Adventivbildung
Adventivbildungen (von lat. adventus = hinzugekommen) bezeichnen nicht aus dem Hauptvegetationspunkt entstehende, erst sekundär wieder teilungs- und wachstumsfähige Teile einer Pflanze. Vielfach geht eine Verletzung der Pflanze voraus, oder sie werden gebildet, wenn im Zuge eines Kälteeinbruches im Frühjahr die frischen Triebe teilweise oder gänzlich abgefroren sind.Häufig wird zwischen folgenden Adventivbildungen differenziert:
*Adventivknospen werden nicht an Sprossspitzen oder in Blattachseln gebildet, wie reguläre Knospen, sondern entstehen annähernd regellos an anderen Stellen der Achse an Blättern oder Wurzeln. Sie werden manchmal spontan in alten Pflanzenteilen sowie häufiger nach Verletzung der Pflanze gebildet. Beispiele sind Brutknospen bei Brutblättern (in Blattkerben) oder Wiesenschaumkraut (Blattunterseite)
*Adventivsprosse an abgeschnittenen Begonienblättern, als Stockausschläge
*Adventivwurzeln, auch sprossbürtige Wurzeln genannt, entstehen bei Einkeimblättrigen (Monocotyledonen) beim keimenden Samen aus einer Primärwurzel, deren Funktion sie übernehmen. Mit der Zeit verzweigen sich die Adventivwurzeln sehr stark und bilden ein komplexes buschiges Wurzelsystem. Es ist keine Hauptwurzelachse erkennbar. Im Gegensatz dazu bilden Zweikeimblättrige (Dicotyledonen) eine Pfahlwurzel aus, welche die Hauptwurzelachse darstellt. Von ihr gehen Seitenwurzeln aus. Adventivwurzeln können auch infolge von Verletzungen oder Wuchsstoffbehandlungen gebildet werden. Die Schwarzerle bildet Adventivwurzeln aus, um auf die schwankenden Wasserstände in ihrem Biotop (Erlenbruchwald) zu reagieren (siehe auch Echte Sumpfzypresse).
*Ein Sonderfall ist die Adventivembryonie. Hier handelt es sich um die Adventivbildung von Embryonen aus vegetativen Zellen der Samenanlage; diese tritt besonders bei Citrusgewächsen auf. Sie lässt in Samen viele Embryonen entstehen.
Wuchsstoffe können die Adventivbildung erzeugen bzw. fördern.

