Abtei Maria Laach
Die mittelalterliche Klosteranlage Maria Laach wurde als Abtei Laach zwischen 1093 und 1216 erbaut. Sie liegt in der Eifel auf der Westseite des Laacher Sees bei Mendig auf der Markung der Gemeinde Glees im Landkreis Ahrweiler.Die hervorragend erhaltene, sechstürmige Kirche ist eine gewölbte Pfeilerbasilika mit prachtvollem Eingang, dem sogenannten Paradies und dem 1859 restaurierten Kreuzgang aus dem Anfang des 13. Jahrhunderts. Sie gilt als eines der schönsten Denkmäler der romanischen Baukunst aus der Salierzeit in Deutschland.
1926 verlieh Papst Pius XI. der Kirche den Ehrentitel einer Basilica minor.
Die Abtei gehört zu dem Orden der Benediktiner und soll eines der reichsten Güter dieser Art in Deutschland sein: Zu seinem Besitz gehören der Laacher See mit dessen touristischen Einrichtungen Campingplatz, Bootsverleih und Fischfang), das renommierte Seehotel, eine große Gärtnerei, ein Buchladen, verschiedene Handwerksbetriebe (z. B. eine Bronzegießerei) sowie große Landflächen im Umkreis.
Das sogenannte ?Klostergut?, ein zur Abtei gehörendes landwirtschaftliches Anwesen, ist verpachtet und wird als Biobauernhof mit angeschlossenem Bioladen betrieben.
Geschichte
Mittelalter
Auf dem Gelände hatte sich zuvor eine Burg befunden. 1093 stifteten Pfalzgraf Heinrich II. von Laach und seine Gemahlin Adelheid von Orlamünde-Weimar (? 1100) unter dem Patronat der Heiligen_Jungfrau_Maria und des Heiligen_Nikolaus die Abtei. Die ersten Mönche und Bauhandwerker kamen aus dem Kloster St. Maximin nahe Trier. Damals wurden aber nur die Fundamente für das Langhaus und den Vierungsturm angelegt. Nach dem Tod Heinrichs 1095 wurden die Bauarbeiten eingestellt.1112 erneuerte Heinrichs Erbe Pfalzgraf Siegfried_von_Ballenstedt die Stiftung, ließ die Bauarbeiten wieder aufnehmen und schenkte die Abtei an die Abtei Affligem im Herzogtum Brabant, zu dem das Kloster Laach anfangs als Priorat gehörte. Der erste Abt wurde Gilbert aus der Abtei Affligem. Mit ihm kamen zahlreiche Mönche aus Brabant. Auch der Grundbesitz des Klosters an Rhein, Mosel und in der Eifel begann zu wachsen. Nach der Fertigstellung der eigentlichen Klosterbauten wurden auch die Arbeiten an die Kirche fortgesetzt.
1138 wurde Laach selbstständige Abtei; 1152 starb Gilbert. Unter seinem Nachfolger, Abt Fulbert (1152-1177), wurden Krypta, Langhaus und Westchor am 24. August 1156 durch Hillin von Fallemanien, Erzbischof von Trier, geweiht.
Auch der Fulbert-Stollen stammt aus dieser Zeit. Er wurde angelegt, um den Seespiegel des Laacher Sees abzusenken, da die Krypta der Klosterkirche und die gesamte Abteil beständig Hochwasserprobleme hatten.
Spätestens 1177 waren der Ostchor, die flankierenden Türme der Ostkuppel und die Westempore vollendet. Von 1220 bis 1230 wurde die Vorhalle im Westen, das so genannte Paradies, angefügt, um der Westfassade die abweisende Strenge zu nehmen.
Im 1474 schloss sich die Abtei der reformerischen Bursfelder Benediktinerkongregation an. Um 1500 wurde das Kloster mit seiner inzwischen sehr umfangreichen Bibliothek ein Zentrum des Humanismus monastischer Ausprägung.
