Antidiuretisches Hormon
Das Antidiuretische Hormon (ADH) wird auch als Adiuretin bezeichnet. Die alte Bezeichnung für das Hormon ist Vasopressin, da es auch stark gefäßverengend wirkt.Produktion
ADH wird in einem Kerngebiet (Nucleus supraopticus) des Hypothalamus (ein Teil des Zwischenhirns) von Nervenzellen produziert. Es entsteht aus einem 143 Aminosäuren langen Prohormon, von dem auch Neurophysin II und Copeptin abstammen, die beide vermutlich beim Transport von ADH eine Rolle spielen.
Physiologie
ADH wirkt hauptsächlich auf zwei Arten:
#Als peripheres Hormon: Hierzu wird es entlang des Hypophysenstiels axonal (Tractus supraopticohypophysialis) transportiert, in Vesikeln des Hypophysenhinterlappens gespeichert und bei Bedarf direkt in das Blut abgegeben, wo es in extrem niedriger Konzentration wirksam ist: die Niere spricht bereits auf einige Milliardstel Gramm des Hormons an.
#Als zentrales Neuropeptid: Hier ist es in die Regulation der Adrenohypophyse und zentraler Wege des autonomen_Nervensystems involviert wie auch in Verbindungen zwischen limbischem_System und Hypothalamus. Hier wird es vermehrt bei Fieberreaktionen ausgeschüttet und begrenzt diese (über den V1-Rezeptor). (Aus diesem Grunde findet man bei hochentzündlichen Krankheitsbildern wie z.B. Lungenentzündungen häufig eine Hyponatriämie).
Peripher ist das antidiuretische Hormon ein Dursthormon. Bei Wassermangel im Organismus wird das Blutserum hyperton. Das wird von den Osmorezeptoren im Hypothalamus festgestellt, die wiederum die Freisetzung von ADH aus der Neurohypophyse veranlassen. ADH wird über das Blut zu den Epithelzellen des Sammelrohrs in der Niere transportiert. Diese Zellen sind normalerweise für Wasser nicht durchlässig und verhindern so die Rückresorption von Wasser aus dem Harn. ADH koppelt nun an membranständige Rezeptoren, die im Inneren der Zelle eine Freisetzung von Calcium auslösen, was wiederum zum Andocken von Vesikeln, die Aquaporine (AQP2) beinhalten, an die Zellmembran führt. Die Aquaporine werden in die Zellmembran eingebaut, diese wird dadurch durchlässig für Wasser, das osmotisch aus dem Harn zurück ins Blut gesaugt wird.In der Niere bewirkt es so eine vermehrte Rückresorption von Wasser aus dem Primärharn des Sammelrohrs.
Ferner wirkt das antidiuretische Hormon gefäßverengend. Beide Wirkungen erhöhen den Blutdruck.
Normalwerte
12 Stunden vor der Blutabnahme muss eine Alkohol-, Nikotin-, Coffein-Karenz und 48 Stunden zuvor Medikamenten-Karenz eingehalten werden.
Die Bestimmung erfolgt aus mindestens 4.0 mL, tiefgefrorenem EDTA Plasma mittels Radioimmunoassay (RIA).
*Blut:normal 2,9 ± 1,0 pg/ml für Erwachsene
**andere Angaben: 2,0 - 8,0 pg/ml
• Indirekte Abschätzung der Serumosmolalität mit folgender Formel:
**Osmolalität [osmol/kg = 1,86 x Na+ [mmol/l] + Glucose [mmol/l] + Harnstoff [mmol/l] + 9
oder
**Osmolalität [osmol/kg] = 2 x (Na+ [mmol/l]+ K+ [mmol/l]) + Glukose / 18 [mg/dl] + Harnstoff / 6 [ mg/dl]Der Referenzbereich für die Osmolalität im Serum liegt bei 280-310 mosmol/kg. Die Werte für 24-Stunden-Urin liegen bei 50-1200 mosmol/kg.
*Urinosmolalität: normal nach 12stündigem Dursten = 3fache der Serumosmolalität, das entspricht 800-900 mosmol/kg
Pathophysiologie
Bei ADH-Mangel kommt es zu einem starken Wasserverlust, dem Diabetes insipidus centralis. Bei Mangel oder Mutation des V2-Rezeptors an der Niere entstehen die gleichen Symptome jedoch spricht man dann vom Diabetes insipidus renalis. Beides kann zu einem unkontrollierten Wasserverlust von bis zu 20 Litern pro Tag führen.
Überproduktion und Unterproduktion
Beim Syndrom der inadäquaten ADH Sekretion (SIADH, Überproduktion) kommt es zur verminderten Wasserausscheidung und zu einer Hyponatriämie. Dieses Syndrom kann sich bei Lungenkrebs einstellen, dessen Zellen vermehrt und unangemessenerweise ADH oder ADH-ähnliche Stoffe produzieren.
Bei Unterproduktion trinkt man übermäßig viel (ab 4 Liter bis zu 12 Liter pro Tag, Polydipsie = vermehrter Durst) und scheidet 5 bis 25 Liter Harn aus. Man muss deshalb vermehrt und häufiger Urin lassen (Polyurie).
Therapie
Der Diabetes_insipidus_centralis kann durch die Gabe von ADH behandelt werden.
ADH als Arzneistoff
Vasopressin wird als stark blutdrucksteigernde Substanz auch erfolgreich bei der Reanimation eines Patienten mit Herzkreislaufstillstand eingesetzt. Die Hoffnungen, die in Vasopressin als Alternative zu Adrenalin gesetzt wurden, haben sich jedoch bis jetzt nicht erfüllt. Mehrere große randomisierte Studien konnten keinen Überlebensvorteil bei der Gabe von Vasopressin (40 IU einmalig) nachweisen. Da die Datenlage insgesamt jedoch als ungenügend bewertet wird, gibt es in den aktuellen Reanimationrichtlinien weder eine Empfehlung für noch gegen die Gabe von Vasopressin. In der praktischen preklinischen Reanimation wird daher kein Vasopressin eingesetzt.
Alkohol
Trink-Alkohol (Ethanol) hemmt die Produktion von Vasopressin (ADH), das im Körper dafür verantwortlich ist, das Wasser zurückzuhalten.
Das ist der Grund dafür, dass man nach ausgiebigem Alkoholkonsum häufiger die Toilette aufsucht. Flüssigkeitsmangel führt zu Kopfschmerzen und zum "Nachdurst", sobald die Hemmung des ADHs durch Ethanol nachlässt.
Nikotin
Nikotin führt im Gegensatz zu Alkohol zu vermehrter ADH-Sekretion.
Weblinks
* http://www.aerzteblatt.de/v4/news/news.asp?id=15002
* http://www.med.uni-magdeburg.de/~cschulz/lectures/neuroendocrinology/hpa/sld021.htm

