Kriminalgericht Moabit
: Moabit, 1911 (?und dann haben Sie den Zeugen mit einem Instrument geschlagen!? ? ?I wo Herr Richter, ick habe noch nie een Klavier besessen!?)]]
Im Kriminalgericht Moabit, dem größten Gerichtsgebäude Europas, sind die strafrechtlichen Zuständigkeiten der 12 Berliner Amtsgerichte konzentriert. Der Bau befindet sich im alten Berliner Arbeiterviertel Moabit, unweit des Berliner Regierungsviertels.
Gerichtsorganisatorisch existiert das Kriminalgericht als solches nicht mehr. In dem Gebäude residiert nun der Teil der für ganz Berlin zuständigen Strafabteilungen des Amtsgerichts Tiergarten, die sich nicht im Gebäude Kirchstraße 6 befinden. Weiterhin in dem Gebäude ansässig sind die Strafkammern des Landgerichts Berlin und ein Großteil der Staatsanwaltschaft beim Landgericht Berlin. Die gemeinsame Adresse ist Turmstraße 91, 10559 Berlin. Hinter dem ausgedehnten Gebäudekomplex des Gerichts schließt sich die Untersuchungshaftanstalt Moabit an (Postanschrift Alt-Moabit 12a, 10559 Berlin).
Im etwa 100 Jahre alten ?Justizpalast? mit seinen zwölf Höfen und 17 Treppenhäusern, einst gebaut für um die 900 Personen, arbeiten ca. 1.500 Menschen, darunter gut 270 Richter, 80 Rechtspfleger und 350 Staatsanwälte. Es sind ca. 1.300 Delinquenten aus 80 Nationen in Untersuchungshaft ansässig, und es kommen täglich 1.500 Besucher, Zeugen und ?Prozessbeteiligte?.
In Moabit gehen im Jahr etwa 60.000 neue Strafverfahren ein, hinzu kommt 100.000-mal ?sonstiger Geschäftsanfall? wie Strafbefehle und Vollstreckungen, und etwa 24.000 Bußgeldsachen.
Der heute wegen seiner monumentalen Architektur (die beiden Türme erreichen eine Höhe von rund 60 Metern) als Zeichen der Kaiserzeit, als ?kaiserlicher Faustschlag ins Gesicht der Moabiter Arbeiterklasse? interpretierte Bau war zu seiner Errichtung im Jahre 1906 hochmodern: Er war der erste Stahlbetonbau auf dem europäischen Festland und das erste elektrisch_erleuchtete Gebäude Berlins. Hervorzuheben ist auch das einmalige Gänge- und Lüftungssystem, das es ermöglicht, die Angeklagten nichtöffentlich zu den Gerichtssälen zu führen.
Zu den bekanntesten im Kriminalgericht Moabit verhandelten Fällen gehören der des Hauptmanns_von_Köpenick, der Terroranschläge auf die Discothek La_Belle und das Restaurant Mykonos sowie der Prozess gegen das Zentralkomitee der SED.
Weiterführende Informationen
Literatur
* Alois Wosnitzka (Hrsg.): Das Neue Kriminalgericht in Moabit. Festschrift zum 100. Geburtstag am 17. April 2006. ? 184 Seiten mit 34 S/W-Abbildungen
Weblinks
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• Amtsgericht Tiergarten
• allgemeine Informationen über das Landgericht
• DIE ZEIT 37/2000: Dossier ?Die Strafkolonie?
• Spiegel TV-Reportage: Recht sprechen am Rande des Nervenzusammenbruchs

