Hyperhidrose
Als Hyperhidrose, grch. ???? (hypér) «noch mehr», «über» «über ... hinaus» und ????? (hidrós) «Schweiß» Wilhelm Gemoll, Karl Vretska: ?Griechisch-Deutsches Schul- und Handwörterbuch?, [http://www.oebvhpt.at Verlag Hölder-Pichler-Tempsky], 9. Auflage, ISBN 3-209-00108-1, wird eine übermäßige Schweißproduktion bezeichnet, die generalisiert oder lokal auftreten kann. Das Gegenteil ist eine Anhidrose.
Definition
Schwitzen hat eine lebenswichtige Funktion für unseren Organismus. Es dient der Regulation der Körpertemperatur und kühlt nicht nur die Haut, sondern auch das Innere des Körpers ab. Ca. 1-2% der Menschen in Deutschland leiden unter der Krankheit Hyperhidrose, bei der der Körper unabhängig von Wärme oder Kälte, Tages- oder Jahreszeit übermäßig und unkontrollierbar viel Schweiß produziert.
Was übermäßigen Schweiß darstellt, ist seitens der Betroffenen vom Leidensausmaß abhängig und damit der subjektiven Einschätzung unterworfen. Für wissenschaftliche Zwecke wird als Hyperhidrose die Produktion von 100 ml Schweiß innerhalb von 5 Minuten in einer Achselhöhle definiert.
Örtlich begrenzt tritt die Hyperhidrose hauptsächlich zu 60% an den Handflächen oder Fußsohlen, zu 40% in den Achselhöhlen, zu 10% am Kopf (vornehmlich der Stirn) und selten an anderen Körperstellen auf.
Ursachen
Lokale Hyperhidrose
Die örtlich begrenzte Schweißneigung ist in aller Regel ein essentielles (idiopathisches, genuines) Problem, d.h. dass keine andere Ursache angegeben werden kann als eine Überaktivität der Schweißdrüsen des betroffenen Gebiets.
Eine Ausnahme bildet die örtlich begrenzte Schweißbildung aufgrund gustatorischer Reize beim Frey-Syndrom (Lucja Frey, Neurologin, 1889-1942, Lemberg), das aufgrund einer Fehlfunktion des Nervus auriculotemporalis zustande kommt und bei dem somit eine Ursache angegeben werden kann.
Generalisierte Hyperhidrose
Eine gesteigerte generelle Schweißproduktion kann verschiedene Ursachen haben, so dass hier eine Abklärung gerechtfertigt ist.
Auslöser einer generalisierten Hyperhidrose ohne eigenen Krankheitswert können körperliche Anstrengung und das Schwitzen während des Abfieberns sein - beide im Sinne der Regulation der Körpertemperatur (Thermoregulation). Die bei Körperarbeit entstehende Wärme wird durch eine Erhöhung der Schweißproduktion abgeführt, beim Abfiebern entspricht die aktuelle Körperkerntemperatur (noch) nicht dem geforderten Sollwert, so dass auch hier die überschüssige Wärme an die Außenwelt abgegeben werden muss.
Mögliche Gründe für ein generalisiertes übermäßiges Schwitzen sind:
* eine hormonell bedingte Hyperhidrose
** das Klimakterium (die Wechseljahre)
** eine Hyperthyreose (Schilddrüsenüberfunktion),
* ein Hypopituitarismus (Hypophysenunterfunktion)
** ein Phäochromozytom (seltener u.a. adrenalinproduzierender Tumor),
** andere seltene Hormonstörungen
* unerwünschte Arzneimittelwirkungen (Hormone, Parasympathomimetika, Kortikoiden, Beta-Blocker, Salicylsäure u.a.)
* andere wie
* eine Hypoglykämie, z.B. als Symptom einer Zuckerkrankheit oder auch im Rahmen einer heutzutage nicht mehr üblichen Insulinschocktherapie
* chronische Infekte, Malignome,
Kreislaufstörungen wie eine orthostatische Hypotension
Übergewicht
* als neurologische Hyperhidrose
** bei Schädigung des Sympathikus (Verletzungen, Halsmarkerkrankung, Halsrippe) oder des Hypothalamus (als einem Ort der Thermoregulation) selbst
psychische_Probleme: In den meisten Fällen ist die Abgrenzung in Ursache oder Symptom schwer vorzunehmen. Die Schweißproduktion wird durch Stress (Ausschüttung von Adrenalin) zwar gesteigert, eine Hyperhidrose verursacht aber auch selbst schwerwiegende soziale Probleme und kann damit die Entstehung psychischer Störungen bedingen.
