Agnete Fingerin
Agnete Fingerin auch Agnes Fingerin, (? 1515 in Görlitz) ist eine der wenigen Frauen aus dem Mittelalter, die aus der anonymen Stadtgeschichte tritt. Sie war Pilgerreisende ins Heilige_Land.Leben
Sie war verheiratet mit einem Tuchmacher, Kaufmann in Görlitz und wird nach kurzer Ehe 1465 Witwe. In den historischen Unterlagen wird sie als vermögend und von schöner Gestalt beschrieben. Sie hat entgegen der Gepflogenheiten nie wieder geheiratet und keine Kinder bekommen. 1471 gründet sie die ?Fromme Stiftung von Brot und Salz? für arme Leute, die bis 1563 das ?Agnetenbrot? austeilen sollte.
Frauen im Mittelalter
Weil sie von Natur aus nicht waffen- und wehrfähig waren, besaßen Frauen im Mittelalter keine Rechts- und Handlungsfreiheit, sondern standen unter der Vormundschaft eines Mannes. ?Die Fingerin? hatte einen wesentlich größeren Handlungsspielraum, da sie als Witwe von der Vormundschaft ihres Mannes befreit war. Da sie die Geschäfte eigenständig fortführte, war sie hier nicht schlechter gestellt als die männlichen Kaufleute. Es war aber nicht selbstverständlich, dass Frauen in dieser Zeit ihre Wege so konsequent alleine gegangen sind, wie dies Angnete Fingerin getan hat.
Pilgerreise in Heilige Land
Sie hatte als Geschäftsfrau im Handel ihre Abgaben zu leisten. Und so kam es, dass sie sich in Vorbereitung ihrer Pilgerreise von den Abgaben "freikaufen" musste, da man befürchtete, dass sie nicht wiederkommen werde. Sie ordnete ihre Vermögenswerte und überließ ihrem Schwager ihr Haus unter der Bedingung, dass sie nach der Rückkehr im "Arbeitsgemach" frei wohnen könne. Durch den Warenverkauf an ihren Schwager hatte sie Vorsorge getroffen, für den Fall, dass ihr auf dem Wege etwas zustoßen sollte. Das Geld war für verschiedene fromme Werke vorgesehen.
1476 reiste sie vermutlich mit der Reisegesellschaft von Herzog_Albrecht_von_Sachsen ins Heilige Land. In der Reisebeschreibung des Hans von Mergenthal wird von ?zwey Eheleut von Görlitz? gesprochen, die die Baupläne des Heiligen Grabes von Jerusalem mitgenommen haben. Wer ihr Begleiter war, ist nicht belegt. Georg Emmerich war es nicht. Mit dem Bau des Heiligen_Grabes_zu_Görlitz ist erst nach ihrer Rückkehr 1481 begonnen worden. Auch trat sie weiterhin als Stifterin für Kirche_St._Peter_und_Paul und Krankenhäuser auf. Sie starb hochbetagt 1515.
Literatur
* Lausitzer Jerusalem. 500 Jahre Heiliges Grab zu Görlitz. Herausgegeben von Ines Anders und Marius Winzeler für die Städtischen Sammlungen für Geschichte und Kultur Görlitz (Schriftenreihe N.F. 38) und für den Aktionskreis Görlitz e.V. - Begleitpublikation zur Ausstellung. Verlag Gunter Oettel Görlitz-Zittau 2005. ISBN 3-932693-89-2
Weblinks
• Agnete Fingerin

