Al Mina
Al Mina () war eine antike Siedlung an der Mittelmeerküste des heutigen Syriens an der Mündung des Orontes. Möglicherweise war es eine der frühesten antiken griechischen_Kolonien; von den überlieferten griechischen Historikern wird es jedoch nicht erwähnt und somit bleibt der griechische Name unbekannt.Die ältesten archäologischen Hinterlassenschaften der Siedlung, deren Beginn man mit 825 v. Chr. ansetzen kann, sind syrisch.J. du Plat Taylor: ?The Cypriot and Syrian Pottery from Al Mina, Syria?, in: Iraq 21, 1959, S. 62-92. Etwa um die Mitte des 8._Jahrhunderts_v._Chr. lässt sich griechischer Einfluss anhand großer gefundener Mengen griechischer Tonwaren nachweisen.E. Gjerstad: ?The Stratification at Al Mina (Syria) and its Chronological Evidence?, in: Acta Archaeologica 45, 1974, S. 107-123. Obwohl anfangs als kykladische Keramik gedeutet,M. Robertson: ?The Excavations at Al Mina, 4. The early Greek vases?, in: Journal of Hellenic Studies 60, 1940, S. 2-21. erwiesen sich die Gefäße nach genauerer Untersuchung als euböisch.M.R. Popham et al.: ?Euboean Exports to Al Mina, Cyprus, and Crete: A Reassessment?, in: Annual of the British School at Athens 78, 1983, S. 281-290. Zeitgleich finden sich auch frühsyrische und phönizische Töpfereiprodukte. Ob Al Mina eine syrische Siedlung mit syrischer Architektur und griechischen Einflüssen oder ein griechischer Handelsposten ist, wird unter Archäologen kontrovers diskutiertR. Kearsley: ?Greeks Overseas in the 8th Century B.C.: Euboeans, Al Mina and Assyrian Imperialism?, und J. Boardman: ?The Excavated History of Al Mina?, in: G. R. Tsetskhladze (Hrsg.): Ancient Greeks West and East, Leiden 1999. ISBN 9004111905. Unbestritten war Al Mina ein wichtiger Handelsplatz, an dem Waren aus Urartu und ? über Karawanenrouten ? aus Assyrien umgeschlagen wurden.
Einzelne Forscher vertreten die Ansicht, dass über Al Mina das Phönizische_Alphabet und andere technologische Errungenschaften während des 8. Jahrhunderts nach Griechenland gelangten.
Um 700 v. Chr. wurde Al Mina zerstört, anschließend aber wieder neu erbaut. Gleichzeitig endet die euböische Tätigkeit in Al Mina,J. Boardman: Kolonien und Handel der Griechen. Vom späten 9. bis zum 6. Jahrhundert v. Chr., München 1981. ISBN 3-406-08039-1 was sehr wahrscheinlich mit dem Lelantischen_Krieg, in den die beiden euböischen Handelsmächte Chalkis und Eretria verwickelt waren, zusammenhängt. Anhand von Töpferfunden lässt sich ein griechischer Einfluss bis ins 4. Jahrhundert v. Chr. nachweisen.
Grabungsgeschichte
Erste archäologische Grabungen fanden 1936 unter Leonard Woolley statt. Dieser hatte jedoch auf einen älteren, bronzezeitlichen Hafen gehofft und verlagerte seine Suche bald nach Alalach.
Einzelnachweise
Literatur
• Boardman]: ?Al Mina and history?, in: Oxford Journal of Archaeology 9, 1990, S. 169-90.
*T.F.R.G. Braun: ?The Greeks in the Near East?, in: Cambridge Ancient History III,3, Cambridge 1982.
• Burkert]: The Orientalizing Revolution. Near Eastern Influences on Greek Culture in the Early Archaic Age, Cambridge (MA) 1992. ISBN 0-674-64363-1
*J.N. Coldstream: ?Greeks and Phoenicians in the Aegean?, in: H.G. Niemyer (Hrsg.), Phönizier im Westen, Mainz 1982, S. 261-72. ISBN 3-8053-0486-2
*A.J. Graham: ?The Historical Interpretation of Al Mina?, in: Dialogues d'histoire ancienne 12, 1986, S. 51-65.
*G. Lehmann: ?Al Mina and the East: A Report on Research in Progress?, in: Alexandra Villing (Hrsg.), The Greeks in the East (= British Museum Research Publication 157), London 2005, S. 61-92. ISBN 0-86159-157-7
*P.J. Riis: ?Griechen in Phönizien?, in: H.G. Niemyer (1982), S. 237-55.
*Leonard Woolley: ?The Date of al Mina?, in: Journal of Hellenic Studies 68, 1948.
*Leonard Woolley: A Forgotten Kingdom, Harmondsworth 1953.