Neuzeit
Im 18. Jahrhundert entstanden weitere Klostergebäude im Stil des Barock.1802 wurde die Abtei im Zuge der Säkularisierung durch die französische Verwaltung aufgehoben. Ihre Immobilien wurden in den Domänenbesitz des französischen Staates überführt; die beweglichen Güter wurden durch die französischen Kommissare peinlich genau in Listen erfasst und gingen ebenfalls in Staatsbesitz über. Sowohl die Ländereien als auch die beweglichen Güter wurden in den Folgejahren in Koblenz, der Hauptstadt des Rhein-Mosel-Departements, versteigert und brachten dem französischen Staat hohe Erlöse, da es sich vielfach um hochwertige Güter, beispielsweise ertragreiche Weinberge an der Mosel, handelte. Die Klosteranlage sollte nach Plänen der französischen Regierung in eine Haftanstalt umgewandelt werden. Dazu kam es allerdings nicht. 1815 ging sie in Folge der Beschlüsse des Wiener Kongresses in preußischen Staatsbesitz über. Es folgten mehrere Versuche der Privatisierung; aber erst als sich Preußen bereit erklärte, die Klosterkirche aus dem Verkauf herauszunehmen, gelang eine Versteigerung. Von den acht Interessenten erhielt am 24. Januar 1820 der Verificateur Wenzel für den königlich preußischen Regierungspräsidenten in Trier, Daniel Heinrich Delius, den Zuschlag für 24.900 ?Thaler in preußischen Courant? für die ehemaligen Klosterbauten, den See und die LändereienArchiv Maria Laach, IIA l. Das von ihm hier eingerichtete Rittergut blieb auch nach seinem Tod (1832) bis Januar 1863 im Besitz seiner Kinder Louis und Eduard Delius sowie Clara von Ammon, die mit ihren Familien auch solange dort wohnten. Sie ließen nach einem schweren Brand 1855 den Ostflügel vom Kölner Dombaumeister Ernst Friedrich Zwirner neugotisch wiederaufbauen. 1863 erwarb die deutsche Jesuitenprovinz die ehemaligen Abteigebäude und errichtete dort ihr Collegium Maximum, baute die Bibliothek wieder auf und entfalteten eine intensive religiöse Publizistik. Seit dieser Zeit trägt die Anlage den neuen Namen ?Maria Laach? und nicht mehr den seit dem Mittelalter üblichen Namen ?Laach?. Im Rahmen des Kulturkampfs wurde das Collegium bald wieder geschlossen.
1892 besiedelten Benediktinermönche aus der Erzabtei Beuron die Abtei erneut, nachdem sie bei Kaiser Wilhelm_II. in einer Audienz am 30. August 1892 die Genehmigung bewirkt hatten. Die Nutzung der Kirche, die der preußische Staat erst 1924 an die Abtei übereignete, wurde den Benediktinern gewährt, nachdem sie die Mitbenutzung durch die evangelische Kirche (Simultaneum) akzeptiert hatten, die aber praktisch nie relevant wurde.
Als Hausherr der Kirche stiftete Wilhelm II. 1898 einen neuen Hochaltar nach Entwürfen des bekannten Berliner Architekten Max Spitta (nach 1945 entfernt) und wirkte ab 1905 wesentlich bei der Mosaikausstattung des Inneren mit. Er bestimmte, dass in der Kalotte der Hauptapsis Christus Pantokrator nach dem Vorbild der Apsis der Kathedrale von Monreale dargestellt wurde.
Einige Klostergebäude entwarf zwischen 1901 und 1913 P. Ludger Rincklage. 1928/29 errichtete der Frankfurter Architekt Martin_Weber mehrere Erweiterungsbauten.
Im Jahre 1933 fand der von den Nationalsozialisten seines Amtes als Kölner Oberbürgermeister enthobene, spätere deutsche Bundeskanzler Konrad Adenauer für ein Jahr Zuflucht im Kloster, das damals von seinem Schulfreund Ildefons Herwegen geleitet wurde, und lebte dort als ?Bruder Konrad?.
Unter Ildefons Herwegen begann sich die Klostergemeinschaft intensiv mit der Liturgieforschung auseinanderzusetzen. 1948 wurde ein eigenes Institut für diese theologische Disziplin eingerichtet.
1937 und 1956 begannen zwei große Renovierungsprojekte, durch die zunächst das äußere und dann das innere Erscheinungsbild der Abteikirche an das ursprüngliche Aussehen angenähert wurden.
Am Sonntag, 27. August 2006 feierte die Benediktinergemeinschaft des Klosters mit dem Bischof von Trier Dr._Reinhard_Marx die Festmesse zum 850. Weihetag der Kirche.
Der Bau
Die Abteikirche von Maria Laach ist eines der am besten erhaltenen und hervorragenden romanischen Bauwerke Deutschlands. Das liegt vor allem daran, dass die Abteikirche von späteren Umbauten fast völlig verschont geblieben ist. Der Bau erscheint trotz seiner langen Bauzeit sehr harmonisch.
Die Basilika ist in ihrer Gestalt eine doppelchörige, dreischiffige Pfeilerbasilika mit zwei Querhäusern, die jeweils mit einem Turm bekrönt sind, der jeweils von zwei kleinen Türmen flankiert wird. Der Bau steht so in der Tradition der großen rheinischen Kaiserdome in Speyer, Mainz und Worms. Das Äußere verkörpert die Idee der romanischen Gottesburg, die durch das verhältnismäßig kurze Langhaus noch verstärkt wird. Klare und schlichte Linien herrschen bei der Gliederung des Außenbaus vor.
