Accademia Romana
Accademia Romana ist die übliche Bezeichnung für die älteste und berühmteste römische Akademie der Renaissance, die von dem Humanisten Julius Pomponius Laetus um 1464 gegründet wurde. Sie wird auch nach ihm Accademia Pomponiana genannt zur Unterscheidung von anderen römischen Akademien, die im späten 15. und im 16. Jahrhundert entstanden.Es handelte sich - ebenso wie bei den anderen Akademien jener Zeit - ursprünglich um einen lockeren Kreis von humanistischen Freunden und Schülern des Gründers, nicht um eine Institution mit verbindlicher Mitgliedschaft und eigenen Räumen und Einrichtungen. Die Mitglieder verwendeten griechische oder lateinische Pseudonyme und bildeten eine literarische Gemeinschaft (sodalitas litteratorum). Man traf sich im Haus des Pomponius zu Diskussionen über philologische und historische Themen und zum Vortragen eigener lateinischer Gedichte und Reden und führte Komödien von Plautus und Terenz auf. Im April feierten sie die Parilia (Palilia), ein antikes Fest zur Erinnerung an die Gründung Roms. Pomponius wurde Pontifex maximus genannt. Sein Konzept einer umfassenden historisch-philologischen Altertumswissenschaft, die das textkritische Studium der antiken Quellen mit dem der archäologischen Stätten und Funde verband, prägte die Arbeit der Akademie. Prominente Akademieangehörige waren in den sechziger Jahren des 15. Jahrhunderts Bartolomeo Platina und Filippo Buonaccorsi (Pseudonym: Callimachus Experiens).
1468 brach eine schwere Krise der Akademie aus, während Pomponius sich in Venedig aufhielt. Das Akademiemitglied Platina war 1464 von Papst Paul II. im Rahmen einer Verwaltungsreform aus einem Amt in der päpstlichen Kanzlei entlassen worden, zusammen mit zahlreichen anderen Humanisten. Da es sich um eine Lebensstellung handelte, die Platina von Pauls Vorgänger Pius II. gegen Bezahlung erhalten hatte, nahm der tief gekränkte Humanist dies nicht hin, sondern drohte dem Papst als Wortführer der Entlassenen mit Berufung an ein allgemeines Konzil. Das war aus der Sicht des Papstes eine unerhörte Provokation. Hinzu kam, dass Kardinäle dem Papst berichteten, in der Akademie sei eine Verschwörung gegen ihn im Gange. Es wurden Gerüchte verbreitet, wonach die Verschwörer den Papst ermorden und in Rom eine republikanische Verfassung einführen wollten. Aufrührerische und verschwörerische Bestrebungen, die sich unter Berufung auf die antike römische Republik gegen die weltliche Macht der Päpste richteten, hatten in Rom seit dem 12. Jahrhundert (Arnold von Brescia) eine lange Tradition. Eine solche republikanische Verschwörung hatte der Humanist Stefano Porcari 1452-1453 gegen Papst Nikolaus V. unternommen. Daher griff Paul energisch durch. Er ließ im Februar 1468 die Akademie auflösen und die führenden Akademiker verhaften und in der Engelsburg einkerkern; Pomponius wurde von Venedig nach Rom ausgeliefert. Die Hauptverdächtigen wurden gefoltert.
Die verhafteten Humanisten erklärten, dass der einzige von ihnen, der aufrührerische Pläne verfolgt hatte, Callimachus (Filippo Buonaccorsi) war. Callimachus hatte sich der Verhaftung durch rechtzeitige Flucht nach Neapel und dann nach Griechenland entzogen. Es stellte sich bald heraus, dass die festgenommenen Akademiker harmlose Literaten und Altertumsforscher waren. Humanistenfreundliche Kardinäle, besonders Bessarion, setzten sich für sie ein. Daher wurden sie 1469 einer nach dem anderen aus der Haft entlassen. Die Akademie blieb aber verboten, denn man warf ihren Mitgliedern auch vor, unsittliche und unchristliche Ansichten zu vertreten und antikes "Heidentum" zu praktizieren.
Erst nach dem Tod Pauls II. konnte die Akademie unter dem humanistenfreundlichen Papst Sixtus IV. wiederhergestellt werden. Sie nahm vorsichtshalber die Gestalt einer religiösen Gemeinschaft an, die auch christliche Dichtung und die Archäologie christlicher Stätten in ihr Tätigkeitsfeld einbezog. Der Kardinal Domenico della Rovere, ein Neffe des Papstes, übernahm die Schirmherrschaft. 1483 gewährte Kaiser Friedrich_III. der Akademie das Recht, "Doktoren" zu ernennen und Dichter zu krönen. Die Leitung dieser "zweiten Akademie" behielt Pomponius bis zu seinem Tod (1498). Dann begann der Niedergang der Akademie. Die Katastrophe des Sacco di Roma (1527) setzte ihrer Aktivität ein Ende.
Literatur
* Richard J. Palermino: The Roman Academy, the Catacombs and the Conspiracy of 1468, in: Archivum Historiae Pontificiae 18 (1980) S. 117-155
* John F. D?Amico: Renaissance Humanism in Papal Rome, Baltimore (Md.) 1983. ISBN 0-8018-2860-0
* Paola Medioli Masotti: L?Accademia romana e la congiura del 1468, in: Italia medioevale e umanistica 25 (1982) S. 189-204