Als nächtliche Hyperhidrosis bezeichnet man ein übermäßiges Schwitzen während des Schlafes, das als mögliches Zeichen einer systemischen_Erkrankung wie einer Kollagenose, eines Lymphoms oder einer Tuberkulose ernst genommen werden sollte. Aber auch hier gilt, dass es schwierig ist, zwischen einem Schwitzen ohne und mit Krankheitswert zu unterscheiden. Als ein recht zuverlässiges Kriterium hierfür gilt, ob der Schlaf in seiner Qualität deutlich beeinträchtigt wird und man z.B. in der Nacht aufstehen muss, um Wäsche oder gar Bettlaken zu wechseln.
Bromhidrose
Als Bromhidrose oder Bromhidrosis wird ein übelriechender Schweiß bezeichnet, der Betroffene häufig unter hoher psychischer Belastung in die soziale Ausgrenzung (Stigmatisierung) führt und von jenem Körpergeruch abgegrenzt werden muss, der bei verschiedenen Aminosäurestoffwechselstörungen entstehen kann.
Therapie
Es gibt eine Vielzahl von Behandlungsmöglichkeiten, um übermäßiges Schwitzen zu reduzieren. Das Grundprinzip aller ist entweder das Deaktivieren der Schweißdrüsen oder das Verstopfen der Schweißkanäle.
• transthorakale Sympathektomie] (ETS): Diese minimal invasive Operation, die unter Vollnarkose durchgeführt wird, bessert die Symptome wohl signifikant, sollte allerdings aufgrund der möglichen Komplikationen (Pneumothorax, Horner-Syndrom, kompensatorisches Schwitzen anderer Hautareale, Rücken, Bauch, Schritt teilweise halbseitig) nur in ansonsten therapieresistenten Fällen durchgeführt werden. Insbesondere das kompensatorische Schwitzen ist eine sehr ernst zu nehmende Erscheinung. Diese ist, einmal aufgetreten, fast nicht behandelbar und tritt laut Literatur nach 6-15 Jahren in bis zu 85% aller Fälle auf. Bei der Sympathektomie werden Nervenganglien des sympathischen_Grenzstrangs nahe der Brustwirbelsäule mittels Hochfrequenzstrom zerstört bzw. der Grenzstrang durchtrennt oder abgeklemmt (Clipping). Damit lässt sich in der Großzahl der Patienten eine Hyperhidrose der Hände und des Gesichts, oft auch der Achselhöhlen, erfolgreich behandeln. Eine Behandlung der Füße erfordert eine Nervenblockade nahe der Lendenwirbel. Diese aufwändigere Operation erfordert eine Öffnung der Bauchhöhle und birgt hohe Risiken wie z.B. Impotenz.
• Subkutane]]' target='blank'> kann die Beweglichkeit der betroffenen Körperstellen beeinträchtigen, und es entstehen große sichtbare Narben. Hinzu ist das Ausschneiden des kompletten schwitzenden Areals oft nicht möglich. Diese Behandlungsmethode wird heutzutage nicht mehr verwendet.
• Aluminiumchlorid wird in den meisten Antitranspirantien]_verwendet,_aber_Menschen,_die_an_Hyperhidrose_leiden,_brauchen_eine_viel_höhere_Konzentration._Die_Aluminiumsalze_dringen_in_die_Schweißkanäle,_verbinden_sich_mit_dem_dortigen_Mundtrockenheit sein.
• Hyperhidrosis kann sich durch Fettleibigkeit verschlimmern, so dass Gewichtsverlust helfen kann. Jedoch schwitzen die meisten Leute mit Hyperhidrose aufgrund Fettleibigkeit nicht übertrieben.
*Meditation] und Entspannung: Entspannungstechniken sind mit beschränktem Erfolg versucht worden.
• Hypnose ist mit beschränktem Erfolg verwendet worden.Siehe auch: [[Schweißfuß]
Quellen
Fredman B, Zohar E, Shachor D, Bendahan J, Jedeikin R. Video-assisted transthoracic sympathectomy in the treatment of primary hyperhidrosis: friend or foe? [Surg Laparosc Endosc Percutan Tech. 2000]

