Babylonische Religion
Die Babylonische Religion basierte u.a. auf der sumerischen_Religion, die rezipiert, ausgebaut und erweitert wurde. Hinzu kommen jedoch seit Beginn des 2. Jahrtausends Weisheitliche Ausprägungen.Wesen der Götter
In Vorstellung der Babylonier waren ihre Götter durchweg menschengestaltig. Wie etwa bei den Griechen und Römern bestand auch das Babylonische Pantheon aus familiär miteinander verbundenen Gottheiten. Ihnen wurden verschiedene Eigenschaften und Charakteristika zugewiesen, die Beziehungen untereinander waren zum Teil wie innerhalb der Städte strukturiert. Das lag nicht zuletzt deshalb auch nahe, da die Götter im allgemeinen Stadtgottheiten waren. So konnte mit dem Wachsen oder dem Verlust von Macht die Bedeutung eines Gottes steigen oder schwinden. Die Hauptgottheiten wurden wie Könige von Dienergottheiten aller Art unterstützt.
Pantheon
Die wichtigsten Götter werden in einer Götterliste aufgeführt, die An=Anum genannt wird. Traditionell wurde diese Liste doppelspaltig verfasst: auf der einen Seite sumerisch auf der anderen Seite die babylonische Entsprechung. Zu den Hauptgöttern werden auch noch die Partner und Kinder und die zugeordneten untergebenen Götter geschrieben. Die Wurzeln und Vorläufer dieser Liste liegen im 3. Jahrtausend v. Chr., ihre endgültige, kanonische Form erhielt sie bis in die zweite Hälfte des 2. Jahrtausend v. Chr.. Danach sind die wichtigsten Gottheiten:
thumb|Marduk_und_sein_Drache_-_Zeichnung_nach_einem_babylonischen_Anu - Ist der oberste Gott der Sumerer. Manche sehen in ihm den Vater der Ischtar.
* Enlil - Ist der Gott der Windgeister;sein semitischer Name ist Bel. Er ist der Bel der neubabylonischen Zeit.
* Ea - Er ist der Gott der Unterwelt, des fließenden Abgrunds, auf dem die Welt schwimmt. Der Gott des Wissens und der Wissenschaften; Beschützer des Menschengeschlechts. Er ist der Vater Marduks.
* Sin - Der Mondgott, beherrscht den Ablauf der Monate. Die Mondsichel ist sein Boot, mit dem er über den Himmel reist. Er ist der Vater von Schamasch und Ischtar.
* Schamasch - Ist der Sonnengott, die lebenspendende Sonne, die die Finsternis vertreibt und die Erde wieder erwärmt. Er ist auch der Gott der Gerechtigkeit.
* Ischtar - Ist die Göttin der Krieges und der Liebe.
* Marduk - Der große Gott Babylons, steht dem babylonischen Götterhimmel vor. Manche schreiben ihm die Schaffung der Welt zu. Er wird von einem Drachen begleitet, den die Chaldäer ,,Muschukschu" nennen.
* Nabu - Der Sohn Marduks, ist der Gott der Literatur und des Schicksals. Er verdrängt nach und nach seinen Vater.
* Ninurta - Ist der Gott der Schlachten.
* Nusku - Ist der Feuergott.
* Nergal - Der Gott der Hölle, ist die schwarze Sonne, die alle Lebensformen vernichtet.
* Adad - Ist der Gott der Stürme und Gewitter, aber auch des wohltuenden Regens.
* Tammus - Je mehr sein Kult in Vergessenheit gerät, desto üppiger wuchern die Legenden um ihn.
Das Pantheon war nicht statisch, die Verschmelzung unbedeutenderer Gottheiten mit bedeutenden ist keine Seltenheit, vor allem in Marduk gehen diverse kleinere Gottheiten auf - es gab sogar vereinzelt die Meinung, Marduk sei der einzige Gott - eine frühe Form des Monotheismus.
Marduk wurde unter anderem mit folgenden Göttern gleichgesetzt:
* Asalluchi, Sohn Enkis und Stadtgott Kumars, ein Beschwörungshelfer. Dadurch wurde Marduk zum Sohn Enkis und stieg im Pantheon auf - was dem Aufstieg der Stadt Babylon entsprach.
* Tutu, Stadtgott der Babylon untergeordneten Stadt Borsippa. Dafür wurde Marduks Sohn Nabu neuer Stadtgott in Borsippa.
