Aciclovir
Aciclovir ist ein Analogon der Nukleinbase Guanin. Es wird als Virostatikum gegen Herpesviren eingesetzt. Es wird unter verschiedenen Handelsnamen wie ACERPES, Acic, Acivir, Dynexan, Herpetad, Supraviran, Virupos, Virzin, Zoliparin, Zovirax (und diverse (andere) Generika mit Namen Aciclo...) vertrieben.Anwendung
In Deutschland ist Aciclovir in Apotheken als fünfprozentige Creme oder Salbe in Packungsgrößen bis zu 2 g ausschließlich zur Behandlung_des_Lippenherpes ohne ärztliche Verordnung erhältlich.
Bei leichter Blasenbildung (Lippenherpes) ist Aciclovir in lokal auftragbarer Salbe anwendbar. Bei schwerer Blasenbildung kann sie auch in Tablettenform gegeben werden; nach dem Einnehmen sollen die Blasen in der Regel austrocknen. Wichtig ist die Benutzung möglichst früh im Krankheitsverlauf; sobald die Infektion richtig ausgebrochen ist, kann meistens kaum mehr ein schnelleres Abheilen erreicht werden.
Wirkungsweise
Aciclovir ist ein sog. Antimetabolit. Das bedeutet, es hemmt in seiner aktiven (phosphorylierten) Form den Stoffwechsel der Zelle. Das besondere an Aciclovir ist nun, dass es nur in infizierten Zellen aktiviert wird. Es wirkt also nur da, wo es auch gebraucht wird, um das Virus an der Replikation zu hindern. Um sich zu vermehren, bringen Retroviren eine Reihe von eigenen Enzymen mit in die Zelle. Zu diesen Enyzmen gehören die virale Thymidinkinase und die Reverse Transkriptase. Die eigentliche Aufgabe der Thymidinkinase bei der Virusreplikation ist es, Phosphatgruppen an das natürliche, zelleigene Nukleosid Thymidin zu heften. Das so aktivierte Thymidin wird dann von der Reversen Transkriptase verwendet, um die Virus-DNA aufzubauen. Hier kommt der Trick von Aciclovir: Die virale Thymidinkinase erkennt Aciclovir als Thymidin und aktiviert es. Allerdings ist die aktivierte Form von Aciclovir für die virale DNA-Synthese unbrauchbar. Es kommt zum Kettenabbruch, und die Virusreplikation wird gestoppt.
Wissenschaftlich ausgedrückt klingt das so:
Aciclovir wird nur durch die virale Thymidinkinase in die Monophosphatform überführt. Dabei wirkt die virale Thymidinkinase weit (3000-mal) effektiver bei der Phosporylierung als die zelluläre Thymidinkinase. Anschließend wird die Monophosphatform durch die zelluläre Kinase in die aktive Triphosphatform, Aciclo-GTP, weiterphosporyliert. Wird Aciclo-GTP anstelle von GTP durch die Reverse Transkriptase des Retrovirus eingebaut, so führt dies unweigerlich zum Abbruch der Virus-DNA-Synthese, da beim Aciclo-GTP keine 3'-OH-Gruppe vorhanden ist, an die ein folgendes Desoxynucleotid-Triphosphat (dNTP) angeknüpft werden könnte. Aciclo-GTP hat eine ungefähr 100-mal höhere Affinität zur viralen reversen Transkriptase als zur zellulären DNA-Polymerase. Die Monophosphatform des Aciclovirs wird aber auch in die virale DNA eingebaut, was bei der Eiweißsynthese zum Kettenabbruch führt. Es wurde nachgewiesen, dass virale Enzyme Aciclo-GMP nicht aus der Kette entfernen können, was zur nachhaltigen Hemmung der DNA-Polymerase führt. Aciclo-GTP wird in der Zelle recht schnell metabolisiert, möglicherweise durch zelluläre Phosphatasen.
Pharmakokinetik
Der Einsatz von Aciclovir wird eingeschränkt durch die geringe Wasserlöslichkeit und die geringe Absorption bei oraler Verabreichung, die zu einer Bioverfügbarkeit von nur 20% führt. Bei oraler Verabreichung wird die Spitzenkonzentration im Serum nach 1-2 Stunden erreicht. Große Dosen müssen daher intravenös verabreicht werden. Aciclovir liegt im Blut zum großen Teil in freier Form vor; nur 30% sind an Transportproteine gebunden. Die Halbwertzeit des Aciclovirs beträgt ungefähr 3 Stunden. Aciclovir kann auch äußerlich angewendet werden bei der Behandlung von Herpesinfektionen der Schleimhäute, etwa Herpes genitale oder wiederkehrende Herpes labialis (Lippenbläschen). Vorbeugende Anwendung ist möglich und wird auch oft durchgeführt bei Patienten, die Immunsuppressiva erhalten, oder aber sich einer Strahlentherapie unterziehen oder unter wiederkehrenden genitale Infektionen von Herpes-Simplex-Viren leiden.
Stoffwechsel
Die Ausscheidung von Aciclovir findet über die Niere statt, teils durch glomeruläre Filtration, teils durch tubuläre Sekretion. Es sind Nierenprobleme bekannt geworden bei großen, schnell und intravenös verabreichten Dosen, weil dann Aciclovir in den Nieren auskristallisieren kann.
Nebenwirkungen
Da Aciclovir auch in die zelluläre DNA eingebaut werden kann, stellt es ein chromosomales Mutagen dar. Daher sollte es nicht während der Schwangerschaft verwendet werden. Trotzdem konnte bisher weder ein teratogener noch ein karzinogener Effekt nachgewiesen werden. Die akute Giftigkeit (LD50) von Aciclovir bei oraler Verabreichung liegt über 1 g/kg, dies wegen der geringen Absorption im Magen-Darm-Trakt. In Einzelfällen haben irrtümlich verabreichte, extrem hohe (bis zu 80 mg/kg) intravenöse Dosen keinerlei Nebenwirkung gezeigt. Die häufigsten Nebenwirkungen sind örtliche Irritationen an der Einstichstelle, Kopfschmerzen bei oraler Verabreichung und stechende und brennende Empfindungen bei äußerlicher Anwendung. Gegen Aciclovir entwickeln sich ziemlich schnell Resistenzen, was den klinischen Einsatz aber kaum beschränkt hätte. Am wahrscheinlichsten besitzen resistente Virusstämme Mutationen in ihrer Thymidinkinase oder ihrer DNA-Polymerase.
Weblinks
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• Aktuelle Ergänzungen zu Aciclovir

