Götterbaum
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Der Götterbaum (Ailanthus altissima, Syn.: A. vilmoriniana, A. cacodendron, A. giraldii, A. glandulosa, Rhus cacodendron, Toxicodendron altissimum), auch Himmelsbaum oder Stinkesche genannt (engl. Tree of Heaven), ist eine Laubbaum-Art der Gattung Götterbäume (Ailanthus) aus der Familie der Bittereschengewächse (Simaroubaceae).
Verbreitung
Heimisch ist die Art in der Volksrepublik China und im südlichen Korea. Heute ist der Götterbaum jedoch auf allen Kontinenten mit warmen bis gemäßigtem Klima zu finden.
Erscheinungsbild
Es handelt sich um einen Baum, der häufig als Busch oder buschiger Halbbaum vorkommt, und als Baum innerhalb von zwanzig bis fünfundzwanzig Jahren eine Wuchshöhe von bis zu 30 Metern erreichen kann. Sein Alter übersteigt selten 60 Jahre. Der Stamm ist glatt und die Rinde graubraun bis schwarzbraun gestreift. Die große Baumkrone ist gewölbt und etwas unregelmäßig aufgebaut. Die großen unpaarigen Fiederblätter sind vierzig bis neunzig Zentimeter lang und werden von dreizehn bis fünfundzwanzig schmal-elliptischen Blättchen gebildet. Diese erscheinen erst zu Beginn des Juni und sind zunächst dunkelrot. Der Laubfall im Herbst beginnt erst sehr spät. Eine Herbstfärbung der Blätter erfolgt nicht.
Die Art ist zweihäusig getrenntgeschlechtig (diözisch), das heißt die männlichen und die weiblichen Blüten finden sich auf verschiedenen Bäumen. Der Götterbaum blüht Ende Juli und strömt während dieser Zeit einen unangenehmen Geruch aus. Im August bis September bilden sich die Früchte, die als Schoten mit zentralem Samen und beidseitigen Flügeln ausgebildet sind und zu Hunderten in Büscheln stehen. Ebenso kann er sich ungeschlechtlich über Wurzelbrut vermehren.
Nutzung und Einführung nach Europa
Nutzung in China
In China werden die Blätter zur Fütterung der zu den Seidenspinnern zählenden Ailanthus- oder Götterbaumspinner (Philosamia cynthia) verwendet, die in Zuchten verwertbare Seide produzieren.
Nutzung in Europa
Wo große Bestände des Götterbaums existieren, wird er zur Honiggewinnung genutzt. Der sehr würzige Götterbaumhonig ist eine lokale Spezialität.
Einführung nach Europa und Ausbreitung
Die ersten Pflanzen gelangten 1740 durch den Jesuiten Pierre D'Incarneville nach Paris. Sowohl die Verwendung als Zierpflanze als auch der Versuch, den Baum wirtschaftlich zu nutzen, trugen zu seiner Verbreitung bei. In Wien bemühte man sich, mit Hilfe dieses Baumes den Seidenspinner als Nutztier in Europa einzuführen und trug damit zu einer verwilderten Population in Wien bei. In Berlin wurde er bereits 1780 als Zierpflanze kultiviert. Wild wachsende Götterbäume sind heute in den Innenstädten der größeren deutschen Städte häufig; sie traten jedoch erst nach 1945 verstärkt auf Trümmerflächen auf. Der Invasionsbiologe Ingo Kowarik führt dies darauf zurück, dass vor 1945 offene Flächen verhältnismäßig selten waren und diese zu intensiv gepflegt werden, um den Aufbau einer spontanen Population zu ermöglichen.
Der Götterbaum als Stadtgrün
Der Götterbaum ist resistent gegen Salz, Trockenheit und Industrieabgase und toleriert den von urbanen Luftverunreinigungen ausgehenden Stress besser als andere Stadtbäume. Götterbäume benötigen eine Jahresmitteltemperatur von etwa +9 Grad Celsius und reagieren empfindlich auf Winterfröste.
Der Götterbaum als Neophyt
Der hemerochor nach Europa verbrachte Götterbaum wird in seiner Auswirkung auf die heimische Biodiversität unterschiedlich beurteilt. In einigen Staaten, wie zum Beispiel in Österreich und der Schweiz wird der Götterbaum zu den ?invasiven Neophyten? gezählt, deren weitere Ausbreitung man zu verhindern sucht. In Basel werden beispielsweise die Götterbaum-Populationen entlang des Rheinufers systematisch beseitigt und in Ungarn bedroht der Baum aufgrund seiner Ausbreitung die Lebensgemeinschaften von Mager- und Felsrasen.
Auf der italienischen Insel Procida im Golf von Neapel verdrängt der Götterbaum die "Macchia Mediterranea" (Macchie).
In Deutschland wird der Götterbaum als weniger problematisch angesehen, da seine Bestände die städtischen Wärmeinseln nur selten verlassen können. Für Berlin konnte Ingo Kowarik (siehe Lit.) in seinen Untersuchungen zeigen, dass er nur in den überwärmten Gebieten der Berliner Innenstadt vorkommt.
Schadinsekten
Eine Mottenart, deren Kokon aus Seidenfäden besteht ist der Ailanthus-Spinner (Samia cynthia). Er ernährt sich von den Blättern und aus seinem Kokon lässt sich eine Seide produzieren, die haltbarer und preisgünstiger ist als die übliche Seide. Der Ailanthus-Spinner wurde in mehrere Stadtgebiete der östlichen USA sowie in Wien eingeführt, um eine Seidenindustrie zu begründen. Einführungszeitpunkt in Wien war 1856; seit 1924 wird der Ailanthus-Spinner in Österreich als Neozoon betrachtet. In seiner Verbreitung ist er jedoch an die Götterbäume und damit an überwärmte Stadtgebiete gebunden. Auch im Osten der USA findet man diesen Spinner nur in Stadtnähe. Das Auftreten des Ailanthus-Spinners ist ein Beleg für die These der Invasionsbiologie, dass ein eingeführter und verbreiteter Neophyt in der Regel auch seine Schadinsekten nach sich zieht. Im Falle des Ailanthus-Spinners war an dessen Ausbreitung allerdings der Mensch sehr stark beteiligt.
Literatur
Ingo Kowarik: Biologische Invasionen - Neophyten und Neozoen in Mitteleuropa. Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart 2003, ISBN 3-8001-3924-3
* Mario Ludwig, Harald Gebhard, Herbert W. Ludwig, Susanne Schmidt-Fischer: Neue Tiere & Pflanzen in der heimischen Natur - Einwandernde Arten erkennen und bestimmen. BLV Verlagsgesellschaft, München, ISBN 3-405-15776-5
Weblinks
• Die Giftpflanze Götterbaum

