Aktionsbündnis Mittelhessen
Das Aktionsbündnis Mittelhessen (ABM) war eine neonazistische Gruppe in Hessen (vergl. Verfassungsschutzbericht Hessen 2004).Es ist mit Internetseiten erstmals im Frühjahr 2003 in Erscheinung getreten. In der Selbstdarstellung hieß es, dass sich das Bündnis als Teil des "Nationalen Widerstandes" begreife und diesem sich zahlreiche sogenannte "Freie Kameradschaften" aus Mittelhessen angeschlossen hätten. Auch das "Volkstreue Komitee für gute Ratschläge" tauchte hier wieder auf, das bereits durch Demonstrationen in Marburg und Gladenbach auf sich aufmerksam gemacht hatte. Die Teilnehmer dieser Demonstrationen setzten sich aus Mitgliedern der militanten "Sauerländer Aktionsfront" (SAF) bis hin zu in der NPD, deren Jugendorganisation JN (Junge Nationaldemokraten) und den "Republikanern" aktiven Personen zusammen.
Ende 2004 löste sich die Vereinigung selbst auf, um einem Verbot durch das hessische Innenministerium zu umgehen. Das Aktionsbündnis Mittelhessen (ABM) war die aktivste und größte neonazistische Gruppe in Hessen (vergl. Verfassungsschutzbericht Hessen 2004).
Aktivitäten des ABM
Das ABM organisierte und führte mehrere Großdemonstrationen in Gladenbach und Marburg mit bis zu 500 Neonazis durch, was dazu führte das zeitweilig mehrere Hundert Polizeibeamte in Großeinsätzen zeitgleich an mehreren Orten im Einsatz waren, da das ABM über mehrere größere private Anwesen in Mittelhessen verfügte. Als weiterer Veranstaltungsort des ABM erlange der mittelhessische Ort Kirtorf traurige Berühmtheit: Dort führte das ABM fast wöchentlich szeneinterne Konzerte mit bis zu 1000 Teilnehmern durch. Die zuständigen Behörden verboten im Jahr 2004 jegliche Musikveranstaltungen und Versammlungen auf dem privaten Anwesen, da ein Reporter bei einer Neonazifeier verdeckt Straftaten der Neonazis filmte, was einige Tage später bundesweit in einer ARD-Reportage "Kontraste" ausgestrahlt wurde. Daraufhin wurden mehrere Durchsuchungen bei Neonazis in Mittelhessen durchgeführt wo umfangreiches Propagandamaterial und Waffen sichergestellt wurden.
"Polizeiliche Fehler" bei dem beantragten Verbot des ABM
Auf Grund der Aktivitäten des ABM wurde ein Verbotsantrag der Polizei beim hessischen Innenministerium gestellt, welcher jedoch fallen gelassen wurde, da sich das ABM selbst auflöste, und somit auf dem juristischen Wege keine rechtliche Handhabe gegen die Neonazigruppierung mehr bestand. Das ABM erfuhr aus "internen Polizeikreisen" - wie es eine polizeiliche Untersuchungskommission später feststellte -, von dem drohenden Verbot vorzeitig was ihnen Gegegenheit zur Selbstauflösung noch vor einem Verbot gab. Gründe eines Verbotes hätten, laut Polizei, vorgelegen, "konnten jedoch nicht juristisch umgesetzt werden". Die Behörden beobachten die mittelhessische Neonaziszene seither sehr intensiv und gründeten eine polizeiliche, 20-köpfige Spezialeinheit, stationiert in der Marburger Polizeidirektion und ausschließlich für die mittelhessische Szene zuständig sei, die die Szene im Umfeld des ABM verunsichern und Straftaten bereits im Ansatz ersticken soll. Diese Einheit solle eigenständig arbeiten, da in der Untersuchungskommsion festgestellt wurde, da Mitglieder des ABM über "weitreichende Kontakte auch in Polizeikreisen" verfügt, um eine polizeiliche Aktion und Ermittlungen gegen das ABM und deren Mitglieder nicht zu gefährden.
Das ABM setzt Aktivitäten trotz "Auflösung" fort
Das ABM ist trotz dessen offizieller Auflösung auch weiterhin als Gruppe mit einer geschätzten mobilisierbaren Personenanzahl von 35 Aktivisten (laut Verfassungsschutz, siehe hessischer Verfassungsschutzbericht 2005) und einem großen jugendlichen Sympathisantenumfeld aktiv.
Seit der Auflösung im Jahr 2004 treten ehemalige Mitglieder im Raum Marburg in Mittelhessen als Autonome Nationalisten in Erscheinung.

