Agfa Optima
Bei der Agfa Optima handelt es sich um eine 1959 eingeführte Kamera mit Programmautomatik, wobei es sich um die erste Kamera überhaupt mit einer solchen Automatik handelte. Sie wurde 1968 und noch einmal 1976 von einer neuen Generation abgelöst und blieb bis zum Ende der Agfa-Kameraproduktion im Programm. Agfa bezeichnete auch einige weitere Kameras mit dem Namenszusatz Optima, diese besaßen ebenfalls eine Programmautomatik. Nachdem Agfa keine Kameras mehr produzierte, verwendete man die Bezeichnung Optima für einen Farbfilm.Optima-Modelle mit Auslösehebel
thumb|Agfa_Optima
Vorgeschichte
Agfa bemühte sich besonders, einfach zu bedienende Kameras anzubieten, um auch technisch Unkundige zum Fotografieren zu bewegen und somit den Filmabsatz zu steigern. Die Schwierigkeiten lagen im Filmeinlegen, Fokussieren und Einstellen der Belichtung. Das Filmeinlegen war am unproblematischten, da es der Fotohändler beim Filmkauf übernehmen konnte. Blieben noch die Einstellungen vor der Aufnahme übrig. Die Entfernungseinstellung konnte man mit einen Fixfokus-Objektiv entfallen lassen, was allerdings eine geringe Lichtstärke voraussetzte. Im Falle eines nicht allzu lichtstarken Objektivs reichte eine ungefähre Einstellung, weswegen auch dieser Punkt nicht sonderlich problematisch war, zumal man den Vorgang leicht vermitteln konnte ? auch der Laie vermochte schließlich den Abstand von der Kamera zum Motiv abzuschätzen und auf einer Skala einzustellen. So blieb noch die Belichtungseinstellung übrig.
Die Bedeutung von Verschlusszeit und Blendenwert ließ sich praktisch nicht vermitteln, weswegen bereits in den 1930er Jahren auch wohlhabende Personen eine Boxkamera benutzten, um die komplizierte Bedienung zu umgehen. (siehe Boxkamera). Alle einfachen Kameras benutzen aber nur eine oder zwei Belichtungseinstellungen, die lediglich ungefähr zu den gegebenen Lichtverhältnissen passten. Dabei führte Schwarzweißfilm mit seinem großen Belichtungsspielraum von mehreren Blendenstufen leicht zu guten Ergebnissen, Farbfilm schon weniger, die Verwendung von Farbdiafilm konnte nicht empfohlen werden, da dieses Material generell korrekt belichtet werden musste.
Die Technik war Ende der 1950er Jahre soweit fortgeschritten, um an dieser Stelle mit einer automatischen Steuerung den Fotografen zu entlasten. Um alle Situationen zu erfassen, die mit freier Hand aufgenommen werden konnten, reichte es dabei nicht aus, nur die Blende bei feststehender Verschlusszeit zu verstellen, vielmehr mussten beide Werte beeinflusst werden. Deswegen erfand man im Camerawerk München von Agfa die Programmautomatik: Die Verschluss begann mit zunehmender Helligkeit die Verschlusszeit von 1/30 s bis zu 1/250 s zu verringern, wobei die Blende maximal geöffnet blieb, um mit möglichst kurzen Zeiten dem Verwackeln entgegenzuwirken. Bei 1/250 s angekommen schloss dann mit weiter Helligkeitssteigerung die Blende bis zum Maximalwert f/22, was auch für sehr sonniges Wetter ausreichte. 1959 konnte Agfa die erste Kamera mit diesem System vorstellen.
Der Optima ging die Mittelformatkamera Automatik_66 voraus, ein Vollautomat, bei der sich die Belichtungszeit zu einem eingestellten Blendenwert selbsttätig anpasste. Im Gegensatz zu dieser verkaufte sich die neue Technik derart ausgezeichnet, dass die Produktionszahl bereits nach drei Jahren 1 Mio Kameras überstieg.
Die erste Optima
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Um die Wirkung der Programmautomatik zu unterstreichen, erhielt die erste Kamera damit den Namen Optima. Sie besaß einen ? enorm werbewirksam ? magische Taste genannten Hebel links neben dem Objektiv, dessen Drücken der Zeiger eines Messwerks im Inneren der Kamera arrietierte, so dass er als Anschlag für jene Mechanik dienen konnte, welche die Belichtung einstellte. Im Sucher konnte man bei gedrückter Taste erkennen, ob die Helligkeit ausreichte - es erschien eine grüne, sonst eine rote Markierung. Bei Verwenden eines Blitzgerätes musste man Rad rechts unten am Objektiv auf das Blitzsysmbol stellen, dann arbeitete der Verschluss mit 1/30 s und die Blende ließ sich wie gewohnt einstellen. Dies galt auch für die Langzeitbelichtung, welches sich an dem Rad ebenfalls einstellen ließ.
