Adventus
Der Begriff Adventus bezeichnet 1.) Nach Gisbert Greshake (ev. Theologe) die unableitbare Zukunft, d.h. im Gegensatz zu "futurum" eine nicht planbare Zukunft.2.) die Ankunft eines Herrschers und die damit verbundene Zeremonie.
Der Begriff Adventus wurde vor allem an Beispielen von spätantiken bis zu hochmittelalterlichen Quellen überlieferter Herrschereinzügen entwickelt. Die antike Form des Einzuges mit der gottgleichen Darstellung des Imperators stand Pate für die mittelalterliche mediale Symbolik. Das Zeremoniell wurde zur politischen und sakralen Überhöhung des Regenten auf den Herrscherkult übertragen. Es verlief unter strenger Beachtung fester Bräuche und liturgischer Formen. Daneben wurde auch der Publikumsaspekt und die dazugehörigen Feierlichkeiten betont. Schenk schreibt dabei von einer ?besonders starken Gewichtung des festlichen und feierlichen Charakters der Herrschereinzüge? , wie sie beispielsweise in Frankreich praktiziert wurden.
Der mythische Ursprung liegt im Triumph des Gottes Dionysos in Indien, der in der Antike jeweils im Frühjahr gefeiert wurde. Im Laufe der Zeit trat die dionysische Komponente zu Gunsten der militärischen zurück, welche sich mit den Triumphen der römischen Imperatoren in einem Staatsritual verfestigte. Waren die Herrscher zu Beginn noch mit grosser Eifersucht darauf bedacht, dass niemandem sonst diese Ehre zuteil wurde, so schwand im ausgehenden Mittelalter der Vorrang des Königs.
In der Spätantike stand der Adventus auch den Stellvertretern des Kaisers zu, die Kirche übernahm ihn für Bischöfe und Päpste. Der religiöse Sinngehalt des mittelalterlichen Herrscheradventus und seine liturgische Ausgestaltung unter kirchlichem Einfluss basieren auf altchristlichen, durch die Antike beeinflussten Vorstellungen. Beim feierlichen Einzug des siegreichen Kaisers (z.B. Justinian I. 541) wiederholte sich, ins Christliche transponiert, die Adventus-Symbolik der römischen Kaiserzeit. Beim aventus regis konnte der Herrscher eine Amnestie für Verbrecher oder Schutz für Verfolgte gewähren.
siehe auch: Advent
Literatur
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