Familie Lykow
Lykow ist der Nachname einer sechsköpfigen Familie, deren Mitglieder nach einer selbstgewählten, religiös motivierten und über vierzigjährigen Isolation 1978 durch ein Geologenteam per Zufall in der sibirischen Taiga ?entdeckt? wurden.Geschichtlicher Hintergrund
Ausgelöst durch die Kirchenreform des Patriarchen Nikon im Jahre 1653 entzündeten sich in Russland Religionsstreitigkeiten, die sogenannten ?Raskolniki? (???????????). Dabei bildete sich die religiöse Gruppierung der "Altgläubigen", die vom baldigen Eintreffen des Jüngsten_Gerichts überzeugt waren. Insbesondere in den radikalen Reformen Peter_des_Großen erkannten sie das Wirken des Antichristen. Viele dieser "wahren Gläubigen" wichen in unbewohnte Regionen Russlands aus um der hohen Steuerlast und anderen Pflichten des als gottlos betrachteten Staates zu entgehen. Im Verlauf der Jahrhunderte wurden Mitglieder dieser Gemeinschaft immer weiter in die unzugänglichsten Urwälder getrieben. Bedingt durch staatliche Nachstellungen zog sich die Familie Lykow in den 1930er Jahren bis zum Oberlauf des Abakan zurück und geriet dort in Vergessenheit. Im Jahre 1978 wurde die Familie durch ein Geologenteam wiederentdeckt. Bekannt wurde das Schicksal der Familie durch Berichte in der Komsomolskaja Prawda.
Die Familie und ihre Lebensumstände
Zur Zeit ihrer Entdeckung bestand die Familie aus dem Vater, Karp Ossipowitsch Lykow (83), den Söhnen Sawwin (56) und Dimitri (40) und den Töchtern Natalja (46) und Agafja (39). Die Mutter war bereits, vermutlich durch Hunger, gestorben. Der Heimatkundler Nikolai Ustinowitsch Schurawljow beschrieb die Lebensumstände folgendermaßen:
:" Feuer machen sie mit dem Wetzstahl, Licht erzeugen sie durch Kienspäne... Sie leben wie in der Zeit vor Peter dem Ersten, vermengt mit ein paar Spritzern Steinzeit. Im Sommer laufen sie barfuß, im Winter tragen sie Schuhwerk aus Birkenrinde. Sie benutzen kein Salz, Brot kennen sie nicht. Die Sprache haben sie bewahrt." Wassili Peskow: Die Vergessenen der Taiga. München 2003
Die Familie lehnte moderne Erzeugnisse ab. Kurz nach ihrer Entdeckung verstarben die drei ältesten Kinder (1981). 1988 starb der Vater. Die jüngste Tochter Agafja soll 2006 noch gelebt haben.
Quellen
Literatur
* Wassili Peskow: Die Vergessenen der Taiga. Die unglaubliche Geschichte einer sibirischen Familie jenseits der Zivilisation. München 2003
Weblinks
• Die WOZ über die Lykows
• Linguistisch-ethnographische Expedition an den Fluss Jerinat zu Agafja Karpowna Lykowa 2003 des Krasnojarsker Regionalen Heimatmuseum (russisch)

