Albert Hirth
Albert Hirth (7. Oktober 1858 in Meimsheim, ? 12. Oktober 1935 in Nonnenhorn) war Ingenieur und Erfinder (über 350 Patente) u.a. Hirth-Verzahnung, Rundschleifmaschine und Vierfarbstift ? gilt als Schwäbischer Edison.Albert Hirth war Gründer von verschiedenen Firmen in Stuttgart, Vorsitzender des »Verbandes Württembergischer Industrieller«.
Vater von Hellmuth Hirth (Flugpionier) und Wolf Hirth (Segelflugpionier).
Kurzer Lebenslauf
* 7. Oktober 1858 Geburt in der Schellenmühle bei Meimsheim
* 1872 Mechanikerlehre in Stuttgart
* 1878 Student an der »Königlichen Baugewerkeschule«
* 1888 Betriebsleiter der Terrotschen Rundstrickmaschinenfabrik in Stuttgart-Cannstatt
* 1894 Anstellung in der Uhrenfabrik Junghans in Schramberg
* 1898 Eigenes Ingenieurbüro in Stuttgart
* 1903 Erwerb der Fortunawerke in Stuttgart-Cannstatt
* 1905 Gründung der Firma »Norma«
* 1921 Verleihung des Dr.-Ing. e.h. durch die Technische Hochschule Stuttgart
* 1922 Gründung der Firma Albert Hirth AG (Produktionsprogramm u. a. Rollenlager Kurbelwellen, Zahnräder und später Motoren)
* 12. Oktober 1935 Albert Hirth stirbt im Alter von 77 Jahren in Nonnenhorn am Bodensee
Biographie
Als Albert Hirth am 7. Oktober 1858 in der Schellenmühle bei Meimsheim das Licht der Welt erblickte, konnten seine Eltern nicht ahnen, wie sehr ihr Kind und dessen Söhne die Technik und die Fliegerei befruchten würden. Alberts Vater Ludwig war Müller und als »Mühlendoktor« bekannt, so dass man annehmen darf, dass er den nachfolgenden Generationen die Eigenschaften des Tüftelns vererbte und so der Stammvater einer bemerkenswerten schwäbischen Familie wurde, welche die Welt noch oft in Erstaunen versetzen sollte.
Schon in frühester Jugend tut sich Albert durch seinen wachen Verstand und seine ewig forschende Neugier hervor. Weil er im Alter von etwa zehn Jahren seiner Mutter immer die Wollstränge halten musste, damit diese die Wolle zu Knäueln wickeln konnte, ersann er einen Apparat, auf dem die Wollstränge zum Abwickeln befestigt werden konnten. Dieser ersten »Erfindung« folgten weitere. So baut er eine Vorrichtung zum Schneiden selbstgefertigten Nudelteiges und dem Großvater bastelt er einen Zeitungsordner.
Diese früh sichtbare Begabung gab wohl den Ausschlag, dass der Bub nicht ? wie ursprünglich vorgesehen ? die Laufbahn eines Notars einschlug, sondern in eine Mechanikerlehre zu Meister Ade in Stuttgart ging. In seiner Freizeit ist er ein begeisterter Hochrad-Fahrer und gründet den 1. Cannstatter Radfahrverein.
Nach Abschluss seiner Lehre begibt sich der junge Hirth auf die damals noch obligate Wanderschaft und landet so bei einer Maschinenfabrik in Zürich. Im Jahr 1878 kehrt er nach Stuttgart zurück und trägt sich als Student bei der »Königlichen Baugewerkeschule« ein. 1888 tritt er als Konstrukteur und Betriebsleiter in die Terrotsche Rundstrickmaschinenfabrik in Stuttgart-Cannstatt ein und erregt bereits 1889 durch seine Verbesserungen an den Maschinen seiner Firma auf der Pariser Weltausstellung große Beachtung. In diese Zeit fallen auch eine Anzahl Patente: eine Papieraufspannmethode für Reißbretter, Schraffierlineale und verstellbare Zeichenwinkel ? alles Dinge, die ihm am Konstruktionsbrett so nebenher einfielen.
Der Uhrenfabrikant Kommerzienrat A. Junghans wird auf Hirth aufmerksam und holt ihn 1894 in sein Schramberger Werk, wo dieser bereits nach kurzer Zeit die gesamte Uhrenproduktion rationalisiert sowie neue Zahnradfräsmaschinen und Spritzgusshalbautomaten konstruiert und in der Fabrikation einsetzt. Mit Unterstützung von Dr. E. Junghans gründet Hirth dann im Jahr 1898 in Stuttgart sein eigenes Konstruktionsbüro. Nun reiht sich auf den vielfältigsten Gebieten Patent an Patent, so unter anderen ein Automat zum Füllen von Jagdpatronen, eine Maschine zur Produktion von Tropfölern, ein verstellbarer Zeichentisch »Parallelo«, Luftzellenreifen für Fahrräder und Automobile, eine Papierkräuselmaschine zur Fertigung von Blumentopfmanschetten, Werkzeugmaschinen zur Produktion von Haarschneidemaschinen, ein elektrisches Glocken-Läutwerk und eine Flaschen-Plombier- und Etikettiermaschine »Rapid«, mit der automatisch die damals noch üblichen Bierflaschen-Bügelverschlüsse geschlossen und gleichzeitig die Flaschen etikettiert wurden. Aus der Fülle weiterer Erfindungen kamen Drehbänke und Schleifmaschinen, eine Verbesserung der Kurbellenkung der damaligen Automobile und die Einführung des heute üblichen runden Lenkrads hinzu. Diese Liste ließe sich beliebig fortsetzen, brachte es doch Albert Hirth in seinem Leben auf über 350 Patente.