Im Inneren ist die Basilika ebenfalls recht schlicht gehalten, ohne viele aufwendige Blendbögen und Arkaden. Im Westchor befindet sich das Hochgrab des Abteistifters Pfalzgraf Heinrich II. von Laach. Im Ostchor, wo die Messen gefeiert werden und sich das Chorgestühl des Konvents befindet, hat sich als Hochaltar ein einzigartiger Ziboriumaltar erhalten. Dieses Ziborium ist ein auf Säulen gestützter Baldachin und überspannte damals das Hochgrab des Stifters. Es wurde 1256 erworben und im 17. Jahrhundert erhöht.
Von den alten Klostergebäuden hat sich nur die Nikolauskapelle von 1230 (im 18. Jahrhundert erweitert) erhalten.
1937 wurden bei einer Restaurierung spätgotische und barocke Elemente entfernt, 1956 wurde auch der Innenraum in Annäherung an die ursprünglichen Gestaltung wiederhergestellt.
Äbte
* Äbte und ihre Gesta von 1177 bis 1554
*: siehe [http://la.wikisource.org/wiki/Catalogus_abbatum_Lacensium Catalogus abbatum Lacensium] bei Wikisource Latina
* Äbte und ihre Gesta von 1554 bis 1646
*: siehe [http://la.wikisource.org/wiki/Gesta_abbatum_Lacensium_-_Continuatio_Affligemiensis Gesta abbatum Lacensium] bei Wikisource Latina
* Äbte seit Neubesiedlung:
** 1893-1901 Willibrord Benzler
** 1901-1913 Fidelis von Stotzingen
** 1913-1946 Ildefons Herwegen
** 1946-1966 Basilius Ebel
** 1966-1977 Urbanus Bomm (1964-1966 Koadjutor)
** 1977-1990 Adalbert Kurzeja
** 1990-2002 Anno Schoenen
** seit 2002 Benedikt Müntnich
Literatur
*Albert, Marcel, Die Benediktinerabtei Maria Laach und der Nationalsozialismus, 2004.
*Annalen von Maria Laach (zwischen 1170-1177), siehe [http://la.wikisource.org/wiki/Annales_Lacensis Annales Lacensis] bei Wikisource Latina.
*Bartz, Christian, Die Säkularisation der Abtei Laach im Jahre 1802. Eine Fallstudie, in: Rheinische Vierteljahresblätter 62 (1998), S. 238-307.
*Beda Regaus, Hafflighemum Illustratum. Teil IV-V: De filiationibus ejusdem abbatiae (Manuscript Archiv Abtei Affligem, 1773-1775), in: Anastatische Ausgabe, hrsg. v. Verleyen, W., Reprint 264, Algemeen Rijksarchief, Brüssel 2002.
*van Droogenbroeck, F.J., Paltsgraaf Herman II (?1085) en de stichting van de abdij van Affligem (28 juni 1062), in: Jaarboek voor Middeleeuwse Geschiedenis 2 (1999), S. 38-95.
*van Droogenbroeck, F.J., De betekenis van paltsgraaf Herman II (1064-1085) voor het graafschap Brabant, in: Eigen Schoon en De Brabander 87 (2004), S. 1-166.
*Hoffmann, G., Kaiser Wilhelm II. und der Benediktinerorden, in: Zeitschrift für Kirchengeschichte 106 (1995), S. 363-384
*Resmini, Bertram, Das Erzbistum Trier. 7. Die Benediktinerabtei Laach. Germania Sacra. Neue Folge 31. Die Bistümer der Kirchenprovinz Trier, Berlin 1993.
*Severus, E. von, Ecclesia Lacensis. Beiträge aus Anlaß der Wiederbesiedlung der Abtei Maria Laach durch Benediktiner aus Beuron vor 100 Jahren am 25. November 1892 und der Gründung des Klosters durch Pfalzgraf Heinrich II. von Laach vor 900 Jahren in 1093 (= Beiträge zur Geschichte des alten Mönchtums und des Benediktinerordens, Supplementband 6), Münster 1993.
*Volk, P., Der Stifter von Maria Laach (Pfalzgraf Heinrich II.) aus dem Hause Luxemburg-Salm, Revue Bénédictine 36 (1924), S. 255-267.
*Volk, P., Laach und Affligem, in: Benediktinische Monatschrift zur Pflege religiösen und geistigen Lebens 9 (1927), S. 69-70.
*Winterfeld, Dethard von, Die Abteikirche Maria Laach, 2004.
Weblinks
* http://www.maria-laach.de/
* http://www.vulkanweg.de/laacher-see.html

