Adolf Pichler
Adolf Pichler (4. September 1819 in Erl bei Kufstein; ? 15. November 1900 in Innsbruck) war ein österreichischer Schriftsteller und Naturwissenschaftler.Leben
Mit einer Trinkerin als Mutter und einem zeitweise geisteskranken Vater wuchs Adolf Pichler in schwierigen Verhältnissen auf. Er studierte in Innsbruck und Wien und wurde 1849 Lehrer für Deutsch und Naturgeschichte am Obergymnasium in Innsbruck. 1857 heiratete er Josefine Groß, mit der er drei Kinder hatte.
In den fünfziger Jahren machte der Jenbacher Arzt und Politiker Norbert Pfretzschner senior photographische Aufnahmen von ihm. Damals noch eine Seltenheit.
Als anerkannter Alpengeologe wurde er trotz seines national-liberalen Urgermanentums 1867 zum Professor der Mineralogie und Geologie in Innsbruck ernannt. Seine Erzählungen sind in den Bänden
* Allerlei Geschichten aus Tirol (1867)
* Jochrauten (1897) und
* Letzte Alpenrosen (1898) gesammelt.
Ohne sentimental zu werden, gelingt es Adolf Pichler, das einfache Leben der Tiroler vom Land zu erzählen. Seine getreuen Schilderungen zeigen sein episches Talent und sind wertvolle kulturhistorische Zeugnisse.
Anlässlich seines 70. Geburtstages, den Adolf Pichler im Meierhof Freundsheim bei Barwies feierte, erschien in den Innsbrucker Nachrichten vom 4 September 1889 eine Würdigung, welche die wesentlichen Stationen im Leben dieses fast schon in Vergessenheit geratenen Tiroler Dichters beinhaltet.
Als Sohn eines kleinen Beamten zu Erl bei Kufstein geboren, schon mit 15 Jahren auf sich selbst gestellt, trat er, noch ein Jüngling, in die Literatur ein. Mit 20 Jahren entwarf er seinen ?Ulrich von Hutten?, im 21. Jahr die Szenen ?der Student?. Ein Gönner öffnete dem strebsamen jungen Mann und seinen Freunden seine reiche Bücherei, in der sie besonders die Schriften der ?Jungdeutschen?, besonders Heines, Herweghs und Freiligraths studierten. 1842 begab sich Pichler mit seinem Freund Adolf Purtscher nach Wien; er hatte die Juristerei an den Nagel gehängt und ergab sich nun dem Studium der Medizin und der Naturwissenschaften. Dabei vergaß er keinesfalls die alten Klassiker, denen er in der Form so viel verdankte, und die eigene Poesie. Eine Jugendliebe weihte ihn zum ferneren Kampfe des Lebens. Da brach das Jahre 1848 herein, welches die alten Fesseln zerschlug. Pichler stellte sich in die Reihe jener beherzten Jünglinge, welche für Deutschland und die Freiheit zu kämpfen glaubten. Aber bald gelangte die Nachricht nach Wien, dass die Grenzen Tirols vom Feinde bedroht seien. Die tirolischen Akademiker versammelten sich in einem Gasthofe auf der Wieden, beschlossen, unter Pichlers Führung auszuziehen, und nahmen den alten Haspinger als Feldkaplan mit sich nach Tirol. Bei Ponte Tedesco und Cassaro hielt sich diese ?deutsche Grenzwacht? so wacker, dass sie öffentlich belobt und ihr Hauptmann Adolf Pichler mit dem Eisernen Krone Orden dekoriert wurde. Nach dem Feldzuge erschien Pichler wieder in Wien; an den Oktober-Ereignissen nahm er keinen Anteil mehr, als er sah, wie Bürger gegen Bürger kämpften und elende Demagogen mit dem Volksgeiste schändliche Unzucht trieben. Man muss Pichlers Schriften über das Jahr 1848, die auch Helfert benützt hat, näher kennen, um seine Ansichten kennen zu lernen und seine Entwicklung zu begreifen. Pichler war