In Zeitungsannoncen warb Agfa für die Optima mit folgenden Worten:
:?Die magische Taste dieser wirklich vollautomatischen Kleinbildcamera ist über Nacht bei allen Photofreunden zur Sensation geworden. Die bisher üblichen Zahlen, Zeiger und Skalen sind verschwunden - und alles Ablesen, alles Rechnen entfällt. Nur ein Druck auf die Taste: Genauso wie Ihr Auge auf stärkeres oder schwächeres Licht reagiert, werden jetzt Blenden und Belichtungszeiten vollautomatisch stufenlos gesteuert. Sie vollautomatische Agfa Optima meistert jedes Motiv, ganz gleich, mit welcher Filmsorte. Sie photographieren. Informieren Sie sich bald bei Ihrem Photohändler über die Agfa Optima mit der magischen Taste.?
Die Entfernungseinstellung ? an dieser Stelle erlaubte der Stand der Technik noch für einige Zeit keine Automatisierung ? ging bei der Optima und allen ihren Nachfolgern mit drei rastenden Symbolen vonstatten, nämlich Portrait (1,5 m), Gruppenaufnahme (4 m) und Landschaft (unendlich). An der Unterseite des Objektivs befand sich eine Entfernungsskala für eine genauere Einstellung. Bei der ersten Optima bildeten Lausbubenköpfe von Max und Moritz von Wilhelm Busch das erste Symbol.
Die Optima besaß ein dreilinsiges Objektiv Apotar S 3,9 und kostete angemessene 238 DM. Sie benutzte - wie damals allgemein üblich - eine Selenzelle für die Lichtmessung und kam dadurch ohne Batterien aus.
Optima I, II und III und 500 S
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Es lag nahe, die Funktion der magischen Taste mit der Auslösefunktion zu kombinieren und auf die rechte Gehäusevorderseite zu verlegen, was bereits 1960 mit der Optima I geschah. Dabei handelte es sich um ein mit 189 DM kostengünstigeres Modell, welches dafür nur das einfachere, aber ebenfalls dreilinsige Agnar anstatt ein Apotar besaß, mit f/2,8 und 45 mm Brennweite. Ihr Prontor-Lux-Verschluss arbeitete ebenfalls zwischen 1/30 s und 1/250 s.
Die Optima II kostete mit einem Color-Apotar f/2,8, 45 mm sowie einem Prontomator-Verschluss 258 DM, die Optima III mit dem gleichen Objektiv, aber einem Compur-Verschluss, der bis zu 1/500 s reichte, 298 DM. Beide Modelle gab es auch mit einem gekoppelten Entfernungsmesser, nämlich als II S und III S, letztere lag dann aber bereits bei 358 DM, was für eine Kamera mit einem Dreilinser teuer erschien.
Nachdem die III S auf den Exportmodellen schon immer passend zu ihrer kürzesten Verschlusszeit als 500 verkauft wurde, verwandelte sie sich 1963 generell in die 500 S, indem sie mit dem Solinar f/2,8, 45 mm endlich ein angemessenes, nämlich vierlinsiges Objektiv erhielt.
Optima Reflex
Die ungewöhnlichste Optima kam bereits 1960 heraus, handelte es sich bei ihr doch um eine zweiäugige Spiegelreflexkamera. Sie entsprach der Flexilette, es gab also Apotar f/2,8 mit 45 mm Brennweite als Aufnahmeobjektiv, besaß aber anstatt des Lichtschacht- einen Prismensucher und natürlich eine Selenzelle für die Steuerung der Programmautomatik. Sie kostete allerdings mit 398 DM doppelt so viel wie die Flexilette, ein Preis, der eigentlich ein Vierlinser erwarten ließ.
Optima Ia
Die Optima Ia stellte erneut eine richtungsweisende Konstruktion dar, was sich zwar nicht auf dem ersten Blick erkennen ließ, wohl aber, wenn man sie in die Hand nahm. Wog die ursprüngliche Optima 720 g, so lag die Ia nur bei auffallend leichten 400 g. Bei ihr bestanden nämlich das Gehäuse und die Filmführung aus Kunststoff. Dabei konnte man die Rückwand nach Öffnen einer Verriegelung an der Bodenplatte nach unten abziehen, um einen Film einzulegen.
