Agomelatin
Agomelatin ist eine dem Melatonin strukturell verwandte chemische Verbindung, die zukünftig eventuell als Arzneistoff (Antidepressivum) Verwendung finden könnte. Da in klinischen Studien bisher keine ausreichende antidepressive Wirksamkeit belegt werden konnte, wurde das Zulassungsverfahren des Agomelatin-Präparats VALDOXAN gestoppt.
Chemische Struktur
Die Molekülstrukturen von Agomelatin und Melatonin sind einander sehr ähnlich. Der Unterschied liegt im Ringsystem: Während Melatonin einen Indol-Kern hat, besitzt Agomelatin ein Naphthalin-Gerüst.
Pharmakologie
Agomelatin wirkt als Agonist an Melatoninrezeptoren vom Typ MT1 und MT2 sowie als Antagonist am Serotonin-Rezeptor (5-HT2C).[http://jpet.aspetjournals.org/cgi/content/full/306/3/954 Journal of Pharmacology And Experimental Therapeutics] - JPET 306:954-964, 2003. [http://www.ncbi.nlm.nih.gov/entrez/query.fcgi?cmd=Retrieve&db=pubmed&dopt=Abstract&list_uids=12750432&itool=iconfft&query_hl=10&itool=pubmed_docsum PMID 12750432]
Infolge dieser Eigenschaften erwartet der französische Hersteller und künftige Vertreiber Servier/Biofarma eine antidepressive und schlaffördernde Wirkung, möglichst ohne die typischen Nebenwirkungen aller bisherigen Schlafmittel.
Klinische Prüfung
Im März 2006 befand sich das Agomelatin-Präparat Valdoxan® im fortgeschrittenen Stadium der Phase-III-Prüfung, also in breiter Testung an größeren Probandenzahlen zwecks Abschätzung des Haupt- und Nebenwirkungspotenzials. In Deutschland sind mehrere große Universitätskliniken (Frankfurt, Charité Berlin) an dem Verfahren beteiligt.
Der Markenname Valdoxan® wurde im April 2005 vom Hersteller registriert. Die Einzeldosis sollte etwa 25-50 mg betragen; die Packungen enthalten bislang 25-mg-Tabletten.
Kritik
In jüngster Zeit steht die Wirksamkeit von Melatonin bei Schlafstörungen stark in Frage (siehe dort). Ob angesichts der ernüchternden Resultate bisheriger Melatonin-Studien der MT-Agonismus einen genügenden Effekt verspricht, kann aufgrund der spärlichen Informationen noch nicht beurteilt werden.
Die laufenden Studien sind ?trickreich? angelegt, so dass der Wirkstoff gegenüber Placebos bevorteilt wird (Vorschaltung so genannter Placebo-Run-In-Phasen). Die Zulassungsstudien vieler SSRI bzw. SNRI wiesen ebenfalls diese Designschwächen auf. Im Resultat mussten inzwischen selbst die Firmen einräumen, dass ein Wirkvorteil dieser gängigen Antidepressiva gegenüber Placebo nicht belegt ist.[http://www.arznei-telegramm.de/zeit/0601_a.php3? arznei-telegramm] - Antidepressiva: Die Sicht von Fachgesellschaften. a-t 2006; 37: 1. Aussagen zu Agomelatin, die eine ?gute Wirksamkeit bei guter Verträglichkeit? versprechen, entbehren also vorerst jeder Grundlage.
Zulassungsverfahren
Die europäische Arzneimittelbehörde EMEA hat sich im Sommer 2006 gegen die Zulassung von Agomelatin als Antidepressivum ausgesprochen. Das zuständige Beratergremium konnte aus den eingereichten Studienunterlagen keinen ausreichenden antidepressiven Effekt erkennen, der ein Inverkehrbringen gerechtfertigt hätte.[http://www.emea.europa.eu/pdfs/human/opinion/267703062en.pdf Questions and Answers on Recommendation for Refusal of Marketing Authorisation for VALDOXAN/THYMANAX (PDF)] - EMEA, 18.11.2006. Der Hersteller hat den Zulassungsantrag zurückgezogen.
Quellen
Weblinks
• PubChem - Agomelatin

