Afrikaans
Afrikaans, früher auch Kapholländisch oder Kolonial-Niederländisch genannt, ist eine der elf Amtssprachen in indogermanischen_Sprachen und ist aus dem Niederländischen entstanden. Seine Grammatik hat eine starke Regularisierung durchgemacht und es ist die einzige germanische Sprache, die den Ablaut komplett abgebaut hat.
Verbreitung
Afrikaans wird hauptsächlich in Südafrika gesprochen, außerdem von kleineren Gruppen in anderen Staaten des südlichen Afrikas wie Namibia, Simbabwe, Botswana, Lesotho, Malawi und Sambia.In Südafrika ist Afrikaans die Muttersprache von nahezu sechs Millionen Menschen oder 13% aller Einwohner (laut den amtlichen Volkszählungsdaten von 2001). Damit liegt es unter den elf offiziellen Landessprachen hinter isiZulu und isiXhosa auf dem dritten Platz. Seit etwa Mitte der achtziger Jahre gibt es mehr nichtweiße als weiße Muttersprachler. Von allen Afrikaans-Muttersprachlern in Südafrika sind 53,0% farbig, 42,4% weiß, 4,2% schwarz und 0,3% asiatischstämmig(vgl.: Demographie Südafrikas).
59% der Weißen und 79% der Farbigen in Südafrika sprechen Afrikaans als Muttersprache (39% und 19% Englisch). Daneben gibt es Millionen Menschen, die Afrikaans als zweite oder dritte Sprache sprechen.
Afrikaans wird in drei großen Dialektgebieten gesprochen. Das größte ist der Westen mit den Provinzen Westkap und Nordkap, in denen unter anderem die ?Kapfarbigen? zu 90% Afrikaans sprechen. Im Transvaal und dem Oranje-Freistaat am Ostkap wird es vor allem von Weißen gesprochen, es gibt allerdings auch viele schwarze Zweitsprachler. Das dritte Gebiet befindet sich in Namibia, wo das sogenannte ?Orange River Afrikaans? die Muttersprache von 200.000 Menschen (11% aller Einwohner) ist und neben Englisch und Deutsch als Lingua franca zwischen den Bevölkerungsgruppen gilt.
Weltweit gibt es etwa 16 bis 20 Millionen Menschen, die sich auf Afrikaans verständigen können.
Geschichte
Afrikaans ist eine durch die seit dem 17. Jahrhundert bestehende Isolierung vom Ursprungsgebiet entstandene eigenständige Ausbausprache, die sich aus dem Niederländischen entwickelt hat. Sie unterscheidet sich von diesem einerseits durch vielfältige Neuerungen auf dem Gebiet der Grammatik, andererseits durch diverse Entlehnungen.
Erste Sprachkontakte und Entstehung
1652 wurde Kapstadt im Auftrag der Niederländischen_Ostindien-Kompanie gegründet. Die ersten Bewohner der Stadt waren vor allem Beamte und Seefahrer, die nur zeitweise dort lebten und noch reines Niederländisch sprachen. Mit der Gründung von Stellenbosch begann 1679 die systematische Besiedelung der Gebiete um Kapstadt durch niederländische Bürger.
Bis 1714 erhielten die sogenannten Trekburen (Zugbauern) pachtfreies Weideland an den Grenzen der Kapkolonie, was eine schnelle Ausbreitung ins Landesinnere ermöglichte. Zu dieser Zeit bestand enger Sprachkontakt zu den viehzüchtenden Nama. Die Pockenepidemie 1713 hatte zur Folge, dass sich viele Nama bei den Niederländern verdingten und schließlich in dieser Sprachgruppe aufgingen. Der Kontakt mit den Nama trug Anfang des 18. Jahrhunderts zum Beginn eines signifikanten Flexionsabbaus bei.
Ende des 17. Jahrhunderts und im gesamten 18. Jahrhundert wurden sehr viele Sklaven, die Malaiisch oder Kreolportugiesisch sprachen, aus Südostasien importiert. Auch das von diesen unvollständig erlernte Niederländisch hatte Einfluss auf den Flexionsabbau und sorgte ebenfalls für eine Vereinfachung der Grammatik.
Ab etwa 1775 kann Afrikaans als eigenständige Sprache gesehen werden, da zu diesem Zeitpunkt die meisten Bewohner der Kapkolonie kein Niederländisch mehr beherrschten.
Konkurrenz mit dem Englischen und Entwicklung zur Staatssprache
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1806 ging die Kapkolonie in britischen Besitz über. Von nun an steht Afrikaans in ständiger Konkurrenz zum Englischen, das ein deutlich höheres Prestige hat. Der Kontakt mit dem Englischen hat zu einer Fülle von Entlehnungen in vielen Bereichen der Sprache geführt.
