Agrigent
Agrigent (ital. Agrigento, bis 1927 Girgenti) ist eine Stadt mit 59.056 Einwohnern (Stand am 30. April 2005) an der Südküste Sikaner eingenommen war, denn ihnen wird das weit in den Fels geschlagene Gängesystem zugeschrieben. Außerdem wurde eine vorgriechische Nekropole westlich der Stadt gefunden.
Um das Jahr 582 v. Chr. errichteten Auswanderer aus Gela und Rhodos hier die Stadt Akragas, die später in der Römerzeit Agrigentum genannt wurde.
Zur Geschichte der antiken Stadt siehe: Archäologische Stätten von Agrigent
Als die Araber im Jahre 829 n. Chr. Agrigentum eroberten, stand an der Stelle der antiken Stadt nur noch ein unbedeutendes Dorf auf dem nördlichen Hügel der antiken Siedlung, der ehemaligen Akropolis. Unter dem Namen Kerkent oder Gergent entstand dort eine bedeutende berberische Siedlung, die sich zu einem Zentrum der muslimischen Besiedlung Siziliens entwickelte und mit dem arabischen Palermo um die Vorherrschaft konkurrierte. Der Ort konzentrierte sich auf den Westteil des Girgenti-Hügels.
1087 wurde Gergent von den Normannen erobert. Roger_II. errichtete hier ein Bistum. Unter anderem durch den Handel mit Nordafrika und durch die Landwirtschaft wurde Gergent zu einer wohlhabenden Stadt. Der Ort konzentrierte sich zunächst auf den Westteil des Girgenti-Hügels. Dort stehen auch die ältesten Kirchen Agrigents, der Dom San Gerlando und S. Maria dei Greci. Östlich des ursprünglichen Orts (etwa östlich der Via Bac-Bac) entstand im 13. Jahrhundert ein Neubauviertel, dass vor allem durch die Familie Chiaramonte errichtet wurde, die eine der bedeutendsten Adelsfamilien Siziliens im späten Mittelalter war. Die Familie Chiaramonte ließ auch das spätgotische Kloster S. Spirito errichten.
Mit der Ausweisung der Araber durch Friedrich_II. verlor die Stadt wirtschaftlich an Bedeutung. Daher fand in den folgenden Jahrhunderten auch keine größere Bautätigkeit statt. Unter spanischer und bourbonischer Herrschaft sank Girgenti, wie die Stadt inzwischen genannt wurde, wieder zu einer unbedeutenden Provinzstadt ab. Lediglich die Sakralbaukunst nahm ab dem 16. Jahrhundert noch einen Aufschwung, was durch Kirchen wie San Lorenzo und San Domenico bezeugt ist. Im Jahr 1927 nahm die Stadt den latinisierten Namen Agrigent an.
Sehenswürdigkeiten
Altstadt
Der Dom San Gerlando wurde im 11. Jahrhundert, auf der höchsten Stelle des Girgenti-Hügels errichtet. Vermutungen, dass der archaische Zeustempel mit dem Dom überbaut wurde, konnten bisher nicht durch archäologische Funde bewiesen werden. Der Dom wurde mehrmals umgebaut, u.a. im 16./17. Jahrhundert, und durch eine 1980 abgeschlossene Restaurierung wieder weitgehend in den mittelalterlichen Zustand zurückversetzt.Zu der Fassade führt eine breite Freitreppe empor. Rechts (südlich) von der Fassade steht ein wuchtiger Glockenturm im Chiaramontestil. Der Innenraum ist dreischiffig mit dem Grundriss eines lateinischen Kreuzes. Der vordere Teil des Mittelschiffs ist mit einer Freibalkendecke aus dem Jahre 1518 gedeckt, der etwas höher liegende Mittelteil mit einer Kassettendecke von 1682. In einer Kapelle im rechten Seitenflügel, die ein gotisches Portal hat, wird eine Silberurne mit Reliquien des heiligen Gerlando aufbewahrt.
