Agudat Yisrael
Die Agudat Yisrael ist eine ultra-religiöse israelische Partei, die sich in ihrer antizionistischen Orientierung gegen alle Einflüsse richtete, die im Gegensatz zur Thora und der jüdischen Gesetzgebung (Halacha) stehen. Ihre Glaubensvorstellung verbot es ihnen, einen weltlichen jüdischen Staat anzustreben. Trotzdem leistete die Partei durch die Organisation der Einwanderung von orthodoxen Juden in Palästina zur späteren Staatsgründung ihren Beitrag.1911 hatten die Mizrachi-Delegierten den Zehnten Zionistenkongress in Basel unter Protest verlassen, nachdem der Kongress sich geweigert hatte, ihre Religionsschulen in Palästina in gleicher Höhe zu finanzieren wie säkulare Schulen. Da sie nun mit der Hauptströmung des Zionismus, die sich offensichtlich einem radikalen Säkularismus verschrieben hatte, nicht mehr zusammenarbeiten konnten, entschlossen sie sich, mit Agudat Israel, die bald ihre Zweigstellen in Ost- und in Westeuropa hatte, ihr Glück zu versuchen.
Der Eintritt von Agudat Israel in das politische System des Staates änderte ihre grundsätzliche antizionistische Ideologie nicht. Diese Haltung wurde zu verschiedenen Zeit mit gewalttätigen oder militanten Mitteln zum Ausdruck gebracht, öfter aber blieb sie eine prinzipielle ideologische Position, die in der politischen Sphäre geäußert wurde. Von der Seite der Ultra-Orthodoxen wurde der Holocaust sogar als schlagendes Argument gegen den Zionismus benützt. Mehrere haredi Rabbiner beschuldigten die zionistische Bewegung, durch ihren Ungehorsam Gott gegenüber ? d.h. durch die Beschleunigung der Rückkehr ? und wegen ihrer Säkularisierungsbemühungen, die Katastrophe als Strafe Gottes für das jüdische Volk herbeigeführt zu haben.
Innerhalb der Misrachi-Bewegung und auch in der Agudat Israel trennten sich jeweils ein linker Flügel von der Mutterpartei (Agudat) bzw. der Weltorganisation (Misrachi) ab. Die Neturei Karta (?Wächter der Stadt?) gingen ebenfalls aus der Spaltung innerhalb der Agudat Israel hervor. Ihnen geht die Opposition der Agudat Israel gegenüber der säkularen zionistischen Bewegung noch nicht weit genug.
Agudat Israel leistet allen Einflüssen Widerstand, die gegen die Bestimmungen der Thora und der Halacha gerichtet sind, was unter anderem den Zionismus (und somit auch den Staat Israel), sowie auch den täglichen Gebrauch der hebräischen Sprache beinhaltet. Ihrer Vorstellung nach kann eine nationale Erlösung nur durch einen Akt der Reue und Demut gegenüber Gott erreicht werden, was die wortwörtliche Befolgung aller in der Thora verankerten religiösen Gebote und Weisungen beinhaltet. Obwohl ihre Glaubensvorstellung ihnen verbietet, einen weltlichen jüdischen Staat anzustreben, fand sich die Agudat unter dem Eindruck des Holocaust dazu bereit mit den zionistischen Organisationen zusammenzuarbeiten. Seitdem versucht die Agudat Israel einen höchstmöglichen Einfluss auf die religiöse Ausrichtung des zionistischen Staates auszuüben. Erster Erfolg dieses Versuchs einer Einflussnahme war der mit den zionistischen Gründervätern des späteren israelischen Staates ausgehandelte ?Status quo?, welcher der Gestaltung des jüdischen Charakters des zionistischen Staates dienen sollte.
Inhalt dieses ?Status quo?-Vertragswerkes waren religionspolitische Zugeständnisse der Säkularen gegenüber den Religiösen, wodurch mit deren Hilfe für eine Kooperation mit der politischen Elite des noch nicht gegründeten Staates Israel geworben werden sollte. Dazu gehörte die Zusicherung, dass der Sabbat als nationaler Ruhetag eingerichtete wurde, oder auch etwa die Zusage, dass die Ehe- und Scheidungsjurisdiktion den rabbinischen Gerichten auf Basis der Halacha vorbehalten sei. Zudem wurden später noch weitere Zugeständnisse von staatlicher Seite erreicht, etwa die Mitfinanzierung religiöser Institutionen.
Um den politischen Einfluss noch zu verstärken, schlossen sie sich mit verschiedenen anderen religiösen Parteien (Poale Agudat Israel, Misrachi und Hapoel ha Misrachi) bei den Wahlen zur 1. Knesset zu einer gemeinsamen Wahlliste, der ?Vereinigten Religiösen Front?, zusammen. Durch die spätere Auflösung dieser Vereinigung und die Bildung anderer religiöser Parteien blieb der Einfluss der Agudat Israel bis 1981 relativ gering, sie konnten in Wahlen nie mehr als vier Parlamentssitze erringen. Trotzdem erlaubten es die politischen Bedingungen in Israel, dass die Partei teilweise für die Koalitionsbildungen entscheidend war und sozusagen das ?Zünglein an der Waage? spielte. 1977 wurde die Partei erstmals an der Regierung beteiligt, was ihr einige wichtige religionspolitische Zugeständnisse brachte.
In den folgenden Jahren gab die Agudat aber ihre Distanz zu den zionistischen Institutionen immer weiter auf. Aus dem Kampf gegen den zionistischen Staat wurde im Rahmen der politischen Möglichkeiten mehr und mehr ein Kampf um den Staat Israel auf religionsgesetzlicher Basis, was sich auch in der folgenden Parteispaltung zeigte.
Im Jahre 1983 trennten sich die sephardischen Anhänger der Agudat und gründeten eine neue Partei, die ?Schass?-Partei, was den Einfluss der Agudat auf nur zwei Parlamentssitze verringerte.
Es wird traditionell zwischen europäisch-amerikanischen Juden, den Aschkenasim oder dem ?ersten Israel?, und den orientalischen Juden, also Einwanderern aus arabischen und asiatischen Ländern, auch Sephardim oder das ?zweite Israel? genannt, unterschieden.
Nur vier Jahre später stand bereits die nächste Parteispaltung an: Der Flügel der Mitnagdim gründete die religiös extremistische ?Degel ha-Torah?.
Grund der Trennung war eine weit ins 18. Jahrhundert reichende erbitterte Gegnerschaft zwischen den ?rationalreligiösen? Mitnagdim, die das Gesetz und das Thora-Studium betonen und ihren eher ?populistisch-religiösen?, ebenso ?mystisch-irrationalen? wie ?lebens-frohen? chassidischen Glaubensbrüdern, die mehr Wert auf das mystische Gebet und die emotionale Erfahrung legen.
Bei den Wahlen zum 14. Knesset erhielt das Wahlbündnis zwischen der Agudat Israel und Degel ha-Torah erneut vier Knesset-Sitze und war an der Regierung Benjamin Netanjahus beteiligt. In der vom Likud-Block angeführten Koalition nahm das Wahlbündnis in Bezug auf die Außen- und Sicherheitspolitik eine eher gemäßigte Position ein. Auch an der Regierung von Ehud Barak waren sie bis 1999 beteiligt, sendeten allerdings keinen Minister in die Regierung, ?um nicht mit ?Ungläubigen? an einem Tisch sitzen zu müssen? .yi:????? ?????