1875 gründete sich in Paarl die Genootskap van Regte Afrikaners, eine Vereinigung, die auf die Anerkennung des Afrikaans als eigenständige Sprache hinarbeitete - zu diesem Zeitpunkt galt es immer noch als Dialekt des Niederländischen. Der Verein gab ab 1876 die erste Zeitschrift auf Afrikaans heraus, Die Afrikaanse Patriot (?Der afrikanische Patriot?). Außerdem erschienen verschiedene weitere Bücher auf Afrikaans, darunter Grammatiken und Wörterbücher.
Am 5. Mai 1925 wurde in Südafrika das Niederländische als Staatssprache abgeschafft und Afrikaans neben Englisch als Amtssprache in der Südafrikanischen_Union anerkannt.1975 errichtete die südafrikanische Regierung in Paarl, dem Gründungsort der Genootskap etwa 50 km nördlich von Kapstadt, das Afrikaanse Taalmonument, ein Denkmal, das die Bedeutung der Sprache Afrikaans symbolisieren soll. (Taal ist das afrikaanse Wort für ?Sprache?).
Status während der Apartheid und heute
Im Apartheidsstaat sollte 1976 Afrikaans auch für die schwarze Bevölkerung als Unterrichtssprache zwangsweise eingeführt werden. Da viele schwarze Jugendliche die Sprache jedoch nur wenig und oft unzureichend sprachen, kam es am 16. Juni 1976 in Soweto zu massiven Schülerprotesten, die brutal niedergeschlagen wurden. Weltberühmt ist das Foto des in den Armen eines Mitschülers sterbenden zwölfjährigen Hector Peterson. Mit der Ablehnung der Sprache Afrikaans entstand der ?Mythos Soweto? und damit ein Schwelbrand, der später als Zeitenwende im Widerstand gegen die Apartheid angesehen wurde.
Spätestens seit Anfang der 1990er Jahre gibt es mehr nichtweiße als weiße Sprecher des Afrikaans. Die Bezeichnung Afrikaner, die sich ursprünglich nur auf die weißen Sprecher bezog, wird mittlerweile für alle Sprecher angewendet. Dennoch besteht teilweise immer noch das Vorurteil, es sei vor allem die Sprache der Weißen.
Rechtschreibung und Aussprache
Noch stärker als im Niederländischen richtet sich im Afrikaans die Rechtschreibung nach der Aussprache. Die im Niederländischen noch unterschiedenen Buchstaben g und ch sind im Afrikaans zu g zusammengefallen. Lediglich die graphische Unterscheidung zwischen y und ei () sowie zwischen v und f () ist aus Silben ist wie auch im Niederländischen wichtig für die Schreibung der langen oder diphthongierten Vokale: in betonten offenen Silben können nur Langvokale stehen und werden daher stets einfach geschrieben (va-der 'Vater'), in geschlossenen Silben werden Langvokale stets doppelt (naam 'Name'), Kurzvokale stets einfach (kat 'Katze') geschrieben. Die führt teils zu größeren graphischen Unterscheidungen innerhalb eines Paradigmas, wenn geschlossene Silben mit langem Vokal durch Flexion zu offenen Silben werden (brood - bro-de), oder wenn geschlossene Silben mit kurzem Vokal durch Flexion zu offenen Silben würden und durch Einfügung eines Konsonanten geschlossen gehalten werden (kat - kat-te).
Buchstabenkombinationen wie oe, eu, ie, ei, ui, ou sind kurz bis mittellang und werden im Schriftbild nicht verdoppelt.
Da die ehemals nur quantitative Unterscheidung (kurz - lang) sich bei den Vokalpaaren e - ee, o - oo und u - uu durch Lautwandel zu einer qualitativen Unterscheidung entwickelt hat, wurden für die langen Versionen von e, o und u die Buchstaben ê, ô und û eingeführt.
Die Aussprache des Afrikaans ist wegen der Nähe der Rechtschreibung einfach. Bis auf wenige Ausnahmen kann jeder Buchstabe auf nur eine Weise ausgesprochen werden. Eine Ausnahme bilden stimmhafte Laute, die am Ende einer Silbe Auslautverhärtung erfahren, eine weitere die Buchstabenkette -tjie am Ende von Diminutiven, die gesprochen wird.
In der Regel wird die erste Grammatik des Afrikaans
Die Grammatik des Afrikaans ist sehr einfach, da die meisten Flexionsendungen konsequent abgebaut wurden. Außerdem ist Afrikaans die einzige germanische_Sprache, die den Ablaut komplett abgeschafft hat.
