Akustische Phonetik
Die akustische Phonetik befasst sich mit den akustischen Eigenschaften der Sprachlaute (Vokale, Konsonanten). Dabei wird insbesondere die Entstehung des Sprachschalls am Kehlkopf und im Mundraum und die Eigenschaften des Sprachschalls nach seiner Abstrahlung von Mund und Nase betrachtet (Akustogegnese).Akustogenese
Die stimmhaften Sprechlaute (Vokale und stimmhafte Konsonanten) entstehen in drei Teilprozessen: (1) Am Kehlkopf wird der Phonationsschall generiert. Hier wird beispielsweise die Tonhöhe des Stimmtons festgelegt. (2) Dieser Phonationsschall wird im Rachen-, Mund- und Nasenraum überformt. Hierbei bewirken insbesondere die akustischen Resonanzen dieser Hohlräume eine Hervorhebung entsprechender Frequenzbereiche. (3) Am Mund und an den Nasenlöchern wird der Sprechschall dann in die Umgebung abgestrahlt.
Die stimmlosen Sprechlaute (im wesentlichen stimmlose Konsonanten) entstehen ebenfalls in drei Teilprozessen. Hier wird allerdings kein Phonationsschall am Kehlkopf generiert, sondern ein Rauschschall an der Stimmritze oder an einer Engstelle innerhalb des Mundraumes generiert. Dieser Rauschschall wird dann - wie oben für die stimmhaften Laute beschrieben - überformt und abgestrahlt.
Akustische Eigenschaften von Vokalen
Akustisch zeichnen sich Vokale insbesondere durch die Resonanzen des Ansatzrohres (Rachen- und Mundraumes) aus. Für die Sprachwahrnehmung (Perzeption) relevant sind dabei insbesondere die ersten drei Formanten F1, F2 und F3. Unterschiedliche Vokale zeichnen sich insbesonere durch Unterschiede in der Lage der ersten beiden Formanten F1 und F2 aus.
Stimmton (F0) und Stimmklang hingegen tragen nicht zur Differenzierung oder zur Identifikation unterschiedlicher Vokale einer Sprache bei, geben aber evtl. Hinweise auf den Sprecher (z.B. sein Geschlecht oder Alter).
Akustische Eigenschaften von Konsonanten
Konsonanten unterscheiden sich hinsichtlich ihrer akustischen Eigenschaften mehr oder weniger stark voneinander aufgrund ihrer Unterschiede hinsichtlich der Artikulationsart und hinsichtlich des Artikulationsortes. Um das Folgende zu verstehen, ist es daher zunächst erforderlich, mit der Artikulation der Konsonanten (d.h. mit der konsonantischen Lautbildung) gut vertraut zu sein.
Betrachten wir jeweils einen einzelnen Konsonanten zwischen zwei Vokalen (z.B. [apa] aus "Papa" oder [ama] aus "Mama") so wird der Artikulationsort durch den Formantverlauf vom vorhergehenden Vokal in die konsonantische Enge- oder Verschlussbildung und durch den Formantverlauf von der konsonantischen Enge- oder Verschlussbildung in den nachfolgenden Vokal gekennzeichnet.
Die Artikulationsart bestimmt im wesentlichen die akustischen Eigenschaften des Konsonanten während der konsonantischen Enge- oder Verschlussbildung. So entsteht bei stimmlosen Plosiven (z.B. [p, t, k]) ein akustisches Stilleintervall, bei stimmhaften Plosiven (z.B. [b, d, g]) ein niederfrequenter Stimmbalken, bei Nasalen (z.B. [m, n]) ein Intervall mit Antiformanten und bei stimmlosen Frikativen (z.B. [f, s, sch, ch]) ein Rauschschall (Friktionsschall).
Literatur
* B. J. Kröger: Artikulatorische und akustische Phonetik. 2007, ([http://www.logopaedie.rwth-aachen.de/personen/dozenten/bkroeger/documents/Kroeger_PhonetikSkript_2007.pdf PDF]).

