Ahnenverlust
Mit dem Begriff Ahnenverlust (oder Ahnenschwund) bezeichnet man in der Genealogie die Erscheinung, dass in der Ahnenliste einer Person bzw. eines Lebewesens Ahnen mehrfach auftauchen, so dass die Anzahl der tatsächlichen (verschiedenen) Ahnen niedriger ist als die theoretisch mögliche Anzahl von 2n in der n. Generation.Schließt man die Geschwisterehe (vgl. Inzest) aus, tritt Ahnenverlust frühestens in der dritten Generation auf, in der Regel aber erst in späteren Generationen. In diesen Fällen treten Geschwister als Ahnen auf, so dass in der nächsten Generation deren Eltern mehrfach als Ahnen auftreten. Dadurch verringert sich die Anzahl der tatsächlich verschiedenen gegenüber der Zahl der theoretisch möglichen Vorfahren, woraus sich der Inzuchtkoeffizient der Ahnenliste schätzen lässt.
Diese Erscheinung des Implex kann natürlich auch bei Nachkommen auftreten. Verloren geht dabei eigentlich nichts, sondern Inzucht führt nur dazu, dass manche Ahnen oder Nachkommen mehrfach in den Listen eines Probanden auftreten. Damit verringert sich die Zahl der tatsächlich verschiedenen Personen gegenüber der theoretisch möglichen Zahl absolut und relativ immer stärker, je mehr Generationen zum Probanden dazwischen liegen.
Ahnenverlust versus wahre Inzucht
Besonders in der Hundezucht wird gelegentlich der sogenannte Ahnenverlustkoeffizient als Mass für die Inzucht eines Individuums verwendet. Dazu berechnet man den Quotienten aus vorhandenen und maximal möglichen Ahnen über eine definierte Anzahl Generationen. Die Differenz zwischen dem Resultat und 1 (bzw. 100%) entspricht dem gesuchten Wert.
Im Gegensatz zum Inzuchtkoeffizient berücksichtigt der Ahnenverlustkoeffizient allerdings nicht, wie eng Vater- und Muttertier miteinander verwandt sind. Bei ingezüchteten, aber nicht eng miteinander verwandten Elterntieren kann dies dazu führen, dass der Nachwuchs einen hohen Ahnenverlust-, aber gleichzeitig einen tiefen Inzuchtkoeffizient aufweist.
Da der Grad der Inzucht-Depression sich nach dem Homozygotiegrad richtet, welcher wiederum durch den Inzuchtkoeffizient gemessen wird, ist in solchen Fällen dem Inzuchtkoeffizienten mehr Bedeutung beizumessen als dem Ahnenverlust. Der Ahnenverlustkoeffizient liefert also bestenfalls einen Schätzwert, schlimmstenfalls aber völlig sinnlose Angaben zur wahren Inzucht.
Beispiele
Für Friedrich_den_Großen, Maria Theresia und August_den_Starken lässt sich der Ahnenverlust absolut und in Prozent über 12 Generationen ermitteln (nach den Veröffentlichungen Erich Brandenburgs, 1934?1937):