1903 übernimmt Albert Hirth zusammen mit Emil Lilienfein dem der kaufmännische
Bereich untersteht ? die Firma »Fortuna« in Stuttgart. Und so kann er seine vielen Ideen in die Tat umsetzen und selbst produzieren. Berühmt wurde die »Fortuna-Lederschärf- und Rundschleifmaschine«. Zu dieser Zeit kommt es zu einer Zusammenarbeit mit Robert Bosch, für den er Zündmaschinen für Automobile fertigt. Er hatte ihn auf der Pariser Automobilausstellung im Jahr 1900 kennengelernt. Zur gleichen Zeit beschäftigt sich Hirth mit Kugellagern, die in der aufkommenden Industrialisierung und Massenfertigung von Autos einen guten Markt versprechen. Er gründet zur Kugellagerproduktion die Firma »Norma«. Als Nebenprodukt fällt dabei das Feinmessgerät »Hirth Minimeter« an, mit dessen Hilfe Kugellagerschleifspindeln auf hundertstel Millimeter genau gefertigt werden konnten. Robert Bosch äußerte später einmal: »Wissen Sie, wem wir im Grunde genommen die rasche Entwicklung der Massenfertigung von Präzisionsteilen verdanken? Nur dem Hirth-Minimeter und der Fortuna-Kugelschleifspindel.«
Albert Hirths unermüdliche Erfindergabe fand dann im Jahr 1921 ihre Anerkennung, als
die Technische Hochschule in Stuttgart ihm die Ehrendoktorwürde verlieh.
Der technische Sektor, der untrennbar mit dem Namen Hirth ? auch mit dem seiner beiden Söhne Hellmuth und Wolf ? verbunden bleiben wird, ist die Luftfahrt. Anfang des 20. Jahrhunderts finden wir Albert Hirth unter den Ballonfahrern und er gehört zu den Gründungsmitgliedern des »Württembergischen Vereins für Luftfahrt«.
1908 unternimmt er mit
Dierlamm und seinem damals zweiundzwanzig-jährigen Sohn Hellmuth eine Nachtfahrt mit dem Ballon »Württemberg« und landet in Böhmen. In der Presse und Öffentlichkeit findet der Flug große Beachtung. So bittet eine Cannstatterin Albert Hirth, seine »jüngste Luftreise in hiesigem öffentlichem Lokal zu schildern, wo selbst auch Damen Zutritt hätten«.
1909 besucht Albert Hirth die ILA, die Internationale Luftfahrtausstellung in Frankfurt, und trifft dort auch August Euler, den Mann mit dem deutschen Pilotenschein Nr. 1, dem er seinen Sohn Hellmuth zum Flugunterricht empfiehlt. Bei dieser Gelegenheit unternimmt Albert Hirth auch Gleitflüge mit der Flugmaschine »System Chanute«. Auch an Zeppelinflügen nimmt er teil, und im September 1914 trifft er ? zurückgreifend auf sein Patent von 1908 ? Vorbereitungen zum Bau eines Riesenhubschraubers. Jedoch reichen die Hubkräfte auf dem Versuchsstand noch nicht aus. Die Weiterentwicklung dieser Idee wird durch den Kriegsausbruch verhindert. Zukunftsprojekte wie der Entwurf eines Raupenschleppers, mit dem die Erdpole erforscht werden sollten, beschäftigten Hirth ebenso wie ein Riesentragflügelboot zur Überquerung des Ozeans.
Dazu meinte er mit seinem schwäbischen Humor: »Das gibt ein Schiff, wie man es eben nicht gewöhnt ist. In fünf Stunden braucht man kein Bett, da kommt man sogar mit Schinkenbrödle hinüber«. Für die Luftfahrt prophezeite er, dass in Zukunft nicht die Kolben-, sondern die Turbinenmotoren die größere Bedeutung haben würden.
Noch im Alter von 72 Jahren ? er starb 77jährig in Nonnenhorn am Bodensee ? erfindet Albert Hirth den praktischen Vierfarbstift, den heute jeder kennt und den viele benutzen. Es ist deshalb nicht verwunderlich, dass die beiden Söhne Hellmuth und Wolf in die Fußstapfen ihres Vaters treten, wobei neben der vererbten Begabung sicher eine Rolle spielte, dass Albert Hirth seine Söhne an alle Dinge heranführte und schon früh deren Neugierde und Innovationsfreude förderte.

