Aennchen Schumacher
Aennchen Schumacher (22. Januar 1860 in Godesberg, heute Bad Godesberg; ? 2. März 1935 ebenda) war eine besonders bei Studenten berühmte Wirtin.Sie übernahm gerade 18-jährig, nach dem Tod ihres Vaters, des Gastwirts Wilhelm Schumacher, die Leitung des ?Gasthofs zum Godesberg?. Ihr rheinischer Frohsinn, ihre liebenswürdige Autorität und ungewöhnliche Musikalität machten den Gasthof bald zu einem der beliebtesten studentischen Treffpunkte Deutschlands.
Ihren Beinamen ?Lindenwirtin? verdankt sie einem damals bekannten Studentenlied, ?Keinen Tropfen im Becher mehr?, gedichtet von Rudolf Baumbach 1877, in dem eine namenlose ?Lindenwirtin? auftritt:
::Keinen Tropfen im Becher mehr
::und der Beutel schlaff und leer,
::lechzend Herz und Zunge,
::Angetan hat's mir der Wein,
::deiner Äuglein heller Schein,
::Lindenwirtin, du junge!
Baumbach hatte bei Abfassung dieses Liedes nicht an Ännchen gedacht, sie wurde aber bald, zumal neben ihrem Gasthof tatsächlich eine Linde stand, allgemein mit der Lindenwirtin identifiziert, so auch in einer nachträglich hinzugedichteten siebten Strophe dieses Liedes:
::Wißt ihr, wer die Wirtin war,
::schwarz das Auge, schwarz das Haar?
::Ännchen war's, die Feine.
::Wißt ihr, wo die Linde stand,
::jedem Burschen wohlbekannt?
::Zu Godesberg am Rheine.
Infolge dieser Identifikation benannte Ännchen Schumacher 1891 ihren Gasthof in ?Zur Lindenwirtin? um. Sie betrieb die Gastwirtschaft bis zum Ende des Ersten_Weltkriegs.
Die vielen Studentenlieder, die in ihrer Wirtschaft gesungen wurden, schrieb sie auf und brachte sie zuerst als ?Kleines Kommersbuch? (1903) heraus, welches in späteren Auflagen den Untertitel ?Aennchen-Liederbuch? erhielt (Illustriertes Kommersbuch (Ännchen-Liederbuch), Godesberg 1924).
Jeden Abend fanden sich über 500 Studenten der verschiedensten studentischen Verbindungen friedlich im Gasthof zusammen. Dieser Zustand
war weitläufig als "Bad Godesberger Burgfrieden" bekannt. Das "Ännchen" wurde liebevoll die "Mutter der Studenten" genannt und war für ihre weit über die Belange des Gasthofes gehende Fürsorge bekannt.
Zu ihrem 75. Geburtstag, kurz vor ihrem Tod, trafen etwa 5000 Glückwunschkarten aus der ganzen Welt ein, viele nur mit ?Aennchen in Deutschland? adressiert, und sogar der frühere deutsche Kaiser Wilhelm_II. kam zum Gratulieren. Über die Feier berichteten der Deutschlandsender und die Reichssender Köln, München, Frankfurt, Breslau und Hamburg. An diesem Tag wurde sie zur Ehrenbürgerin von Bad Godesberg (damals noch eigenständig; heute zu Bonn gehörend) ernannt.
Eine der wohl berühmtesten Postkarten erreichte die Lindenwirtin "Aennchen" aber 1902 aus Kiautschou in China. Offiziere der kaiserlichen Marine gaben als Adresse nur ein kleines "n" und Deutschland an. Die seltsamste und wohl auch kürzeste Anschrift, die jemals für eine Postkarte verwendet wurde, genügte, um die Karte um den halben Erdball ans Ziel ihrer Bestimmung zu bringen. Der Kleinbuchstabe "n" steht für "n-chen", gleich lautend wie das Restaurant.
Heute sind in Bonn?Bad Godesberg eine Aennchenstraße, ein Aennchenplatz und ein gemütliches Gourmetrestaurant nach ihr benannt.
Letzteres war eigentlich als "Ännchenmuseum" der Stadt Bad Godesberg angedacht und ist heute ein Treffpunkt für rheinische Prominenz und lokale Privatiers.
Literatur
Artikel Schumacher, Ännchen, in: Kluge, Friedrich/Rust, Werner: Deutsche Studentensprache, Bd. 2, Nürnberg 1985, S. 182 f.
Ruland, Wilhelm: Ännchen von Godesberg. Ein Rheinlands-Sang aus unseren Tagen. 3. Aufl. Koblenz 1900.
* Josef Niesen: Bonner Personenlexikon, Bouvier Verlag, Bonn 2007, ISBN 978-3-416-03159-2
Weblinks
• Informationen des Gasthauses über seine berühmte ehemalige Wirtin
• ?Das Lied von der Lindenwirtin?

