Adam Tanner
Adam Tanner (14. April 1572 in Innsbruck, ? 25. Mai 1632 in Unken bei Salzburg) war ein Jesuit, Theologe der Gegenreformation, Professor der Theologie und Hexentheoretiker.Leben
Sein Vater hieß Christoph Tanner, seine Mutter Margarethe, geborene Kastl (Castl). Er besuchte das Gymnasium in Innsbruck und studierte dann an der Universität Dillingen und Landsberg.
Am 6. Oktober 1590 schloss er sich den Jesuiten an. Tanner studierte Philosophie und Theologie. Er beschäftigte sich auch mit den Sonnenflecken und Kometen, wobei er gegen das kopernikanische System war. Ein Werk Tanners richtet sich gegen die Astrologie.
1591 trat er in den Jesuitenorden ein. Adam Tanner wirkte 34 Jahre lang als Professor der Theologie in München, 1603 in Ingolstadt, Dillingen, Prag und 1618 in Wien durch Einladung von Kaiser Matthias.
Mit Jakob Gretser nahm er 1601 am Regensburger Religionsgespräch teil, an dem er besonderen Anteil hatte. 1627 wurde er auf Vorschlag von Kaiser Ferdinand II. zum Kanzler an der Universität in Prag bestellt.
Hauptwerke sind die »Universa Theologica scholastica« (1626-1627) und die »Dioptra fidei« (Richtschnur in Glaubenssachen).
Er starb in dem Dorf Unken bei Salzburg. Das Grab ist seit einem Umbau der Kirche nicht mehr auffindbar. Der Legende nach hatten die Dorfbewohner ihm vorerst ein christliches Begräbnis verweigert, weil in seinem Nachlass ein Mikroskop mit einem kleinen haarigen Insekt gefunden wurde, das so aussah wie ein "Glasteufel". Das Mikroskop hatte er von P. Christoph Scheiner erhalten.
Auf dem Mond wurde der Tannerus_Krater nach ihm benannt.
Hexentheoretiker
Als Hexentheoretiker gilt er als Vorläufer von Friedrich Spee.
Sein Buch Universa Theologia Scholastica (1627) brach als erstes in die Reihen der Verfolgungsbefürworter der katholischen Kirche ein. Er bejahte zwar die Existenz von Hexen, hielt aber ihre Bestrafung aus Gründen der nicht eindeutigen Beweisbarkeit für unmöglich.
In der 5. Disputatio des ersten Bandes 1599 erörtert er die Frage, "was von der Versetzung der Hexen nach ihren Sammelplätzen zu halten sei". Dieses erklärt er für ganz unmöglich. Diesbezügliche Geständnisse aus Hexenprozessen führt er auf Träume oder Sinnestäuschungen zurück.
Die Dämonen könnten auch nicht von sich aus durch angebliche Zauberer Menschen und Tieren schaden - ausgenommen durch Gift.
In der 4. Disputatio des dritten Bandes verlangt er, dass aus einem Hexenprozess keine Gefahr für Unschuldige erwachsen dürfe. Er verlangt, dass bis zum Beweis des Gegenteils von der Unschuld der Angeklagten aus zu gehen sei. Geständnisse unter der Folter dürften keine Begründung für einen Urteilsspruch sein.
Denunziationen wegen Hexerei dürften nicht zur Folter oder Verurteilung von Menschen führen, die bisher unbescholten waren. Dies begründet er mit der "Vernunft". Er forderte klare Bestimmungen für die Prozessführung, um der Willkür der Richter entgegenzuwirken. Die oftmals ungebildeten Angeklagten müssten Verteidiger erhalten.
Den Geistlichen machte es Tanner zur Pflicht, dass sie die Richter benachrichtigten, wenn sie von der Unschuld eines Angeklagten überzeugt seien.
Er fordert "geistliche Mittel", um prophylaktisch gegen Zauberei vorzugehen: fester Glaube an Gott, Gebet, Gebrauch der Sakramente, werktätige Liebe.
Aber seine Forderungen brachten Tanner mannigfache Anfeindungen ein. So drohten ihm erboste Inquisitoren selber die Folter an.
Bibliographie
*Theses theologicae ..., Ingolstadt 1595
*Disputatio theologica de verbo Dei scripto et non scripto, ..., München 1599
*Gründtlicher, ausführlicher Bericht von dem Anfang, Fortgang und Endschaft dess Regenspurgischen Colloquii, so Anno 1601 zwischen den Catholischen eins und der Augspurgischen Confessio zugethanen Theologen anderntheils..., München 1602
*Apologeticus Adami Tanneri Societatis Iesu Theologi. Pro compendiaria relatione de Colloquio Ratisbonense, anni 1601 ..., Mainz 1603
*Disputatio theologica de divina gratia. ..., Ingolstadt 1605
*Defensionis Ecclesiae Libertatis Libri duo: contra Venetae causae Patronos, ..., Ingolstadt 1607
*Anatomiæ confessionis augustanæ, Ingolstadt 1613
*Astrologia sacra, Ingolstadt 1615
*Apologia pro Societate Iesu ex Bohemiae regno: Ab eiusdem regni statibus religionis sub utraque publico decreto immerito proscripta, Wien 1618
*Adam Tanneri e Societate Jesu Theologi, Dissertatio Peripatetico-Theologica, de Coelis. In qua de Coelorum ortu, interitu, substantia, accidentibus, novis Phaenomenis, ..., Ingolstadt 1621
*Universa theologica scholastica, Ingolstadt 1627
Literatur
*Soldan/Heppe, Geschichte der Hexenprozesse, Reprint der Originalausgabe von G.Müller, München 1911, Bd. 2, S.177 ff
*Karl Rahner, Vergessenes Jubiläum für Tirol: Wer war Adam Tanner?, in: Neue Tiroler Zeitung, Innsbruck 1983, Nr. 198, 9
*Franz Daxecker, Der berühmte Innsbrucker Jesuit Adam Tanner, in: Tiroler Heimatblätter 2, 1999, 60-62; LThK, 9, 2000, 1252f.
*Johannes Dillinger, Adam Tanner und Friedrich Spee. Zwei Gegner der Hexenverfolgung aus dem Jesuitenorden, in: Spee Jahrbuch, 6 (2000), S. 31-58
*Ludwig Rapp, Die Hexenprozesse und ihre Gegner aus Tirol, Brixen 1891 oder Innsbruck 1874
*Hansjörg Rabanser, Die Hexenverfolgungen in Tirol. Verlauf - Prozessbiographien - Interpretation, phil. Diss. Innsbruck 2005
*Hansjörg Rabanser, Hexenwahn. Schicksale und Hintergründe. Die Tiroler Hexenprozesse, Haymon-Verlag, Innsbruck 2006
Weblinks
• Catholic encyclopedia
• Bautz
* http://www.ingolstadt.de/stadtmuseum/scheuerer/ausstell/sj-hexen.htm
• 100 ausgewählte Autoren, Tirolensia Latina, Geschichte der lateinischen Literatur in Tirol, Universität Innsbruck, Institut für Sprachen und Literaturen

