Adam Müller-Guttenbrunn
Adam Müller-Guttenbrunn, eigentl. Adam Müller (22. Oktober 1852 in Guttenbrunn/Banat im Kaisertum Österreich, heute Zabrani in Rumänien; ? 5. Januar 1923 in Wien), war ein österreichischer Schriftsteller und Kulturpolitiker deutschnationaler Färbung, der gegen Ende des 19. Jahrhunderts großen Einfluss auf die Wiener Theaterkultur hatte.
Leben
Müller-Guttenbrunn stammte aus dem Kreis der Banater Schwaben, einer deutschsprachigen Minderheit im Banat. Als uneheliches Kind eines Bauern und einer Wagnerstocher sowie als Angehöriger einer sprachlichen Minderheit war er in vieler Hinsicht sozial benachteiligt, was ihn zu einer Karriere anspornte, wie sie zu Beginn des Jahrhunderts noch nicht möglich gewesen wäre. Er besuchte deutschsprachige Schulen in Guttenbrunn und Temeswar und betätigte sich in verschiedenen Berufen.
Ähnlich wie auch viele jüdische Menschen im Osten Europas am Ende des Jahrhunderts strebte er nach Wien, das als Zentrum der Deutschsprachigen galt. Sein Scheitern im Gymnasium führte er auf die Einführung der ungarischen Sprache im Zuge des Österreichisch-Ungarischen_Ausgleichs zurück. 1870 kam er nach Wien, betätigte sich als Telegrafist in Linz und Bad Ischl, bildete sich als Autodidakt und verfasste Theaterstücke, die den Beifall des Burgtheater-Direktors Heinrich Laube fanden. So konnte er 1879 endgültig nach Wien übersiedeln.
Seine Schrift Wien war eine Theaterstadt (1880), die gegen die Wiener Operette polemisierte und ihr das Volksstück eines Ferdinand Raimund entgegenhielt, beschwor erfolgreich eine scheinbar verlorene Zeit des Volkstümlichen im Strudel der Urbanisierung. Im Anschluss an nostalgische Theaterveranstaltungen anlässlich der Internationalen Ausstellung für Musik- und Theaterwesen 1892 in der Wiener Rotunde gelang es Müller-Guttenbrunn, der eine geachtete Persönlichkeit im Wiener Kulturleben geworden war, seine konservativen Vorstellungen in die Tat umzusetzen.
thumb|Die_Wiener_Volksoper,_vormals_Kaiserjubiläums-Stadttheater
1893?1896 war er Direktor des neu gegründeten Raimundtheaters. 1898?1903 führte er das ebenfalls neu gegründete Kaiserjubiläums-Stadttheater. Beide Theater galten zunächst als Bastionen des Deutschen und des Volkstümlichen gegenüber einer scheinbaren Überfremdung durch ungarische, tschechische, jüdische Emanzipation in Wien. Dies ließ sich im Spielplan jedoch nicht längerfristig durchsetzen.
In der folgenden Zeit widmete er sich Heimat- und Kriminalromanen, die teilweise als historische Zeugnisse von Interesse sind. 1919?1920 war er Nationalrat der neuen Republik Deutschösterreich. Auf dem Wiener Zentralfriedhof erhielt er ein Ehrengrab.
