AKK-Konflikt
Als AKK-Konflikt werden Differenzen zwischen Teilen der Bewohnerschaft und der Kommunalpolitik aus den beiden benachbarten Landeshauptstädten von Rheinland-Pfalz (Mainz) und Hessen (Wiesbaden) bezeichnet, die sich daran festmachen, dass nach dem Zweiten_Weltkrieg die drei rechtsrheinischen Mainzer Stadtteile Amöneburg, Kastel und Kostheim (nach deren Anfangsbuchstaben ?AKK?) von der damaligen US-amerikanischen Besatzungsmacht der Stadt Wiesbaden zugeschlagen wurden. Die Besonderheit dieses Falles zeigt sich darin, dass die Ortsschilder dieser Stadtteile die paradoxe Aufschrift ?Landeshauptstadt Wiesbaden ? Stadtteil Mainz-Kastel? (bzw. -Amöneburg und -Kostheim) tragen.
Ursachen
Der konkrete kommunalpolitische Konflikt um die Zugehörigkeit dieser drei Stadtteile wird überlagert von allgemeinen örtlichen Rivalitäten und Animositäten, die ? wie in vielen anderen, mehr oder weniger nah beieinander liegenden Städten auch, etwa zwischen Köln und Düsseldorf, Basel und Zürich u. v. m. ? eher irrationale Züge tragen und dem Bereich der Stereotype über beispielsweise ?diese Wiesbadener?, ?diese Mainzer? usf. zuzuordnen sind. Solche zusätzlichen Beweggründe verstärken die hohe Symbolkraft, die der Verlust der drei Vororte für etliche Mainzer aufweist, obwohl in der über 2000-jährigen gemeinsamen Geschichte Kastel und Amöneburg lediglich 37 Jahre, Kostheim sogar nur 32 Jahre verwaltungsrechtlich als integrierter Teil von Mainz zu gelten haben. Die Zuordnung zu Wiesbaden besteht nun aber mittlerweile über 60 Jahre. Aufgrund der historischen Gegebenheiten hat der ebenfalls 1945 erfolgte Verlust dreier weiterer rechtsrheinischer_Vororte, nämlich von Bischofsheim, Gustavsburg und Ginsheim, die allerdings nicht Wiesbaden zugeschlagen wurden, keine vergleichbaren Reaktionen hervorgerufen. http://www.hvv-gigu.de/html/die_gemeinde.html Anders als bei AKK handelt es sich bei diesen Gemeinden jedoch um Gebiete, die bis zum napoleonischen Zeitalter der überwiegend evangelischen kirchliches Zentrum seit dem Frühmittelalter, Fastnachtshochburg, Universitäts- und Arbeiterstadt. Dagegen rechts des Rheins die elegant-mondäne Kurstadt, Dienstleistungszentrum und Millionärsresidenz, die als einstiger Emporkömmling des 19. Jahrhunderts Mainz mittlerweile nach Zahl der Einwohner überflügelt hat.
Ein wichtiger Auslöser war sicherlich auch die Proklamation Nr. 2 der amerikanischen Militärregierung vom 19. September 1945, die die bis dahin rechtsrheinischen_Mainzer_Vororte dem neu gegründeten Bundesland Hessen zuschlug, und damit auch die ?AKK-Orte? (Amöneburg, Kastel und Kostheim) dem Stadtkreis Wiesbaden. http://lernen.bildung.hessen.de/hessen/gedenktage/zeige_monat?monat=9 Mainz verlor damit nach fast 2000 Jahren seine ?Brückenvorstadt?. Die betroffenen Vororte wiesen ein erhebliches Industriepotential auf, das aufgrund der französischen Demontagepolitik aus Sicht der US-Amerikaner nicht in die französische Besatzungszone geraten sollte.
Aufgrund dieser industriellen Struktur und des entsprechend hohen zur Disposition stehenden Steueraufkommens kam es in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder zu parlamentarischen Anfragen, verfassungsrechtlichen Gutachten und intensiven politischen Diskussionen auf lokal- und landespolitischer Ebene. http://www.hr-online.de/website/rubriken/nachrichten/index.jsp?rubrik=5710&key=standard_document_2641068
Dies führte zu dem Paradoxon, dass die heutigen Wiesbadener Stadtbezirke noch immer die Vorsilbe ?Mainz-? in ihrem Namen führen, von den Stadtwerken Mainz versorgt werden http://www.stadtwerke-mainz.de/sitemap/suche.php?url=/geschaeftsfelder/strukturmerkmale.php&nav0=2&nav1=1&nav2=28 , ebenso wie Identität aufkommen: das protestantische Wiesbaden war zunächst nassauische Residenz, wurde 1866 von Preußen annektiert und nach dem Zweiten_Weltkrieg schließlich nach amerikanischer Besatzung Landeshauptstadt von Hessen. Das katholische Kurmainz dagegen war selbstständig, wurde viermal französisch besetzt (von der französische Revolutionsarmee (Mainzer Republik), von Napoleon_I. sowie nach den beiden Weltkriegen) und schließlich Landeshauptstadt von Rheinland-Pfalz. http://www.mainz.de/WGAPublisher/online/html/default/hpkr-5pafct.de.html?ServiceID=031017-37017-SH-99998:37017
Ausprägung
Deutlich spürt man die Rivalität spätestens in den Büttenreden der Mainzer Fastnacht, in denen alljährlich die ?AKK-Orte? zurück gefordert werden und die Wiesbadener High Society verspottet wird. Im Gegenzug wird im Wiesbadener Karneval die Figur der etwas tölpelhaften ?Pfälzers? aufgegriffen, die ja eigentlich Rheinhessen sind bzw. als Rheinhessen ja auch zu Hessen zu zählen seien.
