Adolf Ogi
im Juli 2000]]
thumb|250px|Adolf_Ogi_bei_einem_Besuch_in_18. Juli 1942) aus Kandersteg im Berner Oberland ist ein Schweizer Politiker (SVP). Er war von 1987 bis 2000 Mitglied der Schweizer Regierung, des Bundesrats. Seit 2001 ist er Sonderberater für Sport im Dienste von Entwicklung und Frieden im Auftrag der UNO.
Ausbildung und Beruf
Nach seiner obligatorischen Schulzeit in der Primarschule und Oberstufe besuchte Adolf Ogi für drei Jahre in La Neuveville die Handelsschule. Danach fuhr er nach London und besuchte dort einen sechsmonatigen Kurs an der Swiss Mercantile School. In Formby, nahe bei Liverpool, absolvierte er ein Praktikum in der Textilfirma des deutschen Industriellen S. Könnemann.
Ogi übernahm dann für zwei Jahre die Leitung des Verkehrsbüros Meiringen. 1964 wechselte er zum Schweizerischen Ski-Verband (SSV). Dort arbeitete er als Assistent von Elsa Roth und wurde 1975 als Direktor des Ski-Verbandes gewählt. Durch seine Arbeit im Verband verhalf er den Skifahrern an den Olympischen_Winterspielen_1972 zu grossem Erfolg.
Per Juli 1981 trat Adolf Ogi von seiner Funktion als Präsident des SSV zurück und übernahm bei der Intersport Schweiz den Posten als Generaldirektor. Er trat bei der Intersport zurück, als er 1987 in den Bundesrat gewählt wurde.
Politische Karriere
Vor der Wahl in den Bundesrat
Durch seine Arbeit im Skiverband wurde Ogi schweizweit bekannt. Deshalb versuchten verschiedene Parteien, ihn für eine Nationalratskandidatur zu gewinnen. Seine Schwiegereltern waren Mitglied der Schweizerischen_Volkspartei_SVP, welcher er 1978 beitrat. Für die Nationalratswahlen 1979 kandidierte er für die SVP und wurde mit einem sehr guten Ergebnis gewählt. Er erhielt 56'235 Stimmen und vertrat fortan den Kanton Bern in der grossen Kammer. 1984 wurde er zum Präsidenten der SVP gewählt.
Für die Bundesratswahlen von 1987 konnte sich Adolf Ogi parteiintern im Zentralvorstand gegen den Regierungsrat Peter Schmid, den Bruder des späteren Bundesrates Samuel Schmid, durchsetzen und wurde von der Partei als Kandidat nominiert. Im ersten Wahlgang der Wahlen vom 9. Dezember 1987 erreichte Ogi 114 der für das absolute Mehr notwendigen 121 Stimmen. Einige bürgerliche Politiker wählten Ogi nicht im ersten Wahlgang, um ihn für sein Verhalten bei Otto Stichs Wahl zu bestrafen. Damals hatte er sich für die Kandidatin Lilian Uchtenhagen eingesetzt. Einige seiner Kontrahenten waren auch der Meinung, nur acht Jahre Politik seien zu kurz, um gleich Bundesrat zu werden. Im zweiten Wahlgang wurde Ogi dann mit 132 Stimmen zum Nachfolger von Leon Schlumpf gewählt.
Als Bundesrat
Nach seiner Wahl in den Bundesrat verstummten die meisten Attacken gegen seine Person.
Von 1988 bis 1995 stand er dem Eidgenössischen_Verkehrs-_und_Energiewirtschaftsdepartement vor. Nach eigener Aussage liebte er diese Aufgabe. Seine grösste Aufgabe in diesem Departement war die NEAT, welche damals dem Volk zur Abstimmung vorgelegt wurde und für die er mit grossem Elan warb. Die Abstimmung gewann Ogi klar, das Projekt kam aber durch die damit verbundenen Kosten immer mehr in die Kritik. Vor allem der Finanzminister Otto Stich setzte sich dafür ein, dass die NEAT finanzierbar wurde. Schliesslich musste Ogi zugeben, dass die Kosten bei der Abstimmung beschönigt worden waren.
