TeleSUR
Televisión del Sur (teleSUR, ?Fernsehen des Südens?) ist ein multistaatlicher TV-Satellitensender in Lateinamerika mit Sitz in Venezuela, der am 24. Juli 2005, dem 222. Geburtstag Simón_Bolivars, den Sendebetrieb aufgenommen hat. Der vollständige Name der Betreibergesellschaft lautet Nueva Televisión del Sur SA.
Konzept
Die Idee geht zurück auf den Präsidenten Venezuelas, Hugo Chávez. Der Sender versteht sich als Kanal für die Integration Lateinamerikas und ist gedacht als Gegengewicht zu den privaten, nordamerikanischen Fernsehstationen CNN und Univisión, sowie dem britischen BBC. Auf seiner Internetseite beschreibt der Sender die Notwendigkeit seiner Existenz so: ?Angesichts der von den großen Medienkonzernen betriebenen Sorte Öffentlichkeit, die das Recht auf Information vorsätzlich vorenthält, einschränkt oder ignoriert, ist eine Alternative unverzichtbar, die in der Lage ist, die Grundsätze eines authentischen Kommunikationsmediums darzustellen: Wahrhaftigkeit, Objektivität und Gerechtigkeit, Respekt und Gemeinschaftssinn.? Der Sender dient keinem gewinnorientierten Zweck. Sein selbst erklärtes Ziel ist es, ein Programm zu machen, ?daß sich verpflichtet auf die Integration, auf die Beförderung der partizipativen Demokratie, die Entwicklung der Menschheit, die Solidarität unter den Völkern, die Bildung einer multipolaren Welt, den Frieden, die Wahrheit und die soziale Gerechtigkeit.?
Struktur
Im Beirat sitzen angesehene lateinamerikanische und internationale Intellektuelle wie der Nobelpreisträger Adolfo Pérez Esquivel, der Dichter und ehemalige Kulturminister der sandinistischen Regierung Nicaraguas, Ernesto Cardenal, die Schriftsteller Eduardo Galeano und Tariq Ali, der Historiker Ignacio Ramonet, der Schauspieler Danny Glover und der Programmierer Richard Stallman.
Das Grundkapital in Höhe von 10 Mio. US-Dollar wurde beigesteuert von den Gründungsmitgliedern Venezuela (51 Prozent), Argentinien (20 Prozent), Kuba (19 Prozent) und Uruguay (10 Prozent). Im April 2006 trat Bolivien mit fünf Prozent der Aktien, die es von Venezuela erwarb, als Vollmitglied bei. Somit hält Venezuela jetzt noch einen Anteil von 46 Prozent an dem Verbund. Brasilien trägt inhaltlich und technologisch in kleinerem Rahmen zum Projekt bei, ist aber darüber hinaus nicht beteiligt, weil das Land mit TV Brasil ein eigenes Projekt verfolgt. In Brasilien wird das Programm von teleSUR mit portugiesischen Untertiteln ausgestrahlt. Im März 2007 schloss sich auch Nicaragua der Gesellschaft an.
Zu Anfang wird Nicaragua 20 Stunden monatlich Inhalte aus eigener Produktion beisteuern. Weiteren Ländern Lateinamerikas steht die Teilnahme offen.
Die Leitung des Senders ist ebenfalls multinational besetzt. Generaldirektor ist der aus Uruguay stammende Journalist Aram Aharonian, Präsident der Ex-Kommunikationsminister Venezuelas, Andrés Izarra. Der Hauptsitz des Senders befindet sich in Caracas. Er wird unterstützt durch Korrespondenten aus Bogotá, Brasília, Buenos Aires, Mexiko-Stadt, Havanna, Montevideo, La_Paz und Washington sowie Mitarbeitern in anderen Städten. Im Januar 2006 verständigten sich teleSUR und der arabische Sender Al-Dschasira auf eine Zusammenarbeit. Die Vereinbarung sieht den Austausch von Programminhalten und von Erfahrungen bei der Ausbildung von Journalisten und Fernsehtechnikern vor.
Inhalte
Der 24-Stunden-Sendebetrieb besteht überwiegend aus Nachrichtensendungen, Analysen, Chroniken, Reportagen, Interviews und Dokumentarfilmen. Ziel ist eine bessere Repräsentation spezifischer lateinamerikanischer Themen im internationalen Medienangebot sowie die Förderung der Integration Lateinamerikas durch Darstellung der gemeinsamen Geschichte und Werte. Inhaltliche Schwerpunkte sind neben der Berichterstattung über aktuelle Ereignisse (etwa 40 Prozent der Sendezeit), Themen aus Kunst, Kultur, Geschichte, Geographie und Natur. TeleSUR soll in Lateinamerika als Gegengewicht zu den US-amerikanischen Privatsendern CNN und Univisión Communications (Univision) wirken.
