Aguirre, der Zorn Gottes
Aguirre, der Zorn Gottes ist ein Abenteuerfilm des deutschen Regisseurs Werner Herzog aus dem Jahr 1972.
Handlung
Nach der Unterwerfung der Inka durch die Spanier im 16. Jahrhundert, erfinden die Ureinwohner die Legende vom Goldland Eldorado, welches sich im Urwald des Amazonas befinden sollte.
Der Film schildert eine (fiktive) Expedition spanischer Eroberer, welche Eldorado ausfindig machen soll.
Nachdem die Expedition zu Lande kaum vorangekommen ist, wird eine 40 Mann starke Gruppe zusammengestellt, die per Flößen weitersuchen sollte. Unter ihnen ein christlicher Missionar und zwei weibliche Personen. Der Voraustrupp wird von Don Pedro de Ursua (Ruy Guerra) geführt.
Nachdem die Flöße durch einen Anstieg des Amazonas fortgespült wurden und klar ist, dass die Männer nun auf den Landwege umkehren müssen um ihr Leben nicht zu gefährden, meutert der stellvertretende Befehlshaber Don Lope de Aguirre.
Ursua wird angeschossen und in Ketten gelegt. Don Fernando de Guzman (Peter Berling) wird von Aguirre als eine Art Marionette zum "Kaiser von Eldorado" erklärt.
Die Männer bauen nun ein neues großes Floß und setzen ihre Expedition fort. In der Folge wird die Mannschaft durch Eingeborene und innere Konflikte immer mehr dezimiert. Eine erfolgreiche Expedition wird immer unwahrscheinlicher, jedoch ist der Point of no return schon längst überschritten.
Anfangs noch ungläubig, verfällt Guzman seiner Rolle als Kaiser. Im Vorbeifahren auf dem Fluss nimmt er Ländereien für sich in Besitz. Nachdem er das unruhige Pferd vom Floß gejagt hat, wird er ermordet.
Schon bald sind die Vorräte verbraucht, die Männer trinken das Flusswasser und bekommen Fieber.
Zu Ende des Films steht Aguirre als letzter Überlebender auf dem Floß und erklärt einer Meute von Affen seine Eroberungspläne von Süd- und Mittelamerika.
Der Traum einer erfolgreichen Meuterei und die Gier nach Gold endeten in der Katastrophe.
Hintergrund
Der Film entstand unter den denkbar ungünstigsten Voraussetzungen. Das Budget war viel zu niedrig für solch einen Film und es half dabei auch wenig, dass ca. ein Viertel davon für Kinskis Gage draufging. Die Kamera hatte Herzog gestohlen, das Drehbuch war größtenteils während der Busfahrten seines Fußball-Teams entstanden, einmal hatte sich ein Kollege auf Herzogs Schreibmaschine übergeben und so eine ganze Szene vernichtet.
Am Drehort selbst wurde dann neben den schwierigen Umweltbedingungen vor allem Klaus Kinski zum Problem, der immer wieder mit Meinungsverschiedenheiten mit Herzog, Wutausbrüchen und Tobsuchtsanfällen die Produktion in Gefahr brachte. Am Ende boten sogar die Indios, die als Komparsen am Set waren, Herzog an, Kinski umzubringen.
Diese Probleme, die zu vielen Schwächen und Fehlern im Film führen, sind aber gleichzeitig auch seine Stärke. Herzog gelang es eine stilisierte Handlung mit symbolischen Anspielungen auf historische Ereignisse in einen quasi-dokumentarischen Stil umzuwandeln. Viele Szenen entstanden aus den tatsächlichen Begebenheiten vor Ort, so baute Herzog einen überraschenden Anstieg des Wasserpegels, der ganze Flöße der Crew vernichtete, geschickt in den Film ein, um die Handlung voranzubringen.
Trotz aller Stilisierung, wie die Begegnung mit zwei Eingeborenen, deren Verlauf ziemlich exakt die historische Begegnung mit den Spaniern um Francisco Pizarro und dem letzten Inkaherrscher Atahualpa zitiert (Schlacht von Cajamarca) , erweckt der Film eher die Atmosphäre einer Dokumentation, denn einer Inszenierung.
Der historische Lope de Aguirre
Hauptartikel: Don_Lope_de_Aguirre
Aguirre, der Zorn Gottes basiert vage auf einer tatsächlichen spanischen Expedition im Jahre 1560.