Mythologie und Religion
Die teilweise Trennung von der sumerischen, traditionellen Religion erfolgte in der zweiten Hälfte des 2. Jahrtausends v. Chr., in der Babylons Stadtgott Marduk, bis dato ein eher weniger bedeutenderer Gott des Pantheons, die althergebrachte Trias aus An, Enlil und Enki (oder das Quartett, wenn man die Muttergottheit mitrechnet) sprengt und sich alleine an die Spitze des Pantheons setzt. Seinen Höhepunkt fand der Prozess unter Nebukadnezar I., unter dessen Herrschaft das Weltschöpfungsepos Enuma_elisch entstand. Hier hält Marduk - von den anderen Göttern um Hilfe gebeten, nachdem er Tiamat
(weibliche Personifizierung_des_Meeres) wegen der von ihr ausgelösten Flut, mit der sie alle anderen Götter zerstören wollte, erschlagen hatte - seinen Bogen zum Zeichen des Sieges hoch und platziert diesen im Himmel als bogenförmige Sternen-Konstellation zum Gedächtnis daran, dass er die Gefahr der Flut gebannt hat. Das ist auch ein Beispiel für die bis heute in der jüdisch-christlichen Tradition nachwirkende Rezeption der babylonischen Religion. Denn der biblische Gott Yahweh-Elohim setzt ebenfalls nach der Sintflut den Regenbogen als Zeichen des Wohlwollens an den Himmel. Der bisherige oberste Gott des Pantheons, Enlil, wurde in einen mittleren Himmel, zwischen den obersten Himmel seines Vaters An und den Himmel der Gestirngötter, versetzt. Nun nahm Babylon den Platz von Enlils Stadt Nippur als religiöses Zentrum Babyloniens ein. Oftmals wurden die Namen der alten Götter durch neue ersetzt oder die Namen der alten Götter als Synonyme der neuen verwendet.
Traditionell sah die Vorstellung bis zur Usurpation Marduks wie folgt aus:
Im Zentrum eines Salzmeeres hat die Erdscheibe ihren Sitz. Darüber wölben sich mehrere Himmel, Herrscher des obersten ist An, der unterste ist der Himmel der Sterne. Getragen wird der Himmel vom Süßwasserozean, dem apzu , in dem der oberste Gott Enki (Ea) wohnt. Darunter befindet sich die von den Göttern der Unterwelt beherrschte Schattenwelt, auch Unterwelt.
Im Enuma elisch spielt diese Unterwelt keine Rolle. Dort beginnt alles mit dem Paar Apsu (Gott des Süßwassers) und Tiamat (Göttin des Salzwasser). Von diesen beiden stammen alle anderen Götter ab. In einem Generationenkampf werden beide von Enki bzw. Marduk getötet. Marduk erschafft aus Tiamats Körper die Erde und den Himmel. In dieser Geschichte gehen verschiedene sumerische Traditionen auf, jedoch ist sie selber wohl nicht sumerischen Ursprungs. Auch die Menschen werden aus Lehm und Blut eines toten Gottes geschaffen (wobei hier variiert, welcher Gott das ist). Das Blut ist es, was den Menschen den ordnenden Verstand gibt. Menschen sind für die Götter von primärer Bedeutung. Ohne die Verehrung durch die Menschen und deren Opfer hungern die Götter. So kommt es dazu, dass man den Göttern als Mensch durchaus selbstbewusst gegenüber treten und auch Forderungen stellen kann, vor allem an seinen persönlichen Gott. Es wurden auf Keilschrifttafeln Klagen von Menschen an ihre Götter wegen vermeintlicher ungerechter Bestrafung gefunden, die damit drohten, sich einen anderen persönlichen Gott zu suchen, der dann der Empfänger der Gebete und Opfer würde. Man liebte die Götter nicht, aber man achtete sie, und manchmal fürchtete man sie auch.
Zusätzlich zu den Göttern des Pantheons glaubten die Babylonier an Dämonen, die zwar göttlich, aber in ihrer Macht den Göttern unterstellt waren und nur auf deren Anweisung hin aktiv wurden. Die meisten dieser Dämonen waren böser Natur, etwa Rabisu (der Lauerer), Ardat lili, ein zu normaler Sexualität unfähiger weiblicher Dämon, der seine Aggressionen gegen junge Männer richtet und diese Schwäche damit zu kompensieren sucht. Lamaschtu, ein löwenköpfiger, weiblicher Dämon, wurde häufig als für das Kindbettfieber verantwortlich angesehen. Die meisten anderen Dämonen hatten keine persönlichen Charakteristika. Da die Dämonen von den Göttern geschickt wurden, um den Frevler zu strafen, musste man sich ihrer mit Hilfe der Götter erwehren. So gab es einen regelrechten Wirtschaftszweig, in dem sich Schreiber (Gelehrte) mit Opferschau, Dämonologie und Vorzeichen beschäftigten. Auch die Medizin basierte in erster Linie darauf, den Gott zu besänftigen und die von einem Gott gesandten Dämonen zu bannen. Dabei spielte es keine Rolle, ob sich der Sünder einer Schuld bewusst war; man konnte die Götter mit vielerlei Taten verärgern, auch wenn diese einem im ersten Moment gar nicht bewusst waren oder vielleicht nie erkannt werden würden.
Siehe auch
• Elisch]
• Religion]
• Religion]
• (Bibel)]
Literatur
Helmut Freydank u.a.: Lexikon Alter Orient. Ägypten * Indien * China * Vorderasien, VMA-Verlag, Wiesbaden 1997 ISBN 3-928127-40-3
Brigitte Groneberg: Die Götter des Zweistromlandes. Kulte, Mythen, Epen, Artemis & Winkler, Stuttgart 2004 ISBN 3760823068
* Thomas R. Kämmerer: Shima milka. Induktion und Reception der mittelbabylonischen Dichtung von Ugarit, Emar und Tell el-Amarna, Ugarit-Verlag, Münster 1998 (Alter Orient und Altes Testament, Bd. 251) ISBN 3-927120-47-2
Weblinks
• Ugarit und die Bibel

