AGM-84 Harpoon
Die AGM-84 Harpoon ist ein Seezielflugkörper und wird seit 1976 von dem US-amerikanischen Hersteller Boeing in diversen Varianten produziert.Entwicklung
Die US Navy began bereits 1965 mit einer Studie zu einer Anti-Schiffs-Rakete, welche eine Reichweite von ca. 45 km haben sollte. Die Entwicklung der Harpoon begann jedoch erst nach 1968 mit der Bezeichnung ZAGM-84A, als man die Erfahrungen der Israelis mit den SS-N-2_Styx im Sechstagekrieg auswertete. 1971 bekam McDonnell Douglas den Zuschlag als Hauptauftragnehmer. Die ersten Versuche begannen 1974 und schon 1976 begann die Vorserienproduktion.
Technik
Die Harpoon wird von einem Teledyne-Turbojet (Modell: J402-CA-400) mit einem Schub von 3,0 kN angetrieben und wird standardmäßig luftgestüzt (AGM) abgeschossen. Außer den Versionen E, F, H und K können alle Varianten auch oberflächen- oder U-Boot-gestüzt (RGM/UGM) abgefeuert werden. Hierzu wird ein Booster (Modell: A/B44G-2 oder -3) benötigt, welcher über 2,9 Sekunden einen zusätzlichen Schub von 53,0 kN liefert. Alle Versionen (außer H und K) verfügen über einen WDU-18/B-Gefechtskopf mit 221 kg Hochexplosivsprengstoff. Die Navigation übernimmt ein inertiales Navigationssystem, bei Version H und K durch GPS unterstüzt.
Die verschiedenen Flugphasen gestalten sich bei der ersten Serienversion (A/B) wie folgt: Die Rakete bekommt die Zieldaten vom Bordsystem der jeweiligen Platform und wird dann entweder ausgeklinkt (luftgestützt/AGM) oder mittels eines Boosters aus dem Startrohr geschossen (oberflächen-/U-Boot-gestüzt RGM/UGM). Während der Anflugphase fliegt die Harpoon knapp über dem Wasser und navigiert mit Hilfe ihres inertialen Navigationssystem. Sobald sich die Rakete in einer vorbestimmten Distanz zum vermuteten Ziel befindet, schaltet sie ihr bordeigenes J-Band-Radar ein, um das Ziel zu finden. Sobald das Ziel erfasst ist, steigt die Rakete auf 1,8 km ("pop-up"-Manöver genannt) um sich dann anschließend von oben auf das Ziel zu stürzen. Der Gefechtskopf zündet nicht direkt beim Aufschlag sondern zeitverzögert, so dass die Explosion im Schiffsinneren stattfindet und erheblich mehr Schaden verursacht als bei einer kontaktzündenen Waffe. Die Flugphasen und der Gefechtskopf wurden mit der Entwicklung von neuen Varianten immer wieder verändert.
Varianten
* RGM-84A, Block 1A: Erste Serienversion.
* RGM-84B: Modifizierte Version für die Royal Navy.
* RGM-84C, Block 1B: Das "pop-up"-Manöver wurde aus der Software entfernt, die Rakete fliegt ihr Ziel über die gesamte Strecke knapp über der Wasseroberfläche an (auch "sea-skimming" genannt).
* RGM-84D, Block 1C: Durch die Verwendung des neuen JP-10-Treibstoffes wurde die Reichweite auf ca. 220 km gesteigert. Neben verbesserter ECCM Ausrüstung kann nun die Flugbahn ("pop-up" oder "sea-skimming") vor dem Abschuss eingestellt werden. Des weiteren können nun Wegpunkte festgelegt werden (erfordert AN/SWG-1A-Feuer-Kontroll-System).
* AGM-84E Standoff Land Attack Missile (SLAM), Block 1E: Bei dieser Version handelt es sich eigentlich um eine komplette Neuentwicklung. Statt gegen Seeziele ist diese Rakete für Angriffe auf Landziele ausgelegt. Hierzu wurde der abbildende Infrarotsuchkopf der AGM-65D_Maverick und der Datenlink der AGM-62 Walleye in das Gehäuse der Harpoon eingebaut. Außer dem Radarsucher, welcher ausgebaut wurde, sind fast alle Komponenten mit der Seeziel-Variante identisch.