Der wesentliche Vorteil gegenüber einem Aluminium-Druckgußgehäuse bestand in der kostengünstigen Fertigung, musste der Kunststoff doch kaum nachbearbeitet werden. Zusammen mit einer perfektionierten Mechanik ergaben sich aber auch kleinere Abmaße. Agfa hatte einen Kunststoff gefunden, in dem sich Schrauben zuverlässig eindrehen ließen und der selbstverständlich schlagfest war. Der Preis der neuen Kamera entsprach mit 189 DM ebenso jener der Optima I, wie das Color-Agnar.
Optima 500 SN
Die Optima 500 SN von 1966 kostete 258 DM und besaß das vierlinsige Solinar f/2,8, 45 mm, aber kein Entfernungsmesser. Der günstige Preis kam durch das Kunststoffgehäuse der Ia zustande, wobei die neue hochglanzverchromte Kappe im Design der Parat gehalten war.
Eine einfachere Optima gab es zu diesem Zeitpunkt nicht mehr, da man in der unteren Preisklasse auf den Rapid-Film setzte. Dies änderte sich erst 1968 wieder mit der Optima 200 Sensor
Optima Sensor
Optima 200 Sensor
Als erste Kamera erschien 1968 die Optima 200 Sensor mit dem Sensorauslöser (siehe Agfa). Sie funktionierte im Wesentlichen wie die ursprüngliche Optima, auch besaß sie mit dem Apotar f/2,8 mit 42 mm Brennweite ein dreilinsiges Objektiv. Ihr Verschluss reichte aber nur bis zu 1/200 s, wovon sich die Modellbezeichnung ableitet, dafür brauchte man aber keine Messtaste mehr drücken. Bei gespanntem Verschluss gab es entweder eine gelb/grüne oder ein rote Markierung im Sucher zu sehen, mit dem Auslösen lief die Belichtungsautomatik dann von alleine ab.
Überdies war das Blitzen vereinfacht worden, am Blitzschuh befand sich ein kleiner Hebel, welcher die Kamera in den Blitzmodus versetzte. Dann veränderte sich die Blende mit der Entfernungseinstellung. Hierzu musste die Leitzahl des Blitzgeräts an der Unterseite des Objektivs eingestellt werden. Eine Besonderheit bestand im Filmtransport: Der Film fädelte sich automatisch ein, wobei die Aufwickelspule unzugänglich unter einer Kunststoffplatte lag, damit beim versehentlichen Öffnen der Rückwand die bereits belichteten Fotos erhalten blieben. Außerdem die Filmpatrone rechts, musste also auf dem Kopf stehend eingelegt werden, und ging das Rückspulen nicht mit einer Kurbel vonstatten, sondern nach Umschalten des Filmtransports mit dem Schnellschalthebel. Hierzu musste ein kleiner Hebel rechts unten am Objektiv in Richtung Kameramitte und dann nach oben geschoben werden, anschließend sprang ein Metallstift heraus, der ihn in dieser Position hielt.
Das sachlich gehaltene Kameradesign, welches sich von der Vorgängerbaureihe deutlich abhob, stammte von Schlagheck_Schultes_Design. Die Optima 200 Sensor kostete ca. 190 DM.
Optima 500 Sensor
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Die Optima 500 Sensor von 1969 kam im gleichen Gehäuse daher, arbeitete aber ihrem Namen entsprechend mit Verschlusszeiten bis zu 1/500 s. Der entscheidende Unterschied bestand jedoch in der Belichtungsmessung mit Cds-Zelle. Solche Cadmiumsulfid-Fotozellen reagierten schneller auf Lichtänderungen, benötigten aber eine Batterie, welche in einem Fach an der rechten Seite des Gehäusedeckels ihren Platz fand. Die Mechanik für die Belichtungssteuerung blieb allerdings unverändert, ein elektronischen Verschluss gab es erst bei der Agfa Selectronic und dann bei der nachfolgenden Baureihe. Außerdem verzichtete die 500 Sensor sie auf die Blitzautomatik, im Hinblick auf die ? allerdings noch teuren ? sogenannten Computerblitze konnte man eine Blende am Objektiv einstellen, welche mit Aufschieben des Blitzgerätes aktiviert wurde. Diese Kamera kostete 249 DM, gegen Aufpreis gab es sie auch mit schwarzen Gehäusedeckeln. Stets besaß sie aber das gleiche Objektiv wie die 200 Sensor.
