Agilität
Agilität bzw. agil sein, bedeutet im Nicht-Fachdeutschen allgemein körperliche oder auch geistige Wendigkeit oder Flinkheit. Siehe auch Fitness, Denksport und Agility. Der Begriff leitet sich vom lateinischen agilis (flink, flott) ab.
Agilität im engeren Sinne bezeichnet in verschiedenen Fachsprachen die Verwendung agiler Werte, Prinzipien und Methoden, meist bei der Umsetzung von Arbeitsprozessen. Der Begriff ist in Ingenieurswissenschaften, insbesondere in der Softwaretechnik anzutreffen, wird aber auch in der Betriebswirtschaftslehre und anderen Wissenschaften, z.B. der Soziologie eingesetzt (siehe Strukturfunktionalismus).
Wichtiges Kennzeichen der Agilität ist dabei die Leichtgewichtigkeit. Prozessbeschreibungen sollen möglichst leichtgewichtig und wenig formal sein. Die Zweckmäßigkeit und Zielerreichung seien wichtiger als die strenge formale Auslegung von Arbeitsabläufen. Prozess und Arbeitsabläufe sollen alle Beteiligten bei der Erreichung der gemeinsamen Ziele ausschließlich fördern und keinesfalls behindern. Dazu gehört vor allem, neben den Methoden, also den konkreten Arbeitsabläufen, auch ihre Prinzipien und Werte zu nennen und zu beschreiben, um den Arbeitsprozess gegebenenfalls an die Zielerreichung anpassen zu können.
AGIL-Schema
Das von dem US-amerikanischen Soziologen Talcott Parsons entwickelte AGIL-Schema wird häufig herangezogen, um die Funktionalität eines konkreten Prozesses zu überprüfen. In Parsons Sinne ist funktional bzw. agil, was die folgenden vier Grundfunktionen erfüllt:
;A daptation (Anpassung): Anpassungsfähigkeit an die Rahmenbedingungen, kein stures Festhalten an gewohnten Prozessen.
;G oal Attainment (Zielerreichung): Die Zielerreichung für alle Beteiligten steht im Zentrum der Bemühungen.
;I ntegration (Einbeziehung): Umfassende Integration der Beteiligten in den Prozess und umgekehrt.
;L atency bzw. Latent pattern maintenance (Aufrechterhaltung von Wertmustern): Definition von Werten und darauf basierenden Prinzipien.
Agile Werte
Agile Werte sind Begriffe, an denen die darauf aufbauenden Prinzipien und Methoden, also die konkrete Umsetzung der Agilität ausgerichtet wird. Meist handelt es sich bei diesen Begriffen um Selbstverständlichkeiten. Die Praxis hat jedoch gezeigt, dass solche Selbstverständlichkeiten häufig in Prozessbeschreibungen verloren gehen und von Bürokratie überlagert werden. Als Kontrast dazu und um diese Werte nicht in Vergessenheit geraten zu lassen, hebt die Agilität diese Werte besonders hervor.
* Kommunikation
* Innovation
* Kundennähe
* Bescheidenheit
* Einfachheit
Agile Prinzipien
Ein Agiles Prinzip ist ein von einem Wert abgeleiteter Handlungsgrundsatz. Agile Prinzipien sollten auf alle sie betreffenden Methoden des Prozesses anwendbar sein.
Beispiele für agile Prinzipien:
* Zweckmäßigkeit
* Ausreichende und zweckmäßige Verständlichkeit
* Fortschrittsmessung
Agile Methoden
Eine Agile Methode ist eine an Agilen Werten und Prinzipien ausgerichtete Arbeitsanweisungen für die Durchführung konkreter Handlungen in agilen Projekten.
Beispiele:
;Paarprogrammierung (Softwareentwicklung):Paarprogrammierung fördert die Kommunikation, Innovation und Einfachheit.
;Testgetriebene Entwicklung (Softwareentwicklung):Testgetriebene Entwicklung liefert Metriken zur Fortschrittsmessung und fördert Einfachheit und Bescheidenheit.
;Extreme Testing (Softwareentwicklung):Verstärkung der testgetriebenen Entwicklung.
;Regelmäßige Präsentation des Arbeitsfortschritts:Die regelmäßige Präsentation des Arbeitsfortschritts fördert die Kommunikation und, sofern richtig angewandt, die Bescheidenheit.
Es ist nicht erforderlich, dass eine agile Methode sämtliche Prinzipien erfüllt. Eine agile Methode sollte jedoch nicht mit einem der Werte in ernsthaftem Konflikt stehen.
Agiler Prozess
Ein Agiler Prozess ist ein an agilen Werten und Prinzipien ausgerichteter, auf agilen Methoden aufbauender Arbeitsprozess.
Beispiele:
Scrum (Softwaretechnik)
Extreme Programming (Softwaretechnik)
Crystal Family (Softwaretechnik)
Feature Driven Development (Softwaretechnik)
Agiles Prozessmanagement - APM
Die Prinzipien der Agilität werden neuerdings auch im Bereich des Geschäftsprozessmanagements angewendet. Agiles Prozessmanagement ist eine Weiterentwicklung von bekannten Prozessmanagement- und Qualitätsmanagement-Philosophien wie z.B. Six Sigma, Business Process Reengineering, etc. APM kombiniert aus den bisherigen Ansätzen die wichtigsten 10 Merkmale für erfolgreiches Prozessmanagement:
* 1. Kunden begeistern und überraschen
* 2. Prozessvision intern und extern kommunizieren
* 3. Qualität produzieren und nicht reinkontrollieren
* 4. Strategische Verankerung sicherstellen
* 5. Menschen mitnehmen
* 6. Messystem konsequent einsetzen
* 7. Verbesserungen schnell realisieren
* 8. End-to-End Betrachtung des Prozesses anstellen
* 9. Feedback-System anwenden
* 10. Methoden behutsam einsetzen
APM setzt sich zum Ziel, durch erhöhte Prozess-Performance begeisterte Kunden, hoch motivierte Mitarbeiter und eine um 30 % gesteigerte Rentabilität des Unternehmens zu erreichen.
Siehe auch
Agiler Prozess für Agilität in der Softwaretechnik
Strukturfunktionalismus für Agilität als Begriff in der Soziologie
YAGNI

