold in Mecklenburg-Lübeck. Im Juli 1932 wurde er für Mecklenburg-Schwerin in den Reichstag gewählt. Nach dem Parteiverbot 1933 wurden ihre Funktionäre verfolgt, Schulz wurde arbeitslos, von den Nazis mehrfach verhaftet und wieder freigelassen. Er konnte nur schwer seine Familie ernähren. Nach dem Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944 wurde es für Schulz in Deutschland lebensgefährlich: Er wurde wegen seiner Mitwisserschaft von der Gestapo verhaftet, in Güstrow eingesperrt und verhört. Es gelang der Gestapo aber nicht, die Beziehung aufzudecken, die Schulz zu dem ebenfalls beim Reichsbanner tätigen Politiker Julius Leber (1891-1945) unterhalten hatte, der später von den Nazis ermordet wurde. Schulz überstand die wenigen Monate bis zum Kriegsende durch Beziehungen als Angestellter der Luftwaffe in Boltenhagen.
Nach dem Ende des Zweiten_Weltkriegs wirkte er am Neuaufbau der SPD in der Sowjetischen_Besatzungszone mit. Trotz einiger Bedenken der Kommunisten gegen Schulz wegen dessen Ablehnung der Zwangsvereinigung von KPD und SPD wurde er 1946 noch in echter Wahl zum Oberbürgermeister von Rostock gewählt. 1947 wurde Schulz ohne Angabe von Gründen vom NKWD verhaftet, menschenunwürdig behandelt und nach einem politischen Scheinprozess, in dem Schulz zum Faschisten gestempelt werden sollte, zu zehn Jahren Zwangsarbeit verurteilt. Nach vier Monaten, wiederum ohne Begründung entlassen und wieder als Oberbürgermeister in Dienst gesetzt, protestierte Albert Schulz still gegen dies Vorgehen, indem er ohne Kopfbedeckung kahlgeschoren durch die Stadt ging. Spätere Untersuchungen haben ergeben, dass Wilhelm Pieck beim NKWD für die Entlassung sorgte, da Arbeiterunruhen befürchtet wurden.
Im Sommer 1949 wurde er trotz großem Rückhalt in der Bevölkerung als Oberbürgermeister abgesetzt, da er nicht bereit war, Anweisungen aus Berlin, die den Interessen der Stadt zuwider liefen, umzusetzen. Er wurde aus der SED, deren Mitglied er durch die Zwangsvereinigung von SPD und KPD geworden war, ausgeschlossen. Er sollte die damals übliche ?Selbstkritik? schreiben. Noch vor Abgabetermin floh er mit der Familie in den Westen. In Hamburg wurde Schulz auf Initiative von Herbert Wehner zum politischen Sekretär der SPD-Bundestagsabgeordneten berufen. Danach wurde er Landesgeschäftsführer der SPD in Schleswig-Holstein.
Albert Schulz hatte zwei Kinder, sein Sohn Peter Schulz war von 1971-1974 Erster_Bürgermeister von Hamburg.
Ehrungen
In Rostock wurde eine Straße nach Albert Schulz benannt. Die Albert-Schulz-Stiftung vergibt seit 2004 den mit 5.000 Euro dotierten Albert-Schulz-Preis an Menschen, deren Leistungen den Idealen und Lebensmaximen von Schulz in besonderer Weise nahekommen. 2006 ging der Preis an den ehemaligen Chef der Universitäts-Kinder- und Jugendklinik Rostock und Mitbegründer der SPD nach 1989, Ingo Richter.
Literatur
*Albert Schulz, Erinnerungen eines Sozialdemokraten, Oldenburg: Bibliotheks- und Informationssystem der Carl von Ossietzky-Univ., 2000. (Schriftenreihe des Fritz-Küster-Archivs). ISBN 3-8142-0758-0
*Meik Woyke, Albert Schulz (1895-1974). Ein sozialdemokratischer Regionalpolitiker, Bonn: J.H.W. Dietz Nachf. 2006, ISBN 3-8012-41661
*Klaus Schwabe, Albert Schulz: Ein Leben für soziale Gerechtigkeit und Freiheit 1945-1949, Aufsatz, Edition in der Reihe "Geschichte Mecklenburg-Vorpommern", 1995
Weblinks
• Biografie bei www.richterverein-hamburg.de