* RGM-84F, Block 1D: Durch die Verlängerung des Treibstofftanks konnte die Reichweite weiter erhöht werden. Aufgrund der größeren Länge war keine U-Boot-gestützte Version (UGM) möglich.
* RGM-84G, Block 1G: Diese Version wird seit 1995 hergestellt und ist eine Block 1C mit neuer Software. Sie verfügt auch über eine überarbeitete Steuerlogik, die es ihr erlaubt, einen fehlgeschlagenen Angriff zu wiederholen, sofern der Treibstoff noch reicht und der Suchkopf den Fehlschlag erkannt hat. Die 1G-Variante wird produziert, indem man Raketen der 1C-Version modernisiert.
* AGM-84H Stand-off Land Attack Missile - Expanded Response (SLAM-ER): Diese Variante entstand auf Basis der AGM-84E (SLAM). Auffällig sind die sich ausklappenden Tragflächen (ähnlich wie bei der BGM-109 Tomahawk), welche die Reichweite signifikant gesteigert haben. Das neue AN/DSQ-61-Navigationsystem umfasst neben einem INS-Modul auch einen störfesten GPS-Empfänger. Auch wurde die Störfestigkeit des Daten-Link verbessert. Zur Zielerfassung in der Endphase ist ein abbildender Infrarotsuchkopf integriert, welcher resistent gegenüber lasergestützten Gegenmaßnahmen seien soll. Der Sprengkopf (WDU-40/B) hat mit 360kg eine höhere Durchschlagskraft, als der bis dahin verwendete WDU-18/B-Sprengkopf (221kg).
* AGM-84K: Diese Version umfasst diverse interne Verbesserungen bei Hard- und Software für die AGM-84H. Alle momentan existierenden H-Varianten werden auf die K-Version modernisiert.
* AGM-84H/K SLAM-ER ATA: Das letzte aktuelle Update ist die ATA-Version für die H/K-Modelle. Das ATA (Automatic Target Acquisition)-Update ermöglicht es der Rakete, ihr Ziel automatisch anhand von Vergleichen der IR-Bilder mit einer internen Datenbank zu erkennen und anzugreifen. Die Rakete benötigt also lediglich einen Zielsektor, welchen sie dann autonom nach dem programmierten Ziel absucht. Das Upgrade wurde im Jahr 2002 für die Flotte freigegeben, die aktuellen H/K-Modelle sollen evtl. einem Update unterzogen werden.
Harpoon 2000 / Block 2
Im Jahre 1996 bot McDonnell Douglas einige Verbesserungen des Harpoon-Designs an. Zuerst wurde das Programm Harpoon 2000 genannt, später Harpoon Block 2. Die vorgeschlagenen Verbesserungen umfassten ein gekoppeltes GPS/INS-System, einem Radarsucher mit erweiterten ECCM-Fähigkeiten und den Einbau verschiedener SLAM-Komponenten. Die Rakete wurde intern als RGM-84J geführt, allerdings hatte die US Navy wenig Interesse und das Projekt wurde vorerst eingefroren. Allerdings entschloss man sich bei McDonnell Douglas, die Weiterentwicklung für den Exportmarkt vorranzutreiben. Diese Version erhielt die Bezeichnung RGM-84L. Interessenten dieser Version sind u.a. Ägypten, die Vereinigten Arabischen Emirate und Taiwan. Süd-Korea hat bereits die luftgestützte Version (AGM-84L) gekauft.
Auf Basis der Harpoon Block 2 hat Boeing inzwischen auch eine Variante zur landgestützten Küstenverteidigung entwickelt. Diese ist auf LKWs montiert und bietet daher eine hohe Mobilität.
Plattformen
Luftgestützt (AGM): F-15_Eagle, F-16_Fighting_Falcon, F/A-18_C/D_Hornet, S-3_Viking, P-3_Orion, B-52H_Stratofortress
Seegestützt (RGM): Die Harpoon kann von nahezu allen modernen_Kriegsschiffen eingesetzt werden. Voraussetzung ist ein Starter des Typs Mk 112, Mk 140/141 oder Mk 13.
U-Boot-gestützt (UGM): Los-Angeles-Klasse, Seawolf-Klasse, Virginia-Klasse
Technische Daten
Weblinks
• Designation-Systems.net
• Videos auf Boeing.com
• Broschüre Boeing's zur Harpoon Block II
• FAS.org
• Bild AGM-84K