Substantive
Substantive haben wie im Englischen kein grammatisches_Geschlecht. Der bestimmte Artikel ist im Singular und Plural immer die, der unbestimmte Artikel im Singular 'n (gesprochen wie ein unbetontes e, ):
= Flexion
=Die häufigste Pluralendung ist -e:Substantive, die auf einen langen Vokal + d oder g enden, verlieren den Konsonanten normalerweise:Weitere Endungen sind unter anderem -te (oft bei kurzem Vokal + g oder s) und -s (bei Diminutiven und vielen Wörtern auf -l oder -r):
= Relationen im Satz
=Unterschiedliche Satzelemente werden im Afrikaans nicht durch Genitiv wird durch eine Umschreibung mit van gebildet, der besitzanzeigende Genitiv durch Nachstellung eines se. Die Phrase vor dem se darf dabei sehr lang sein und sogar einen Relativsatz enthalten.
Objekte können im Afrikaans zur besseren Verständlichkeit durch ein vorgestelltes vir (eigentlich 'für') eingeführt werden, ein Zwang hierzu besteht allerdings nicht. Bei Verben, die zwei Objekte erfordern, kann das vir nur das indirekte Objekt markieren.
Aus dem Englischen übernommen und durch den Objektmarker erweitert ist der häufige Abschiedsgruß Sien vir jou later.
Pronomina
Die Personalpronomina für das Subjekt des Satzes sind:Die Pronomina für Objekte sind:
Das prädikative Possessivum unterliegt keiner Kongruenz mit dem Bezugsnomen:
Auch das Possessivpronomen wird nicht flektiert, es gibt keine Unterscheidung nach Numerus oder syntaktischer Funktion:
Verben
= Infinitiv (Grundform)
=Der Präsensformen des Verbs. Die Verbformen sind in allen Personen und Numeri gleich (Beispiel loop 'laufen'). Nur zwei Verben haben unregelmäßige Präsensformen: wees 'sein' und hê 'haben':
= Vergangenheit
=Es gibt nur eine Vergangenheitsform, das Perfekt. Es wird mit dem Hilfsverb hê und der Vorsilbe ge-, die dem Infinitiv vorangeht, gebildet. Die Satzstellung ändert sich wie im Deutschen:Bei acht Verben gibt es zusätzlich zum Perfekt noch eine Infinitiv gebildet. Die Satzstellung ändert sich wie im Deutschen:
= Konjunktiv
=Der Adjektive nach ihrem Gebrauch. Adjektive können attributiv oder prädikativ gebraucht werden. Viele Adjektive werden, wenn sie als Attribut vor einem Substantiv stehen, flektiert, d. h. sie erhalten die Endung -e. Dabei kommt es zu den für das Afrikaans so typischen aussprachebedingten Lautveränderungen:
Eine Ausnahme bilden die sogenannten Farbadjektive. Sie werden nicht flektiert:
Außerdem werden viele einsilbige Adjektive (und auch ein paar zweisilbige auf -er) nicht flektiert. Beispiele hierfür sind:
bitter 'bitter', dapper 'tapfer', dik 'dick', laat 'spät', lekker 'lecker', mooi 'schön', vuil 'schmutzig', siek 'krank', suur 'sauer', swaar 'schwer', vet 'fett', warm 'warm', bang 'ängstlich', arm 'arm', vars 'frisch', ryk 'reich'.Werden diese Adjektive jedoch im übertragenen Sinne gebraucht, so werden sie flektiert:
Adverbien
Zur Bildung von Adverbien wird häufig der Wortstamm verdoppelt:
Verneinung
Das letzte Wort einer Sinneinheit, in der ein Negationswort auftaucht, ist immer nie 'nicht', wodurch in vielen Fällen eine holländischen Dialekten und der niederländischen Seemannssprache (z. B. kombuis 'Küche', ndl. keuken) im Afrikaans als Standard etabliert. Ebenso haben sich im heutigen Niederländischen als antiquiert geltende Wörter gehalten (z.B. navorsing Nachforschung > ndl. onderzoek), außerdem haben manche Begriffe einen Bedeutungswandel erfahren (z. B. pad 'Trampelpfad' > 'Weg, Straße, Autobahn'. Oder: fontein 'Quelle', ndl. bron).
