Abwasserwärmerückgewinnung
Als Abwasserwärmerückgewinnung (AWRG) wird die Nutzung der im Abwasser enthaltenen Energie bezeichet. Häusliches und Industrielles Abwasser haben ein hohes Potential an Wärme welche ungenutzt der Kanalisation zugeführt wird.Verfahren
Die erste Anlagen wurden schon vor über 30 Jahren realisiert und bis heute erfolgreich betrieben. Konventionellen Wärmetauschern (Platten/Rohrbündel) verstopfen nicht nur durch Feststoffe (Fäkalien) sondern auch durch Fette welche sich an den abgekühlten Täuscherwänden ablagern. Zudem müssen die Systeme auch unempfindlich sein gegenüber Gegenständen welche eigentlich nicht ins Abwasser gehören wie Küchenabfälle, Windeln und dergleichen. Durch das gegebene Temperaturniveau des Abwassers ist einen Direktnutzung nicht effizient realisierbar. Mit Hilfe von Wärmepumpen kann die gewünschte Ladetemperatur (<70°C) erreicht werden. Dabei sind Leistungsziffern bis JAZ 4 (Jahresarbeitszahl) bei Kondensationstemperaturen von 60°C durchaus realistisch. Im Vergleich zu anderen Wärmepumpensystem sollte bei einer Umfassenden Betrachtung immer von einer gemessenen JAZ, bei derselben Kondensationstemperatur ausgegangen werden. Ein Vergleich mit dem COP widerspiegelt nur einen Betriebspunkt und entspricht nicht den realen Betriebbedingungen. Um eine solche Anlage wirtschaftlich zu Betreiben braucht je nach System eine minimale Grösse von 25-50 Wohneinheiten. Für Einfamilienwohnhäuser und kleine Mehrfamilienhäuser sind solche Anlagen unwirtschaftlich, denn der technische Aufwand für die Rückgewinnung ist von der Objektgrösse prinzipiell unabhängig.
Abwasser aus dem kommunalen Kanalisationssystem
Anstelle der konventionellen Kanalisationsleitungen werden Betonelemente mit integriertem Wärmetauscher verbaut. Wo das nicht möglich ist werden Wärmetauscherplatten aus Chromstahl in den bestehenden Kanal gelegt. Vom Wärmetauscher zirkuliert ein Solemedium zur Wärmepumpe. Dem durchschnittlich ~15°C warmen Abwasser kann somit je nach kommunaler Vorschrift bis auf 5°C Wärme entzogen werden. Voraussetzung für einen zuverlässigen Betrieb ist eine kontinuierliche Abwassermenge, das wiederum bedingt das das zu versorgende Objekt an einer grossen Kanalisation oder in der Nähe einer ARA (Abwasserreinigungsanlage) gebaut wird. Wie bei allen AWRG-Lösungen ist das Thema Verschmutzung nicht zu vernachlässigen. Systembedingt bilden Feststoffe kein Problem, da sie bei genügend Volumenstrom einfach über den Tauscher gespült werden. Im Betrieb bildet sich ein sogenannter Biofilm auf der Tauscheroberfläche, welcher eine isolierende Wirkung besitzt. Schon in der Projektphase muss das berücksichtigt werde, da entweder eine periodische Reinigung oder eine entsprechende Überdimensionierung eingeplant werden muss. Eine Nutzung aus der Kanalisation bedarf immer der Bewilligung der Betreiber der Kanalisation im Normalfall der Kommune. Vor allem bei Sanierungsarbeiten am Kanalsystem ist diese Lösung eine interessante Variante und bietet den Kommunen zudem die Möglichkeit als Energiecontractor aufzutreten.
Abwasser direkt vom Objekt
Das Abwasser wird in einem ausserhalb der Gebäudehülle liegenden Schacht zentral gesammelt und daraus mit einem Wärmetauscher die Energie entzogen. Die tageszeitliche Schwankungen in der Abwassermenge, werden dadurch gepuffert. Das System kann somit auch für "kleinere" Objekte (>25 Wohneinheiten oder adäquate Wassermenge) eingesetzt werden. Auch bei dieser Lösung ist der Wärmetauscher und die Wärmepumpe durch einen Solekreislauf miteinander verbunden. Die Strecke zwischen Gebäudehülle und Schacht sind sehr kurz und die Verluste an die Umgebung minimal, dadurch sind die durchschnittlichen gemessenen Temperaturen auf ~23°C. Entgegen dem Kanalisationssystem kann nur die Abwärme genutzt werden, welche aus dem Objekt stammt. Das wiederum bedingt, dass es nur für Bauvorhaben mit entsprechendem Abwasservolumen sinnvoll ist. Prädestiniert sind Überbauungen, Hotels, Spitäler, Heime, Wellness/Bäder und Sportanlagen sowie Industrie mit Prozessabwärme. Durch den Einsatz der Wärmepumpe kann mit der Abwasserwärmerückgewinnung der Warmwasserbedarf wieder vollumfänglich gedeckt werden. Bezüglich Verschmutzung wird der im Schacht integrierte Filter einmal im Tag automatisch rückgespült. Alle 3-4 Jahre fällt ein Service durch einen Kanalreiniger an, welcher den Schacht von aussen durch die Serviceöffnungen reinigt.Fazit
Die aktuelle Haustechnik ist bezüglich Gebäudedämmung und Lüftung auf einem sehr hohen Niveau ? weitere Verbesserungen zu erzielen wird immer aufwendiger und kostspieliger. Die Nutzung des Abwassers stellt da eine weitere erprobte Möglichkeit dar, die Energiebilanz eines Objektes massgeblich zu verbessern. Auf der wirtschaftlichen Seite ist der hohen Anteil an Gratisenergie interessant, welche bei steigenden Energiepreisen immer mehr an Bedeutung gewinnt.
Literatur
• Broschüre "Heizen und Kühlen mit Abwasser - Ratgeber für Bauherrschaften und Gemeinden"
• Broschüre "Wärmenutzung aus Abwasser - Leitfaden für Inhaber, Betreiber und Planer von Abwasserreinigungsanlagen und Kanalisationen
• Energie aus Abwasser ; Schulungsunterlagen ? System FEKA
Siehe auch
Wärmerückgewinnung

