Albert Schmid
Albert Schmid (18. Juli 1812 in Leinde; ? 14. November 1891 in Braunschweig) war der erste Präsident der Oberlandesgerichts_Braunschweig.Leben
Albert Schmids Vater Friedrich Christian Ernst Schmid war Pfarrer in Leinde. Albert Schmid schloss sich schon früh den revolutionären Ideen der Vormärz-Zeit an. Bereits als Schüler kam er mit den nationalfreiheitlichen Ideen der Turnerwegung um Turnvater_Jahn in Berührung. 1828 gründete mit anderen Mitschülern zusammen in Wolfenbüttel eine Turnergemeinde.
1839 schrieb er sich für das Jura-Studium an der Georg-August-Universität Göttingen ein. Dort schloss er sich der zwar seit 1819 verbotenen, jedoch geduldeten Allgemeinen Burschenschaft an. 1831 war er einer der Studenten,die im Rahmen der sogenannten Göttinger_Revolution bewaffnet das Rathaus stürmten. Dem Rädelsführer Dr. von Rauschenplatt verhalf er zur Flucht und musste deswegen ebenfalls die Stadt verlassen. Sein Studium wollte er in Heidelberg fortsetzen. Wegen seiner Teilnahme am Hambacher Fest im Mai 1832 wurde ihm aber das akademische Bürgerrecht aufgekündigt. Schmid ging anschließend nach Jena, wo er sich der Burschenschaft Germania anschloss und entschieden revolutionär auftrat. Nachdem er Tätlichkeiten gegen die Pedelle der Universität begangen hatte, wurde er mit immerwährender Relegation bestraft und musste nach Kiel ziehen. Dort wurde er am 6. November 1833 verhaftet und in Eisenach festgesetzt. Nach dem 1½ Jahren dauerndern Untersuchungsverfahren wurde er wegen Hochverrats zu einem Jahr Festungshaft verurteilt.
Nach seiner Entlassung im Juli 1836 wurde er begnadigt und konnte sein Studium abschließen. Den Doktor der Rechte erwarb Schmid 1839. Zum Ersten Staatsexamen wurde er 1840 zugelassen. Sein Zweites Staatsexamen bestand er 1846 und war anschließend beim Amt in Seesen tätig. Anschließend war er bis 1848 Assessor beim Kreisgericht Wolfenbüttel. 1848 kandidierte er erfolglos bei der Wahl zur Frankfurter Nationalversammlung. Zu dieser Zeit war er Amtsassesor in Schöningen, ab 1850 war er Amtsrichter. 1851 wurde er Staatsanwalt in Holzminden. Nach dem Dritten Staatsexamen 1854 wurde er von der Landesversammlung zum Obergerichtsrat in Wolfenbüttel gewählt.
Neben seiner juristischen Tätigkeit ließ er sich in die außerordentlichen Landtage 1856 und 1871 wählen. 1967 vertrat er das Land Braunschweig bei der konstituierenden Sitzung des Norddeutschen_Bundes. Er gehörte nunmehr der Nationalliberalen_Partei an und unterstützte Bismarcks Ideen von einem deutschen Bundesstaat.
1875 wurde Schmid zum Vizepräsidenten des Obergerichtes ernannt. Das Obergericht wurde nach Inkrafttreten der sogenannten Reichsjustizgesetze von 1879 durch das Oberlandesgericht ersetzt, das seinen Sitz nunmehr in Braunschweig nahm. Albert Schmid wurde am 1. Oktober 1879 zum ersten Präsidenten des Oberlandesgerichts ernannt. In dieser Funktion gehörte er auch dem fünfköpfigen Regenschaftsrat an, der nach dem kinderlosen Tode Herzog_Wilhelms 1884 die Führung des Herzogtums_Braunschweig bis zur Einsetzung des Prinzen_Albrecht_von_Preußen 1885 übernahm.
Bei seinem Tode am 14. November 1891 war Albert Schmid noch als Oberlandesgerichtspräsident im Amt.
Literatur
* Wolfgang Zschachlitz, Dr. Albert Schmid (1812-1892), in: Edgar Isermann/Michael Schlüter (Hrsg.): Justiz und Anwaltschaft in Braunschweig 1879 - 2004, Joh. Heinrich Meyer Verlag, Braunschweig 2004, ISBN 3-926701-62-5 (S. 131 ff.)
* Wolfgang Zschachlitz, Vom Hochverräter zum Chefpräsidenten - Albert Schmid, der erste Oberlandesgerichtspräsident, in: Justiz im Wandel der Zeit, Festschrift des OLG Braunschweig, 1989, S. 328 ff.