Abgeleitete Modelle
Hauptartikel: Agfa Silette
Hauptartikel: Agfa Selectronic
Von beiden Modellen existierten auch Versionen ohne Programmautomatik, die sich an Fotoamateure wandten. Sie fanden zwar nur wenige Käufer, Agfa konnte sie aber mit geringen Aufwand realisieren: Die Silette LK Sensor entsprach weitreichend der Optima 200 Sensor, war aber nur eine halbautomatische Kamera. Das Pendant zur Optima 500 Sensor hieß Selectronic Sensor.
Optima Sensor electronic
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thumb|Entfernungsmesser_im_Sucher_der_Optima_1535
Optima 535 Sensor und 1035 Sensor
Als letzte Generation setzten 1976 Optima 535 Sensor und 1035 Sensor die 1959 begonne Linie fort. Ihre Formgestaltung stammte erneut von Schlagheck Schultes Design. Diese Modelle unterschieden sich vor allem mit ihrem moderneren Aussehen, wirkte doch die Vorgänger-Baureihe mittlerweile antiquiert, da die Kunststofftechnik inzwischen komplexere Gehäuseformen erlaubte. Außerdem konnte man die Kamera erheblich kleiner gestalten, da nun sämtliche Modelle den Paratronic-Verschluss mit seiner platzsparenden elektronischen Steuerung ausgerüstet werden konnten, den es zuvor nur bei der Selectronic gab. Auffällig war außerdem der ungewöhnlich große Sucher, welcher die Benutzung besonders leicht machte. Die Helligkeitssteuerung beim Blitzen ging entsprechend der Optima 500 Sensor vonstatten, da die sogenannten Computerblitze jetzt zum Standard zählten. Filmeinlegen und -transport funktionieren unverändert, lediglich befand sich der Schnellschalthebel nunmehr oben auf der Kamera.
Bei der Optima 535 Sensor überstrich der Verschluss von 15 s bis zu 1/500 s, sie besaß das vierlinsige Solinar 2,8. Ihr empfohlener Preis lag bei 259 DM. Die Optima 1035 arbeitete entsprechend ihrem Namen bis zu 1/1000 s, weitere Unterschiede lagen im Selbstauslöser und dem Solinar S, einen aufwendigeren, aber ebenfalls vierlinsigen Objektiv.
Optima 335 Sensor und 1535 Sensor
1978 folgte die Optima 335 Sensor mit dreilinsigen Objektiv und einer Belichtungszeit bis zu 1/300 s. 1979 das Topmodell Optima 1535 Sensor, mit einem eingebauten Entfernungsmesser. Letzteres wurde für etwa 300 DM nur selten verkauft und wird heute erheblich teurer gehandelt.
Die Bezeichnung Optima bei anderen Baureihen
Hauptartikel: Agfa Rapid
Hauptartikel: Agfa Parat
Hauptartikel: Agfamatic
Die Programmautomatik baute Agfa auch in Kameras anderer Baureihen ein, die dann eine Zeit lang den Namenszusatz Optima erhielten. So kam es zu den Modellen Rapid Optima und Rapid Parat. 1974 erschienen dann noch die Pocketkameras 5000 Optima Pocket Sensor und 6000 Optima Pocket Sensor mit elektronischer Verschlußsteuerung.
Mit dem Übergang zur Agfamatic 5008 Makro Pocket Sensor und 6008 Makro Pocket Sensor entfiel der Namenszusatz schließlich, obwohl diese beiden Kameras die Programmautomatik unverändert beibehielten.
Schließlich existierte noch die Agfa Compact unter der alternativen Bezeichnung Optima 935. Die Compact konnte man allerdings auch als eine neue Generation der Optima-Serie sehen.
Alle mit Optima bezeichneten Kameras besaßen auch eine Entfernungseinstellung mit drei einrastenden Symbolen.
Weblinks
* http://www.photographica-world.de/agfa.htm
* http://www.hambach.de/agfaabteilung.htm
* http://www.optiksammlung.de/Agfa/OptimaIa.html
Literatur
* Günther Kadlubek, Rudolf Hillebrand: AGFA - Geschichte eines deutschen Weltunternehmens von 1867 bis 1997. Neuss: Verlag Rudolf Hillebrand 2. Auflage 1998. ISBN 3-89506-169-7

