Adolf Kußmaul
Adolf Kußmaul (22. Februar 1822 in Graben bei Karlsruhe; ? 28. Mai 1902 in Heidelberg) war ein deutscher Arzt und medizinischer Forscher, außerdem Mit-Urheber des Begriffs ?Biedermeier?.
Leben
Adolf Kußmaul wurde in eine Arzt-Familie geboren: Sowohl sein Vater als auch der Großvater waren Ärzte. Nach dem Schulbesuch in Mannheim und Heidelberg begann er 1840 an der Universität Heidelberg das Medizinstudium. 1846 legte er das Staatsexamen ab und wurde Assistent von Karl von Pfeufer. Die Jahre 1847 und 1848 verbrachte er mit weiteren Studien in Wien und Prag. Danach diente er zwei Jahre lang als Militärarzt der Badischen Armee im Krieg gegen Dänemark. Er verließ 1849 die Armee und betrieb bis 1853 in Kandern (Schwarzwald) eine Praxis. Dort heiratete er 1850.
Aus Gesundheitsgründen konnte er die Praxis nicht weiterführen. So ging er nach Würzburg ? weil Rudolf Virchow hier lehrte ?, um an seiner Dissertation zu arbeiten. 1855 wurde er in Würzburg Doktor der Medizin und im gleichen Jahr habilitierte er sich in Heidelberg.
Zwei Jahre später, 1857, wurde er außerordentlicher Professor in Heidelberg. 1859 nahm er einen Ruf nach Erlangen an und wurde dort Vorsitzender des Bereichs Innere Medizin. 1863 ging er in derselben Funktion nach Freiburg im Breisgau und 1876 nach Straßburg. Im Jahre 1886 wurde Kußmaul emeritiert und lebte fortan in Heidelberg. Hier wurde er Geheimer Rat und Ehrenbürger von Heidelberg.
Verdienste
Er leistete zahlreiche fundierte Beiträge auf vielen Gebieten, u. a. zur Psychologie, Physiologischen_Chemie, Pathologie und Neurologie, außerdem entwickelte er einige wertvolle diagnostische und therapeutische Verfahren. Hervorzuheben sind seine
* Beschreibung der besonderen Atmung bei diabetischem_Koma, noch heute als Kussmaul-Atmung bekannt
* Magenpumpe zur Behandlung der Magenausgangsstenose (-Verengung)
* Operationsmethode der Magenausgangsstenose
* Entnahme von Magensaft zur Untersuchung
* Versuche zur Magenspiegelung
* Beschreibung der paradoxen Pulse bei Perikarditis (Kussmaul-Pulse)
* Beschreibung der Kußmaul-Maier-Krankheit (Arterienerkrankung)
Zusammen mit seinem Studienfreund Ludwig Eichrodt erfand er die Figur des schwäbischen Dorflehrers Gottlieb Biedermeier, ein Mensch, dem nach ihrer Charakterisierung ?seine kleine Stube, sein enger Garten, sein unansehnlicher Flecken und das dürftige Los eines verachteten Dorfschulmeisters zu irdischer Glückseligkeit verhelfen?. Nach dieser Figur wurde später eine ganze Epoche benannt.
Bibliographie
* Die Farbenerscheinungen im Grunde des menschlichen Auges. K. Groos, Heidelberg 1845.
Eine wichtige Beschreibung von Farberscheinungen im Augenhintergrund. Für diese Arbeit erhielt er die Karl-Friedrich-Medaille der Universität Heidelberg.
* Untersuchungen über den Einfluss, welchen die Blutströmung auf die Bewegungen der Iris und andrer Theile des Kopfes ausübt. Inaugural-Dissertation (Doktorarbeit). Verhandlungen der physikalisch-medicinischen Gesellschaft in Würzburg.
* Zwei Fälle tödtlich abgelaufender Chloroformbetäubung, von welchen der eine Gegenstand gerichtlicher Untersuchung geworden ist. In: Deutsche Zeitschrift für die Staatsarzneikunde. Erlangen, 1853, 1: 451?456.
* Untersuchungen über Ursprung und Wesen der fallsuchtartigen Zuckungen bei der Verblutung, sowie der Fallsucht überhaupt. Mit A. D. Tenner. Frankfurt am Main 1857.
* Von dem Mangel, der Verkümmerung und der Verdoppelung der Gebärmutter, von der Nachempfängnis und der Ueberwanderung des Eies. Würzburg 1859.
* Untersuchungen über das Seelenleben des neugeborenen Menschen. Programm usw. Leipzig 1859; 2. Auflage, Tübingen 1884.
* Untersuchungen über den constitutionellen Mercurialismus und sein Verhältniss zur constitutionellen Syphilis. Würzburg 1861.
* Ueber die Behandlung der Magenerweiterung durch eine neue Methode mittelst der Magenpumpe. Rede anlässlich eines Geburtsfestes. Universitäts-Buchdruckerei von H. M. Poppen, Freiburg im Breisgau, 1869.
Deutsches Archiv für klinische Medicin, Leipzig, 1869, 6: VI + 636. eller: 455-500.
* Zwanzig Briefe über Menschenpocken - und Kuhpockenimpfung. Freiburg 1870.
* Zur Lehre von der Tetanie. In: Berliner klinische Wochenschrift 1872, 9: 441?444.
* Über die fortschreitende Bulbärparalyse und ihr Verhältniss zur progressiven Muskelatrophie. Leipzig 1873.
* Die Störungen der Sprache. Versuch einer Pathologie der Sprache. F. C. W. Vogel, Leipzig 1877; 3. Auflage, 1885.
* Dr. Benedict Stilling. Eine Gedächtnissrede. Straßburg 1879.
[Benedikt Stilling, deutscher Anatom und Chirurg, 1810-1879]
* Aus meiner Dozentenzeit in Heidelberg. Hrsg. von V. Czerny. Stuttgart 1903. 3. und 4. Auflage, München/Berlin 1925.
* Jugenderinnerungen eines alten Arztes. Stuttgart 1899. 9. Auflage, 1912. 14.-18. Auflage, Stuttgart 1923. 20. Auflage, München 1960.
Weblinks
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