Adobe Premiere
Premiere ist ein kommerzielles Film- und Adobe Systems.
Wie alle Computerfilmschnittprogramme arbeitet Premiere non-linear, es muss also nicht chronologisch gearbeitet werden. Des Weiteren sind alle vorgenommenen Bearbeitungen und Änderungen non-destructive, sie können also jederzeit rückgängig gemacht werden.
Premiere verwendet eine ähnliche Benutzeroberfläche wie auch andere Programme von Adobe, etwa Photoshop; somit können sich Nutzer, die bereits mit anderen Adobe-Programmen vertraut sind, schnell in die Bedienung einarbeiten. Weitere Vorteile des Programms sind umfangreiche Werkzeuge für das Kürzen von Videoclips und ein guter Generator für Schrifttitel. Nachteilig sind die mangelnde Stabilität und die nicht immer professionellen Ansprüchen genügenden Effekte.
Premiere unterstützt alle gängigen Videoformate inklusive DV in PAL oder NTSC und High Definition Video. Zielgruppe des Programms waren bisher ambitionierte Amateure, Multimediagestalter und kleinere Videostudios wie beispielsweise Hochzeitsfilmer.
Versionsgeschichte
Premiere 1.0 begann Anfang der 1990er Jahr als Nischenprodukt, da normale Heimcomputer mit der Nachbearbeitung und sogar dem reinen Abspielen von Videos, selbst in geringer Auflösung, überfordert waren. Erst ab 1995 mit Verbreitung des Intel Pentium, Arbeitsspeicher ab 16 MB und Festplatten mit mehreren Gigabyte Kapazität und ausreichender Datentransferrate wurde Videobearbeitung mit VHS- bzw. später auch S-VHS-Qualität mit einem PC möglich.
Premiere wurde in dieser Zeit sowohl als Vollversion als auch in einer stark eingeschränkten Light-Version (Premiere LE) im Bundle mit Videodigitalisierungskarten verkauft. Hier war ein preisgünstiges Upgrade auf die Vollversion möglich. So kam es zu der Situation, dass die LE-Version mit der Einbaukarte zusammen mit dem Upgrade billiger war als die einzeln zu kaufende Vollversion ohne Karte.
Ab 1994 wurde die Version 4 (später 4.2) verkauft, die im Amateur- bzw. Multimediabereich nahezu monopolartig verbreitet war. Diese Version zeichnete sich durch außergewöhnlich hohe Stabilität aus. Sie blieb bis 1998 unverändert. Zu diesem Zeitpunkt war sie völlig veraltet und an neue Entwicklungen wie DV-Kameras, CD-Brenner und Internet nicht angepasst. Ein neueres Konkurrenzprodukt der taiwanesischen Firma Ulead, Media Studio Pro 5.0, mit einfacherer Bedienung und besseren Effekten, aber auch mit modernerem Oberflächendesign nahm Premiere erhebliche Marktanteile ab.
Adobe sah sich gezwungen, in großer Eile eine neue Version zu programmieren, um sie noch auf der CeBIT 1998 vorstellen zu können. Premiere 5.0 lief deshalb so extrem instabil, dass eine kontinuierliche Arbeit mit dem Programm unmöglich war. Im Abstand weniger Wochen wurden drei Updates herausgebracht, erst durch das dritte war eine zumindest ausreichende Absturzsicherheit erreicht. Das Renommee Adobes als Softwarehersteller war allerdings zu diesem Zeitpunkt erheblich beschädigt. Obwohl in der Folgezeit der Quellcode bei weiteren Versionen laut Adobe komplett neu programmiert wurde, blieb Premiere immer latent instabil, eine Eigenschaft, die in milderer Form allerdings viele Videoschnittprogramme haben.
Da mit besseren Heimcomputern und der Verbreitung von DV-Kameras die Videobearbeitung am Computer unkomplizierter wurde, hatte sich Premiere Ende der 1990er Jahre mit zunehmender Konkurrenz auseinanderzusetzen, zumal das damalige erhältliche Premiere 6.5 noch keine Möglichkeit bot, DV-Filme im RAW Format direkt von einem Camcorder ohne Umwege über den verlustbehafteten AVI Codec in Premiere zu importieren, danach zu bearbeiten und anschließend in das für DVDs gängige MPEG-2 Format zu konvertieren. Für letzteres waren Plugins von Fremdherstellern notwendig. Des Weiteren fehlte der Version 6.5 noch die Möglichkeit, die Filme im YCbCr-Farbmodell zu bearbeiten.
Adobe richtete das Programm weg vom Billigsegment hin zum Einsatz im Multimediabereich und bei kleineren Videoproduzenten aus. Um diesen Anspruch im Marketing zu unterstreichen, wurde Premiere ab der Version 7.0 in Premiere Pro 1.0 umbenannt, die aktuelle Version Premiere Pro 2.0 entspricht also Premiere 8.0.
Da keine gravierenden Änderungen bei den Prinzipien der Videonachbearbeitung in Sicht sind, versucht Adobe seit Jahren, neue Versionen durch Umgestaltung der Benutzeroberfläche zu begründen. Seit Premiere 6 gibt es kostenpflichtige Versionssprünge um jeweils 0.5, und die Versionen unterscheiden sich weniger funktionell, dafür aber vor allem optisch voneinander. Im Wesentlichen werden bereits vorhandene Werkzeuge und Funktionen in neuen Fenstern untergebracht und in neuen Oberflächendesigns verschoben. Größere Änderungen waren neue Exportfunktionen, z. B. für DVD. Mit Premiere 6.5 wurde außerdem nach harscher Kritik von Benutzern die völlig veraltete Titelfunktion erneuert, die bis dahin auf dem Stand von 1991 stehen geblieben war.
Premiere leidet traditionell darunter, dass Adobe durch Zukauf noch eine zweite Videobearbeitungssoftware besitzt, After Effects. Damit sich die beiden Programme unterscheiden und sich keine Konkurrenz machen, wurde immer After Effects dem Namen entsprechend stark effektlastig ausgelegt, während Premiere in diesem Bereich hinterherhinkt. In den letzten Versionen ist sogar zu beobachten, dass Premiere als eine Art Abfallkorb für After Effects funktioniert und Effekte mit einigen Jahren Verspätung auch in Premiere auftauchen. Dafür bietet Premiere zahlreiche Werkzeuge zum Kürzen von Videoclips.
Die aktuelle Version CS3 benötigt erhebliche Hardware-Ressourcen, empfehlenswert sind PCs mit 3 Gigahertz Prozessorleistung oder besser.
Nach Apples Veröffentlichung der eigenen Filmschnittsoftware Final Cut Pro hatte Adobe die Entwicklung von Premiere für Mac OS für vier Jahre eingestellt, doch seit Version CS3 ist auch eine Mac-Version verfügbar, die allerdings nur auf Mac OS X läuft.
In der professionellen Film- und Fernsehproduktion nimmt die Verbreitung von Adobe Premiere seit der Version CS1.5 und vor allem seit der Version Premiere Pro CS2.0 explosionsartig zu.
Weblinks
• Adobe Premiere
• Tipps zu Adobe Premiere
• Englischsprachiges User-Forum