Liste der Fernsehsendungen von teleSUR
* Noticias desde el Sur: Nachrichtenprogramm aus Venezuela mit Korrespondenten und Mitarbeitern aus ganz Lateinamerika.
* Mesa Redonda Internacional: Diskussionssendung aus Kuba zu internationalen und lateinamerikanischen politischen Themen.
* Visión 7 Internacional: wöchentliche Sendung aus Argentinien von Canal 7 Argentina über internationale politische Themen.
* Noticias de Brasil: tägliches Programm in Zusammenarbeit mit TV Brasil mit Nachrichten zu Brasilien.
* Resumen Aló presidente: bietet eine Zusammenstellung der wöchentlichen Sendung des venezolanischen Präsidenten Hugo Chávez.
* Agenda del Sur: Fernsehmagazin mit kulturellen und politischen Themen Lateinamerikas.
* Memorias del Fuego: Dokumentarfilme zur jüngeren Geschichte Lateinamerikas.
* Videoteca contracorriente: aktuelle Berichte und Persönlichkeitsprofile aus kritischer und fortschrittlicher Sicht.
* Maestra vida: Biografien lateinamerikanischer Persönlichkeiten.
* America Tierra Nuestra: Dokumentarfilme über die Kulturen und Völker Lateinamerikas.
* De este lado: aus Mexiko, Diskussionssendung, moderiert von der Journalistin Blanche Petrich.
* Mediotanque: Dokumentarsendung über die Kultur und das Leben in Uruguay.
* CineSur: lateinamerikanisches Kino.
* Sones y Pasiones
Kritik
Im Vorfeld der Aufnahme des Sendebetriebs wurde TeleSUR als ?CNN des Südens? oder, in Anlehnung an den arabischen Nachrichtensender Al-Dschasira, auch als ?Al-Bolívar? bezeichnet. Aufgrund von Befürchtungen einer tendenziell anti-US-amerikanischen Berichterstattung durch den Sender, wurde von Seiten der US-Regierungsbehörden die Ausstrahlung eines Gegenprogramms und möglicherweise auch der Einsatz von Störsignalen (Zensur) erwogen. Kritiker des Senders befürchten, dass Hugo Chávez mit Hilfe des Senders vor allem seine Vorstellungen der bolivarianischen_Revolution über die Grenzen Venezuelas hinaus verbreiten will.
Nach dem Abschluß eines Kooperationsabkommens zwischen teleSUR und dem Fernsehsender Al-Dschasira erklärte Connie Mack, Abgeordneter im US-Repräsentantenhaus, das Abkommen diene der Schaffung eines «weltweiten Fernsehsenders für Terroristen», was im venezolanischen Informationsministerium Befürchtungen aufkommen ließ, der Sitz von teleSUR in Caracas stelle ein mögliches Ziel bei einer Bombardierung durch die USA dar.
Empfang
Der Empfang des Senders ist in Nord- und Lateinamerika, der Karibik, Westeuropa und Nordafrika möglich über den Satelliten NSS_806. Darüber hinaus ist teleSUR in mehreren Kabelnetzen Venezuelas verfügbar. Teile des Programms werden in Venezuela auch vom staatlichen Sender Venezolana de Televisión und dem Kultur- und Bildungskanal ViVe_TV sowie in Argentinien, Brasilien, Uruguay, Bolivien, Ecuador, Kolumbien, Guatemala und Mexiko von verschiedenen Lokalsendern übernommen. In Europa ist der Empfang möglich über den Europabeam von NSS 806 und über den Sender Arcoiris TV auf Eutelsat W3A und Hot Bird 7A. Arcoiris TV überträgt das Programm von teleSUR in der Regel zwischen 0:00 und 8:00 Uhr und zwischen 11:00 und 21:00 Uhr. Versuchsweise wird das Programm auch als Mediastream im Internet übertragen.
Siehe auch
• Panlatinismus
Literatur' target='blank'>und Berichte
* Using oil to spread revolution in: The Economist] vom 30. Juli 2005, S. 45f.
* [http://www.cjr.org/issues/2005/4/dinges.asp Columbia Journalism Review (englisch)] über die Medienlandschaft Venezuelas
* [http://www.heise.de/tp/r4/artikel/20/20581/1.html Mediale Gegenmacht], [[Telepolis vom 23. Juli 2005
* [http://www.datum.at/0306/stories/1790214/ Fernsehen für den Hugo], Datum über TeleSur
* [http://www.puk.de/puk/article.php?sid=732 Telesur geht auf Sendung], Interview mit dem Nachrichtendirektor Jorge Enrique Botero
Weblinks
• teleSUR: La nueva televisión del sur Livestream von teleSUR (span.)
• teleSUR: La nueva televisión del sur Offizielle Website des Senders (span.)
• New Skies Satellites - NSS-806 Offizielle Website des Satelliten (engl.)