Der Wortschatz des Afrikaans hat sich im 20. Jahrhundert durch technische Neuerungen um ein Vielfaches vergrößert. Die Sprachkommission der staatlichen Akademie für Wissenschaft und Kunst gibt seit 1917 eine südafrikanische Grammatik mit Wortlisten und Schreibregeln (Afrikaanse woordelys en spelreëls (AWS)) heraus. Vorbild bei den bewussten Neologismen ist meist das Niederländische (siehe auch Weblinks).
Der fremdsprachliche Einfluss
Fremdsprachige Wörter sind vor allem aus dem Englischen und Deutschen (Sprachen von Kolonisten), dem Malaiischen und Kreolportugiesischen (Sprachen ehemaliger Sklaven) sowie Bantu- und Khoisan-Sprachen (Sprachen der Einheimischen) entlehnt.
Das wohl am häufigsten gehörte Lehnwort ist baie 'viel, sehr', das aus dem Malaiischen banja(k) stammt. Weitere Beispiele für Wörter mit malaiischem Ursprung sind piesang 'Banane', piering 'Untertasse' und sjambok 'Peitsche'.
Den stärksten Einfluss auf das Afrikaans hat das Englische ausgeübt. Dieser Einfluss spiegelt sich jedoch nicht so stark im Bereich direkter Wortentlehnungen wider (obwohl es diese durchaus gibt, z. B. spiets, engl. 'speech'), sondern vor allem bei Lehnübersetzungen (z. B. sypaadjie, engl. 'side-walk'; dit reën katte en honde, engl. 'It's raining cats and dogs').
Entlehnungen aus dem Deutschen sind aufgrund der Ähnlichkeit zum Niederländischen oft schwer auszumachen.
Sprachbeispiel
Mit wenig Mühe können Afrikaanssprecher und Niederländer die jeweils andere Sprache lesen und verstehen; für Sprecher des Hochdeutschen ist es etwas schwieriger. Deutschen mit Bezug zum Plattdeutschen fällt der Zugang jedoch sehr viel leichter. Obwohl Afrikaans in der Sprachwissenschaft allgemein als eigenständige Sprache betrachtet wird, steht es heute immer noch näher zur niederländischen Standardsprache als mancher Dialekt in den Niederlanden und Flandern.
Afrikaans:
Nuwe navorsing toon, dat wêreldverwarming 'n impak op sandduine in Suid-Afrika kan hê. Dit sal beteken dat woestynagtige gebiede kan uitbrei en die bestaan van duisende mense kan benadeel.
Volgens die tydskrif NATURE word voorspel, dat die duine kan skuif as gevolg van reënval wat daal en windsterkte wat gaan toeneem.
Niederländisch:
Nieuw onderzoek toont (aan), dat wereldverwarming 'n impact op zandduinen in Zuid-Afrika kan hebben. Dit zal betekenen dat woestijnachtige gebieden kunnen uitbreiden en het bestaan van duizenden mensen kan benadelen. Volgens het tijdschrift NATURE wordt voorspeld, dat de duinen kunnen verschuiven als gevolg van dalende regenval en toenemende windsterkte.
Deutsch:
Neuere Forschungsergebnisse zeigen, dass die Klimaerwärmung Einfluss auf Sanddünen in Südafrika haben kann. Dies wird bedeuten, dass sich wüstenartige Gebiete ausbreiten können und so das Leben tausender Menschen beeinträchtigt würde.
Der Zeitschrift NATURE zufolge wird vorhergesagt, dass sich die Dünen als Folge sinkender Regenmengen und zunehmender Winde verschieben können.
Literatur
* Bruce Donaldson: A Grammar of Afrikaans. Berlin u. a. 1993
* Bruce Donaldson: Colloquial Afrikaans: The Complete Course for Beginners. London/New York 2000
* Edith H. Raidt: Einführung in Geschichte und Struktur des Afrikaans. Darmstadt 1983
* Thomas Suelmann: Afrikaans Wort für Wort. Kauderwelsch Band 23. Bielefeld 1997
* Herman Vekeman; Andreas Ecke: Geschichte der niederländischen Sprache. Bern u.a. 1993
* F.F. Odendal; R.H. Gouws: Verklarende Handwoordeboek van die Afrikaanse Taal. Stellenbosch 2005
Weblinks
• Afrikaans.com
• Uni Wien - Afrikaans
• Afrikaans-Deutsches/Deutsch-Afrikaanses Online-Wörterbuch
• Afrikaans-Englisches/Englisch-Afrikaanses Online-Wörterbuch
• Afrikaanskurs in englischer Sprache
• Ergebnisse der Volkszählung von 2001 als pdf
bat-smg:Afr?kan? ruoda
eml:Afrikaans
hy:????????lij:Lengua afrikaansru-sib:????????
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