Vermutlich 1536 oder 1537 erreichte Lope de Aguirre Peru und war in der Folgezeit an verschiedenen politischen Intrigen beteiligt. Er protestierte mit mehreren Briefen an den spanischen König gegen die Zustände in den Kolonien. In diesen Briefen, die zum Teil noch erhalten sind, greift Lope de Aguirre den spanischen König Philipp II. scharf an, bezeichnet ihn einmal als "schlimmer als Luzifer".
In einem 1561 kurz vor seinem Tod verfassten Brief behauptet er auch, dass er, wie im Film dargestellt, auf einer Expedition den Gouvernour und später dann auch den von ihm selbst eingesetzten König Don Fernando de Guzman neben allerlei anderer Mitglieder der Expedition getötet zu haben. Wie glaubwürdig Lope de Aguirres Schilderungen jedoch sind, ist fragwürdig. Vieles in seinen Briefen ist unglaubwürdig, so behauptet er (als fanatischer Katholik), dass er, als er von der Reformation in Deutschland hörte, als spontane Reaktion einen Deutschen namens "Monteverde" in Stücke habe schlagen lassen. Der ungewöhnliche Name Monteverde für einen Deutschen ist nur ein Beispiel von vielen, die die Glaubwürdigkeit von Aguirres eigenen Bekundungen in Frage stellen.
Dennoch waren es Schilderungen wie diese, die Werner Herzog als Basis für seinen Film nahm. Ein Lope de Aguirre zugeschriebenes Zitat diente zudem für den Filmtitel. Als sich Aguirre im März 1561 (also erst nach der im Film gezeigten Expedition) selbst zum Herrscher über Peru, Tierra Firma (Isthmus von Panama) und Chile ernennt, soll er gesagt haben: "Ich bin der Zorn Gottes, der Fürst der Freiheit, Herr von Tierra Firma und den Provinzen von Chile".
Anders als im Film jedoch angedeutet, kehrt Aguirre von der Expedition zurück und rebelliert weiter gegen die spanische Krone, bis er im Oktober 1561 in Venezuela von spanischen Truppen gestellt und in der anschließenden Schlacht getötet wird.
Aguirre und Apocalypse Now
Aguirre, der Zorn Gottes ist ebenso wie Francis Ford Coppolas Apocalypse Now zu großen Teilen von Joseph Conrads Herz der Finsternis inspiriert. Tatsächlich kann man Col. Kurtz aus Apocalypse Now als eine Art Aguirre sehen, bzw. als das, was aus Aguirre geworden wäre, wenn dieser die Reise überlebt hätte (in der Tat sehen wir Aguirre nicht direkt sterben, und der historische Lope de Aguirre hat die Reise auch überlebt). Es gibt immer wieder Spekulation darüber, ob Coppola auch Aguirre gekannt hatte und sich davon beeinflussen ließ.
Kritiken
* Lexikon des internationalen Films: Ein vielschichtiger Abenteuerfilm über eine monströse Führerfigur, über Imperialismus, Größenwahn und Irrsinn, in einer beispielhaften Inszenierung, die um authentische Erzählweise bemüht ist. Der Stoff geht auf eine historische Chronik zurück und wurde an Originalschauplätzen verfilmt.
* Heyne Filmlexikon: Eine Sternstunde der Zusammenarbeit zwischen Werner Herzog und Klaus Kinski. Bildgewaltiges Epos um Imperialismus und Größenwahn.
Trivia
Im selben Jahr inszeniert John Boorman den Streifen Beim Sterben ist jeder der Erste. Dieser befasst sich ebenfalls mit einer Abenteuer-Flussfahrt, bei der mehrere Mitglieder aufgrund der Umstände sowie im Konflikt mit den Einheimischen getötet werden bzw. durch Unfälle in Mitleidenschaft gezogen werden. Als Star diente Burt Reynolds. Der Film spielte allerdings zur Neuzeit in einer abgelegenen Region in Georgia, Nordamerika.
Auszeichnungen
Thomas Mauch erhielt den Bundesfilmpreis für seine Kameraführung und den Preis der US-amerikanischen National Society of Film Critics während der Film 1975 den französischen Étoile de Cristal als bester ausländischer Film (Prix International) erhielt. Die französischen Filmkritiker verliehen dem Film die Auszeichnung als bester ausländischer Film 1976. Im gleichen Jahr war er für den César in der gleichen Kategorie nominiert.
Weblinks
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* (u.a. Trailer, zeitgenössische Rezensionen, Uraufführungsplakat, Fotos)
• Offizielle Kinski-Seite
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