Das hält freilich weder Wiesbadener Abiturienten von einem Studium an der Mainzer_Uni ab, noch stören sich die Mainzer daran, wenn sie an katholischen Feiertagen in den offenen Geschäften in der Wiesbadener Innenstadt einkaufen gehen.
Im Allgemeinen beschränkt sich die Rivalität auf verbale Sticheleien, die mit einem Augenzwinkern hervorgebracht werden. Offene Rivalität oder gar Feindschaft ist dagegen eher die Ausnahme. Vielmehr gibt es auch viele Beispiele, bei denen die Städte Mainz und Wiesbaden gut zusammenarbeiten. So gibt es beispielsweise einen gemeinsamen Verkehrsverbund. Die Berufsfeuerwehren von Mainz und Wiesbaden betreiben gemeinsam ein Löschboot. Das Feuerlöschboot liegt abwechselnd je drei Wochen im Zoll- und Binnenhafen Mainz und im Wiesbadener Hafen_Schierstein und wird von beiden Feuerwehren gemeinsam mit Personal besetzt.
Bürgerbefragungen
1986 fand eine offizielle Befragung der Bürger statt, deren Auswertung zwischen den Oberbürgermeistern der Städte Mainz und Wiesbaden abgestimmt worden war. Damals votierten 37,7 % der abgegebenen Stimmen für eine Rückgliederung nach Mainz, während sich 23,6 % für einen Verbleib bei Wiesbaden aussprachen. Da die nicht abgegebenen Stimmen (immerhin 34,7 % der Befragten) wie zuvor festgelegt als Stimmen für den Verbleib bei Wiesbaden gewertet wurden, ergab sich eine Mehrheit von 58,3 % für den Verbleib bei Wiesbadenhttp://www.main-rheiner.de/region/objekt.php3?artikel_id=2295098.
Im Jahr 2006 wurde mit 501 Befragten eine ? nach Angaben der Verfasser repräsentative ? Umfrage durchgeführt, die eine Mehrheit für die Rückgliederung nach Mainz ergab. Allerdings wurde auch hier deutlich, dass die Amöneburger wie bereits 1986 mehrheitlich gegen eine Änderung des Status quo sind und bei Wiesbaden verbleiben wollenhttp://www.kundenfocus.de/files/akk_befragung.pdf. Der Auftraggeber der Umfrage ist unbekannt, sie wurde vom Mainzer Marktforschungsinstitut "forum!" durchgeführt.
Aktuelle Entwicklung
Im März 2007 kam es erstmalig zu der Situation, dass Schülern aus den AKK-Vororten die Aufnahme in weiterführende Mainzer Schulen verweigert wurde, da deren Kapazitäten erschöpft waren und das Land Rheinland-Pfalz eine entsprechende Entscheidung gefällt hatte.http://www.main-rheiner.de/region/objekt.php3?artikel_id=2748762
Anekdoten
* Als der Mainzer Fußball-Bundesligaclub 1. FSV Mainz 05 jüngst mit dem Gedanken spielte, ein neues Fußballstadion auf der rechten Rheinseite in Mainz-Kastel zu errichten, löste dies zunächst einen Proteststurm aus, bevor man sich wenig später damit beruhigte, dass Kastel ja eigentlich doch zu Mainz gehöre.
* Der 1. FSV Mainz 05 hat mehrere Fanclubs auf der rechten Rheinseite ? diese nennen sich z.B. ?Falsche Rheinseite? oder ?Hessliche 05-er?
* Es gibt einen Verein, der sich ?Vereintes Mainz e.V? nennt und für die ?Wiedervereinigung? der Stadt Mainz kämpft.
Referenzen
Siehe auch
Geschichte der Stadt Mainz ? Geschichte der Stadt Wiesbaden
Mainzer Fastnacht
Rechtsrheinische Stadtteile von Mainz
Weblinks
• Homepage des Vereins ?Vereintes Mainz e.V.?

