Ruhollah Chomeini
Ajatollah Ruhollah Musawi Chomeini (auch Khomeini; Persisch []) (* wahrscheinlich Geistlicher und der politische und spirituelle Führer der islamischen_Revolution im Iran von 1978-1979. Mit ihr stürzte er aus dem französischen Exil die Regierung von Mohammad Reza Pahlavi, dem damaligen Schah des Iran. Chomeini gilt als der Gründer der Islamischen_Republik im Iran. Er war bis zu seinem Tod 1989 als Oberster Rechtsgelehrter deren Staatsoberhaupt.
Leben
Er wurde wahrscheinlich 1900 im Ort Chomein als Ruhollah Musavi (Persisch: []) geboren. Chomeinis genaues Geburtsdatum ist umstritten. Es gibt auch Quellen, die angeben, er sei 1950er Jahren wurde Chomeini zum Ayatollah ernannt. 1963 wurde er wegen seiner Kritik an der Weißen_Revolution von Mohammad Reza Pahlavi für acht Monate inhaftiert und wurde nach seiner Entlassung 1964 gezwungen, in der Türkei Exil aufzunehmen. Von dort floh er 1965 in den Irak, wo er in Nadschaf, einem heiligen Ort der Schiiten, seine Lehrtätigkeit fortsetzte. Dort blieb er bis zum 16. Oktober 1978 und organisierte Teile der iranischen Opposition, bis er von der Regierung Saddam Husseins auf Wunsch des Schahs nach Neauphle-le-Château in Frankreich exiliert wurde.
Im Exil entwickelte er seine Theorien über einen islamischen Staat im Iran, der von schiitischen Geistlichen geführt und geleitet werden sollte (velayat-e faqih).
Die Revolution und die Errichtung der Islamischen Republik
Von Paris kehrte er am 1. Februar 1979, während der islamischen_Revolution, wieder in seine Heimat zurück. Am 11. Februar wurde die Regierung des bereits im Januar geflohenen Schah nach Straßenkämpfen gestürzt und eine Übergangsregierung eingerichtet. Chomeinis Anhänger gründeten daraufhin die "Partei der Islamischen Republik" (IRP), die seine Staatsdoktrin des Velayat-e Faqih gegen die Entwürfe anderer Oppositionsgruppen durchsetzen sollte. Nach einem Referendum im März 1979 wurde die "Islamische Republik Iran" ausgerufen, in deren Verfassung die Statthalterschaft der Rechtsgelehrten festgeschrieben war. Chomeini ernannte sich zum Staatsoberhaupt auf Lebenszeit, Führer_der_Revolution und Obersten_Geistlichen_Führer in Personalunion. Im November 1979 kam es zur Besetzung der amerikanischen Botschaft in Teheran durch radikale Studenten und zum Beginn der mehr als einjährigen Geiselkrise, für die Chomeini, der zuvor zu einer "Kulturrevolution" aufgerufen hatte, verantwortlich gemacht wurde. Im Rahmen des Vorgehens gegen die radikale Opposition wurden während dieser Zeit die Universitäten geschlossen. Militante Anhänger Chomeinis, die sich in Gruppen wie der iranischen Hisbollah organisierten, sollten oppositionelle Gruppen von den Straßen fernhalten. Während der Revolution wurden auch paramilitärische Verbände wie die Revolutionsgarde (Pasdaran) und die Basidj gegründet. Im Zuge des inner-iranischen Machtkampfs wurden neben den linken und monarchistischen Oppositionsgruppen auch die meisten seiner Wegbegleiter aus seiner Pariser Exilzeit hingerichtet bzw. zur Flucht gezwungen. Die Säuberungswelle erreichte ihren Höhepunkt 1981, nachdem die Volksmudschahedin eine Serie von Bombenanschlägen gegen Büros der IRP verübt hatte, bei denen zahlreiche hohe Regierungsvertreter ums Leben gekommen waren. Zum Schluss wurden selbst religiös-liberale Kräfte, die bis dahin eine Allianz mit der IRP gebildet hatten, stark eingeschränkt bzw. verfolgt. Die Revolution hatte u. a. zur Folge, dass über 4 Millionen Iraner innerhalb kürzester Zeit das Land verließen. Viel wanderten in die USA, nach Frankreich, aber auch in die BRD ein.