von Jugend an Idealist und kämpfte mit Überzeugung für die unveräußerlichen Rechte der Menschheit. Die Form erscheint oft rau und herbe, aber das ist bei ihm wieder Wesen und Individualität. Er erzielte anfangs bedeutende literarische Erfolge. Seine ?Gedichte? (1853) und ?Hymnen? (1855), von denen die ?Wettertanne? durch Pembaur eine prächtige musikalische Interpretation erfuhr, wurden allseits anerkannt und erweckten sogar die Aufmerksamkeit A. v. Humboldts, das Drama ?Rodrigo? fand Beifall auf der Bühne. Gleichwohl hat auch er es in dieser letzten Gattung nicht auf die Höhe gebracht. Trotz seiner glänzenden Sprache und des Talents der Charakteristik. Die Tiroler ermangeln, in ihre Berge eingezwängt, des weitausschauenden dramatischen Blickes, und ein echter Tiroler bleibt ein Tiroler. Die Lorbeeren, die Pichler aus seinen wunderbaren Reiseschilderungen und seinen Dorfgeschichten erntete, erblühten im Auslande. In seiner Heimat werden poetische Leistungen entweder gar nicht beachtet oder boshaft glossiert. ?In Tirol hat kein Hahn nach mir gekräht, ich bin einfach ein deutscher Schriftsteller und der hiesigen Gesellschaft gegenüber Professor der Geologie?, rief er einmal aus, als man ihn als tirolischen Dichter begrüßte. Er ist über alle Verhältnisse erbittert, die im auch ärger mitgespielt haben als Anderen; selbst sein Familienglück sah er völlig in Brüche gehen, und so wandelt er jetzt seine Wege, Hammer und Meisel bei sich, die ?Kräuterbüchse? auf dem Rücken. 1869 und 1879 machte er seinen missvergnügten Gefühlen in stark zugespitzten Epigrammen Luft. 1870 jubelte er der Erhebung des deutschen Volkes zu, und 1874 zog er die ?Summe seiner bisherigen poetischen Existenz? in einer Sammlung zumeist epischer Dichtungen, ?Marksteine?, die in Gotha bei E. Amthor erschienen. Darunter ragt der ?Hexenmeister? durch Kraft und Originalität hervor; diese Erzählung in markigen fünffüßigen Jamben ist einzig in ihrer Art, jede Zeile ein dröhnender Axtschlag im deutschen Dichterwald. In gewissem Sinne ist dieser Stoff in seiner abgeklärtesten Dichtung, dem zweiteiligen Epos ?Fra Serafico? (Innsbruck, 1879), idealisiert. Während im ?Hexenmeister? der tirolische Hochwald rauscht und der nächtliche Sturm braust, klingt hier der Wellenschlag des südlichen Meeres durch, über das sich der ewigblaue Himmel Italiens spannt. Durch diese Dichtung reiht sich Pichler den besten deutschen Epikern der Neuzeit an. 1885 erschien eine kleine lyrische Sammlung ?Vorwinter?, 1886 das prächtige Gedicht ?Der Tod des großen Pan?, welches Mitterer als Männerchor komponiert hat. Eine fertige poetische Erzählung ?Der Zaggler Franz? hält der Dichter in seinem Pult verschlossen. Zahllos sind die Aufsätze Pichlers wissenschaftlichen und belletristischen Inhalts, die er seit 40 Jahren in die verschiedensten Blätter geschrieben hat.
Widmungen
Adolf Pichler wurde in der Stadt Innsbruck ein Denkmalsplatz mit dem dazugehörigen Bundesrealgymnasium gewidmet. Inmitten des Platzes erhebt sich eine große Bronzefigur mit dem Abbild Adolf Pichlers, rundherum besticht der Platz mit schönen Bepflanzungen und einem Spielplatz. Das Bundesrealgymnasium erhält in ganz Tirol hohes Ansehen und ist eine der führenden und besten Schulen Innsbrucks.
Weblinks
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