Seine grösste Niederlage war wohl die Annahme der Alpeninitiative am 20. Februar 1994 durch das Volk. Die Initiative forderte den Verlad des Verkehrs auf die Schiene und ein Stopp des Ausbaus von Transitstrassen. Ogi erwies sich nach dieser Abstimmung als schlechter Verlierer. Deshalb forderten immer mehr Leute, vor allem auch das Initiativkomitee, einen Rücktritt Ogis als Verkehrsminister.
Am 1. Oktober 1995 musste Ogi durch einen Beschluss des Gesamtbundesrates gegen seinen Willen das nach Ende des Kalten_Krieges nur noch wenig prestigeträchtige Militärdepartement übernehmen, welches 1997 zu "Eidgenössisches Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport" (VBS) umbenannt wurde. Er zeichnete sich in dieser Zeit verantwortlich für den Beitritt der Schweiz zum NATO-Programm Partnerschaft für den Frieden. Auch sorgt er 1999 für die Entsendung von schweizerischen Soldaten "Swisscoy" nach Kosovo. In dieser Angelegenheit zog der Bundesrat den Zorn Christoph Blochers und dessen Aktion für eine unabhängige Schweiz (Auns) auf sich. "Wollen Sie, dass Ihr Sohn im Sarg zurück kommt?", hiess es auf Werbeplakaten der Blocher-Anhänger, ergänzt durch Kriegsbilder.
Ogi plante eine drastische Reduzierung des Armeebestandes und setzte seine Soldaten oft für Aktionen wie die Beseitigung von Unwetterschäden oder Sicherung von Kongressen ein. Während Ogis Zeit im VBS ereigneten sich die Affären Nyffenegger und Bellasi.
1998 liess sich Adolf Ogi zum Präsidenten der Olympiakandidatur Sion 2006 wählen. Er investierte viel Zeit und Elan für die Kandidatur. In einem stark kritisierten Entscheid gewann dann jedoch Turin vor dem Favoriten Sion die Olympischen_Winterspiele_2006.
Adolf Ogi war Bundespräsident in den Jahren 1993 und 2000 und Vizepräsident in den Jahren 1992 und 1999.
Nach der Zeit als Bundesrat
Am 18. Oktober 2000 gab Adolf Ogi seinen Rücktritt als Bundesrat per Ende Jahr bekannt. Nach seinem Rücktritt übernahm er bei der UNO ein Mandat als Sonderberater für Sport im Dienste von Entwicklung und Frieden. Er ist dabei direkter Berater des UNO-Generalsekretärs. In dieser mit einem symbolischen Dollar pro Jahr entlöhnten Tätigkeit engagiert er sich stark für das Internationales Jahr des Sports, welches von der UNO für 2005 ausgerufen wurde. Ihm wurde im Jahr 2005 von der Universität Bern der Ehrendoktor der Philosophisch-humanistischen Fakultät verliehen. Ogi kündigte Anfang 2006 an, nach dem Ausscheiden von Kofi Annan aus dem Amt des UNO-Generalsekretärs Ende 2006 nicht mehr als Sonderbotschafter für Sport zur Verfügung zu stehen.
Privat
Seine Eltern sind Adolf und Anna Ogi, geborene Wenger. Sein Vater Adolf war Förster und Bergführer sowie Gemeinderat, Präsident der Schulkommission, Gemeindepräsident und Gemeindekassier in Kandersteg. Am 12. Mai 1972 heiratete Ogi seine Frau Katrin, geborene Marti. Zusammen haben sie zwei Kinder, Matthias Adolf und Caroline.
Literatur
* Urs Zurlinden: Der Ogi. Werd Verlag Zürich 2001 ISBN 3-85932-352-0
* Josef Aufdemstroh: Adolf-Ogi-Witze und Anekdoten. Schwarz Walter ISBN 3-9521927-1-6
Helmut Hubacher: Ogi - Macht und Ohnmacht. Verlag Opinio 2001 ISBN 3-03-999000-4
Siehe auch
Weblinks
*
• ?Auf die Barrikaden? ? Interview mit Adolf Ogi
* un.org: [http://www.un.org/themes/sport/ogi.htm Special Adviser on Sport for Development and Peace: Adolf Ogi] (englisch)

