Kernkraftwerk Temelín
Das Kernkraftwerk Temelín, tschechisch Jaderná elektrárna Temelín, (tschech. Abk. JETE) ist ein Kernkraftwerk in Tschechien. Es ist das nach Leistung größte Kraftwerk in Tschechien. Es besteht aus zwei Reaktorblöcken mit einer Gesamtleistung von 2000 MW. In dem Kernkraftwerk sind z. Z. ungefähr 1000 Menschen beschäftigt.
Es hat vier Kühltürme mit einer Höhe von je 150 m. Ihr Durchmesser (auf Bodenhöhe) beträgt 130 m, die Außenwand hat eine Fläche von 44.000 m².
Es liegt in der Nähe des Dorfes Temelín 5 km südlich von Týn nad Vltavou (Moldauthein), 24 km nördlich von ?eské Bud?jovice (Böhmisch Budweis) in Südböhmen, Tschechien. Das Kernkraftwerk liegt 50 km von der österreichischen und 60 km von der deutschen Grenze entfernt.
Das Gelände, auf dem das Kernkraftwerk liegt, ist 1,45 km² groß, davon sind 1,23 km² umzäunt [http://www.je-temelin-dukovany.cz/je-temelin-lokalita.htm] (tschechisch) .
Geschichte
1979?1980 fiel die Entscheidung, ein Kraftwerk zu bauen, das aus vier WWER-1000 Druckwasserreaktoren bestehen sollte. Der Bau begann im März 1987. Im Jahre 1990 entschied die neue Regierung des Ministerpräsidenten Marián ?alfa das Projekt zu reduzieren und nur noch zwei Reaktor-Blöcke fertigzustellen. Es folgte daraufhin eine Neubewertung der Anlage. Da das sowjetische Reaktordesign mit den internationalen Normen im Reaktorbau nicht kompatibel war, wurden zahlreiche Komponenten umgeplant.
Das Projekt wurde mehrmals durch die IAEA überprüft und unter Vorbehalt einiger Änderungen, wie dem Einbau eines modernen digitalen Sicherheitssystems oder der Errichtung eines Simulators, für durchführbar befunden. Mit der Ausführung des Projekts wurde die US-Firma Westinghouse beauftragt. Ab 5. Juli 2000 wurde der erste Block zur Inbetriebnahme vorbereitet. Am 9. Oktober 2000 wurde er erstmals in Betrieb genommen, am 8. April 2003 der zweite Block. In den Jahren 2000?2005 kam es im AKW zu 15 Störungen (Stufe 1, niedrigste Stufe nach INES). [http://www.sujb.cz/docs/SUJB_Rocni_Zprava_2004.pdf] (tschechisch, pdf-Datei)
Der Bau des KKWs hat insbesondere in Österreich zu starken Protesten geführt; viele, vor allem FPÖ-Politiker wollten sogar ein Veto gegen einen EU-Beitritt Tschechiens einlegen, falls das KKW nicht außer Betrieb genommen wird. Als Grund für die Proteste wurde u. a. angegeben, das KKW sei veraltet und unsicher und liege zudem nahe an der österreichischen und deutschen Grenze.
Bei einem GAU würden angeblich die Großstädte Linz (80 km entfernt) und Wien (180 km entfernt) unbewohnbar. Diese Annahme ist allerdings mit Vorsicht zu betrachten, da ein GAU in jedem Kraftwerkstyp anders definiert ist und RBMK-Reaktoren wie in Tschernobyl um ein Vielfaches unsicherer sind. Selbst bei einem Super-GAU in einem RBMK-Reaktor ist keine Stadt unbewohnbar geworden, die weiter als 30 km vom Brandherd entfernt lag. Außerdem wurde in Tschernobyl der Großteil des radioaktiven Materials durch einen Graphitbrand in die Atmosphäre getragen (thermische Ausbreitung), welcher in Temelin nicht zuletzt wegen des nicht vorhandenen Graphitmoderators und des vorhandenen Containments ohnehin unmöglich wäre, was das Schadensausmaß selbst im Fall eines Super-GAUs begrenzen würde.
In von ober- und niederösterreichischen Anti-Atom-Initiativen organisierten Grenzblockaden haben viele Bürger aus der Grenzregion wiederholt erfolglos ihren Widerstand gegen Temelín zum Ausdruck gebracht. Durch die Grenzblockaden hat Österreich seine internationale Verpflichtungen freien Verkehr zwischen den Grenzen zu gewährleisten verletzt, in Tschechien hat das zu Überlegungen in der Presse geführt, dass Tschechien gegen Österreich eine Klage einreichen könnte.
Im ?Melker Abkommen? der österreichischen Bundesregierung mit der tschechischen Regierung wurden schließlich im Jahre 2001 Bedingungen für einen Dauerbetrieb Temelíns formuliert ? hauptsächlich regelmäßige Prüfungen und Verbesserungen der Anlage in der Betriebssicherheit und bessere Information der österreichischen Bundesregierung bei Störfällen.
Daten der Reaktorblöcke
Das Kernkraftwerk Temelín hat zwei Blöcke:
Anmerkungen/Quellen
Siehe auch
Kernkraftwerk Dukovany
Liste der Kernkraftwerke
Weblinks
*
• Homepage des Betreibers von Temelín über das AKW (de)
• Homepage des AKW (cz)
• Homepage der tschechischen Aufsichtsbehörde mit aktuellen Meldungen auf englisch
• Tschechische Homepage über Temelín und Dukovany
• Antiatom ? Stop Temelin
• Umweltbundesamt Wien
• Oberösterreiche Plattform gegen Atomgefahr
• Risikoeinstufung von Temelin