Die Kirche S. Maria dei Greci wurde ca. 1200 auf den Resten eines dorischen Tempels, vermutlich des Athenetempels errichtet. Sie war die Hauptkirche der griechisch-orthodoxen_Christen Agrigents im Mittelalter. Dem spitzbogigen Portal ist ein kleiner bewachsener Hof vorgelagert. Der Grundriss der Kirche hat die Form eines griechischen Kreuzes. Das Innere ist dreischiffig mit 3 flach gerundeten Apsiden. An der Balkendecke sind noch Reste von Farbspuren aus dem 14. Jahrhundert zu finden, und an der rechten Seitenwand befinden sich Reste mittelalterlicher Fresken. An der Nordseite der Kirche sind unterhalb des Niveaus der Kirche Teile der ausgegrabenen Krepis und sechs dorische Säulenstümpfe des Athenetempels zu sehen.;Weitere Sehenswürdigkeiten
* S. Spirito (13. Jahrhundert), Zisterzienserkirche und -kloster im Chiaramontestil (Spätgotik), im Inneren Stuckarbeiten von Giacomo Serpotta
* S. Lorenzo (17. Jahrhundert), auch Chiesa del Purgatorio (Kirche des Fegefeuers) genannt, bedeutendste Barockkirche Agrigents
* S. Domenico
* Porta Atenea, Stadttor aus dem 19. Jahrhundert
* Via Atenea, die Hauptstraße Agrigents
* Museo Diocesano, Museum mit Freskenmalereien und Reliquienschreinen aus der byzantinischen Zeit
Tal der Tempel
Die herausragendste Sehenswürdigkeit Agrigents ist das sogenannte ?Tal der Tempel?, eigentlich ein Hochplateau südlich der heutigen Altstadt und tiefer als diese gelegen. Hier befinden sich die archäologischen_Stätten_von_Agrigent, die die Reste der antiken Stadt Akragas zeigen und zu den eindrucksvollsten archäologischen Fundplätzen auf Sizilien gehören. 1997 wurden die archäologischen Stätten von Agrigent von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt.
Dort befindet sich auch das Archäologische_Museum, das Funde der Vor- und Frühgeschichte und der Antike aus der Gegend von Agrigent zeigt.
Außerhalb
Etwa 4 km südlich der Altstadt liegt der Ortsteil San Leone am Meer. Er hat mehrere schöne Strände.
Etwa 2 km westlich der Altstadt kann im Ortsteil Villaseta das Geburtshaus von Luigi Pirandello besichtigt werden. Es wurde 1949 vom italienischen Staat zum Nationalen Denkmal erklärt. Im Inneren finden sich Möbel und persönliche Gegenstände Pirandellis sowie Fotos und die Erstausgaben seiner Bücher.
Söhne und Töchter der Stadt
Empedokles (ca. 490 v. Chr. - ca. 430 v. Chr.), Philosoph, Arzt, Politiker, Sühnepriester und Dichter
Philinos von Akragas, Historiker im 3. Jahrhundert v. Chr.
Luigi Pirandello (1867-1936), Schriftsteller, Nobelpreisträger für Literatur
Tommaso Buscetta (1928-2000), sizilianischer Mafioso, der mit der Justiz zusammenarbeitete um die Cosa Nostra zu schädigen
Sonstiges
1994 war Agrigent Austragungsort der Radsportweltmeisterschaft, bei der Jan Ullrich die Goldmedaillie im Einzelzeitfahren erringen konnte.
Literatur
* Brigit Carnabuci, Sizilien - Kunstreiseführer, DuMont Reiseverlag, Ostfildern, 4. Auflage 2006, ISBN 377014385X
* Ferruccio Delle Cave, Marta Golin: Agrigent, das Tal der Tempel. Mit dem archäologischen Museum. Folio, Wien u.a. 2004, ISBN 3-85256-275-9
Weblinks
pms:Agrigent