Pseudonyme
*Ignotus
*Michl Vetter
*F. J. Gerhold
*Franz I. Gerhold
*Franz Josef Gerhold
Werke
* Im Banne der Pflicht (Drama), 1876
* Des Hauses Fourchambault Ende. Schauspiel in 5 Aufzügen. Breslau: Schottlaender, 1881
* Wien war eine Theaterstadt. Wien: Graeser, 1885
* Das Wiener Theaterleben. Leipzig/Wien: Spamer, 1890
* Irma. Schauspiel in 4 Akten. Dresden: Pierson, 1891
* Dramaturgische Gänge. Dresden: Pierson, 1892
* Die gefesselte Phantasie. Gelegenheitsschrift zur Eröffnung des Raimund-Theaters. Wien: Konegen, 1893
* Im Jahrhundert Grillparzers. Literatur- und Lebensbilder aus Österreich. Wien: Kirchner & Schmidt, 1893
* Deutsche Culturbilder aus Ungarn. Leipzig: Meyer, 1896
* Die Magyarin. Erzählung aus dem ungarischen Räuber-Leben. Leipzig, 1896
* Das Raimund-Theater. Passionsgeschichte einer deutschen Volksbühne. Wien: Neue Revue, 1897
* Gärungen-Klärungen. Wiener Roman. Wien: Österreichische Verlagsanstalt, 1903
* Streber & Comp. Schauspiel in 4 Akten. Dresden: Pierson, 1906
* Die Dame in Weiß. Ein Wiener Roman. Wien: Konegen, 1907
* Götzendämmerung. Ein Kulturbild. Wien: Akademie Verlag, 1908
* Curort Baden bei Wien. Wien: Reisser, 1909
* Der kleine Schwab`. Abenteuer eines Knaben. Leipzig: Staackmann, 1910
* Die Glocken der Heimat. Roman. Leipzig: Staackmann, 1911
* Es war einmal ein Bischof. Roman. Leipzig: Staackmann, 1912
* Der große Schwabenzug. Roman. Leipzig: Staackmann, 1913
* Arme Komödianten. Ein Geschichtenbuch. Leipzig: Staackmann, 1913
* Die Ährenleserin. Erzählung. Temesvar, 1913
* Das idyllische Jahr. Ein Sommerbuch. Leipzig: Staackmann, 1914
* Altwiener Wanderungen und Schilderungen. Wien: Schulbücherverlag, 1915
* Völkerkrieg! Österreichische Eindrücke und Stimmungen. Graz: Moser, 1915
* Österreichs Beschwerdebuch. Einige Eintragungen. Konstanz, 1915
* Barmherziger Kaiser! Roman. Leipzig: Staackmann, 1916
* Kriegstagebuch eines Daheimgebliebenen. Eindrücke und Stimmungen aus Österreich-Ungarn. Graz: Moser, 1916
* Wiener Historien. Konstanz, 1916
* Joseph der Deutsche. Ein Staatsroman. Leipzig: Staackmann, 1917
* Meister Jakob und seine Kinder. Roman. Leipzig: Staackmann, 1918
* Das häusliche Glück. Ein Familienbild in 3 Akten. Leipzig: Staackmann, 1918
* Deutsche Sorgen in Ungarn. Studien und Bekenntnisse. Wien: Strache, 1918
* Österreichs Literatur und Theaterleben. Wien, 1918
* Sein Vaterhaus. Roman. Leipzig: Staackmann, 1919
* Dämonische Jahre. Ein Lenau-Roman. Leipzig: Staackmann, 1920
* Die schöne Lotti und andere Damen. Ein Geschichtenbuch. Wien: Wiener literarische Anstalt, 1920
* Auf der Höhe. Ein Lenau-Roman. Leipzig: Staackmann, 1921
* Aus herbstlichem Garten. 5 Novellen. Leipzig: Staackmann, 1922
* Altösterreich (Roman), 1922
* Erinnerungen eines Theaterdirektors. Leipzig: Staackmann, 1924
* Der Roman meines Lebens. Aus dem Nachlass zusammengestellt von seinem Sohne. Leipzig: Staackmann, 1927
Literatur
*Richard S. Geehr: Adam Müller-Guttenbrunn and the Aryan Theater of Vienna, 1898-1903. The approach of cultural fascism. Göppingen: Kümmerle 1974. ISBN 387452227X
*Hans Weresch, Adam Müller-Guttenbrunn. Sein Leben, Denken und Schaffen, 2 Bände, Freiburg im Breisgau 1975.
Weblinks
• Meister Jakob und seine Kinder bei Gutenberg