Der Erste_Golfkrieg
Im ersten Jahr des Ersten Golfkriegs (1980-1988) verweigerte Chomeini den von der UNO vorgeschlagenen Waffenstillstand und rief zu einer Art religiös motiviertem "Volkssturm" - nicht zu verwechseln mit dem Dschihad - auf, um die Grenzgebiete zurück zu erobern. Während des gesamten Krieges rief Chomeini nicht zum Dschihad auf. Nach großen militärischen Verlusten bot er 1981 die "menschliche Welle" auf (kaum ausgebildete Zivilisten als Vorhut für die paramilitärischen Pasdaran). Diese Zivilisten, meist Jugendliche aus den armen Schichten der Bevölkerung, eroberten die von den Irakern besetzten Städte und Gebiete zurück, sodass diese nach den anfänglichen Erfolgen den Rest des Krieges auf eigenem Territorium führen mussten. Nach der Eroberung des einzigen irakischen Hafens Faw durch iranischen Streitkräfte setzten die Iraker systematisch Giftgas gegen die Iraner und gegen Aufständische in der eigenen Bevölkerung ein. Die technische Hilfe dafür kam hauptsächlich aus Deutschland und zahlreichen anderen Staaten wie Frankreich und Italien. Aus humanitären Gründen stieß dies auf vielfache Kritik. Obwohl der Iran bereits 1982 alle verlorenen Gebiete zurückgewonnen hatte, erzwang Chomeini die Weiterführung des Krieges für weitere sechs Jahre, da er trotz geringster Erfolgsaussichten entschlossen war, das Regime von Saddam Hussein im Irak zu stürzen. Dabei ignorierte er die aufkommende Opposition innerhalb der politischen Eliten des Iran ebenso wie die zunehmende Kriegsmüdigkeit der iranischen Bevölkerung. Erst nach dem Zusammenbruch der iranischen Front 1988 erklärte sich Chomeini schließlich bereit, den "bitteren Kelch des Friedens zu trinken". In dem brutal geführten Krieg mit hohen zivilen Opfern waren ca. 1 Million Menschen ums Leben gekommen. Der lange Krieg und die feindliche Haltung Chomeinis gegenüber dem Westen isolierten den Iran, wovon sich das Land erst nach einem Jahrzehnt zu erholen begann.
Tötung von Nichtmuslimen verdienstvoll
Chomeini vertrat des islamische Harbi-Konzept, das die Tötung von nichtunterworfenen Nicht-Muslimen für erlaubt und verdienstvoll ansieht. Er erklärte beispielsweise in einer Rede am 12. Dezember 1984:
:Erlaubt man den Ungläubigen, ihre Rolle der Weltverderber weiter zu spielen, so wird letztlich ihre moralische Bestrafung um so härter ausfallen. Folglich erweisen wir ihnen, wenn wir sie töten um ihren korrupte Aktivitäten ein Ende zu setzen, im Grunde einen Dienst. Denn ihre endgültige Bestrafung fällt dadurch geringer aus. [...] unsere jungen Krieger [...] wissen, dass das Töten von Ungläubigen einer der edelsten Aufträge ist, die Allah für die Menschen bereithält.
Befehl zur Hinrichtung der politischen Gefangenen
Kurz nach dem Ende des Iran-Irak-Krieges gab Chomeini den Befehl zur Hinrichtung von mehreren tausend (die Schätzungen gehen von 3.000 bis 10.000 Hingerichteten aus) politischen Gefangenen im Iran, die Mehrheit von ihnen waren Anhänger der Volksmudschahedin und diverser linker Gruppierungen Khomeini: Life of the Ayatollah by Baqer Moin, S. 278 . Die Hinrichtungen im September 1988 gelten als die größte Hinrichtungswelle während der islamischen Republik
Fatwah gegen Salman Rushdie
Am 14. Februar 1989 rief Chomeini in einer Fatwa alle Moslems zur Tötung des Schriftstellers Salman Rushdie auf, auf Grund der von ihm als blasphemisch erachteten Äußerungen gegen den Propheten Mohammed in Rushdies Roman ?Die satanischen Verse?.
Nachfolger
Nach dem Tod Chomeinis wurde 1989 sein früherer Schüler, der ehemalige Staatspräsident Ayatollah Seyyed Al? Ch?mene'?, als Chef des Revolutions- und Wächterrates ernannt.
Bild:chomeini-mausoleum.jpg/'>Das Chomeini-Mausoleum im Süden Teherans
Bild:Khomeini-Mausoleum (Iran) by night.jpg|Das Chomeini-Mausoleum bei Nacht
Siehe auch
• Entwicklung des Iran]
• al-Sistani]
• ]:_Mit_Gott_für_die_Macht._Eine_politische_Biographie_des_Ayatollah_Chomeini._1987,_ISBN_3498046284
*Baqer_Moin:_Khomeini:_Life_of_the_Ayatollah_1999,_ISBN_0-312-26490-9

