Absolutely Free
Absolutely Free ist ein Musikalbum von Frank Zappa und The Mothers of Invention. Es erschien 1967 auf dem Verve-Label und wird dem Progressive-Rock-Genre zugerechnet. Das Album ist musikalisch vielschichtiger als sein Vorgänger Freak Out!, bietet bis dahin ungehörte Klangexperimente und -collagen in Hülle und Fülle und übt ironisch und satirisch Kritik an politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen.
Personal
The Mothers of Invention
Frank Zappa ? Gitarre, Gesang
Ray Collins ? Gesang, Tamburin
* Jim Fielder ? Gitarre, Klavier
Don Preston ? Keyboard
Bunk Gardner ? Holzblasinstrumente
Roy Estrada ? E-Bass, Gesang
Jimmy Carl Black ? Schlagzeug, Gesang
Billy Mundi ? Schlagzeug, Perkussion
Produktion
* Produzent: Tom Wilson
* Toningenieure: Val Valentine, Ami Hadani, David Greene
* Cover-Design: Frank Zappa
* Cover-Foto: Alice Ochs
Inhalt
Titelliste
Alle Kompositionen stammen von Frank Zappa.
Oratorium Nr. 1 ?Absolutely Free?:
:1. ?Plastic People? (3:42) thematisiert als Collage aus vielen kurzen Musikbruchstücken die Demonstration wegen des Abrisses der bei Freaks beliebten Kaffeestube ?Pandora?s Box? in Los Angeles am 12. November 1966 und deren gewaltsame Auflösung durch die Polizei. Barry Miles: Zappa. Deutsche Ausgabe. Rogner & Bernhard bei Zweitausendeins. 2005. ISBN 3-8077-1010-8.(S. 158f)
:2. ?The Duke Of Prunes? (2:13) stellt als erstes Stück einer dreiteiligen Suite deren Hauptthema vor. Das surrealistische Liebeslied vermeidet sexuelle Kraftausdrücke, indem diese durch Wörter wie beispielsweise ?Prune? (Pflaume) oder ?Cheese? (Käse) ersetzt werden.Frank Zappa/Carl Weissner (Übers.): Plastic People ? Songbuch, Corrected Copy. Zweitausendeins, Frankfurt 1978.(S. 58f)
:3. ?Amnesia Vivace? (1:01) ist der zweite Teil der Suite. Das Stück enhält ein Stravinsky-Zitat aus ?Le sacre du printemps? und beschreibt, wie der Duke (Herzog) versucht, mit zwei Cheerleadermädchen anzubändeln, die ihn aber K.O. schlagen.(S. 60f)
:4. ?The Duke Regains His Chops? (1:50) beschließt die Suite. Der Herzog kommt nicht nur wieder zu sich, sondern auch ?zur Sache?.(S. 62f)
:5. ?Call Any Vegetable? (2:20) stellt Haupt- und Nebenthema einer weiteren dreiteiligen Suite vor. Inhaltlich geht es darum, dass untätige Leute aus Zappas Sicht nicht für die Menschheit verloren sind ? entsprechende Ansprache vorausgesetzt.(S. 64f)
:6. ?Invocation And Ritual Dance Of The Young Pumpkin? (7:00) wird mit einem pseudo-symphonischen Motiv eröffnet, welches schnell von einer Instrumentalpassage samt Gitarrensolo abgelöst wird.[http://www.allmusic.com/cg/amg.dll?p=amg&sql=33:ut9ds385a3zg Rezension ?Invocation And Ritual Dance Of The Young Pumpkin?] (Stand: März 2007)
:7. ?Soft-Sell Conclusion? (1:40) beschließt diese Suite. Das Stück liefert eine hochtrabent-komische Erklärung, wie eine Beziehung zu einem Gemüse das Leben bereichern kann.[http://www.allmusic.com/cg/amg.dll?p=amg&sql=33:ut9ds385a3zg Rezension ?Soft-Sell Conclusion?] (Stand: März 2007)
Mothers-Single (1967), Bonustracks auf den CD-Wiederveröffentlichungen:
:8. ?Big Leg Emma? (2:32) besingt im Stil eines 1950er-Jahre-Shuffles das Dilemma der dickbeinigen Emma.
:9. ?Why Don?tcha Do Me Right?? (2:37) ist ein einfacher Rocksong, dessen Text in der Aussage gipfelt: ?All I wanted was a wife? (Eine Frau war alles, was ich wollte).[http://globalia.net/donlope/fz/lyrics/Absolutely_Free.html#Right Text ?Why Don'tcha Do Me Right??] (Stand: März 2007)
Oratorium Nr. 2 ?The M.O.I. American Pageant?:
:10. ?America Drinks? (1:53) parodiert die Kneipenatmosphäre und die Barmusik, die Frank Zappa zu Beginn seiner Karriere mit ?Joe Perino and the Mellotones? gespielt hat.(S. 162)
:11. ?Status Back Baby? (2:54) denkt als Eröffnungstück einer dreiteiligen Suite darüber nach, wie Teenager an der Highschool Eindruck schinden können. Der fröhlich wirkende Popsong bietet zudem ein Zitat aus Igor Stravinskys Ballett ?Petrushka?.[http://www.allmusic.com/cg/amg.dll?p=amg&sql=33:m22ibk59takn Rezension ?Status Back Baby?] (Stand: März 2007)
:12. ?Uncle Bernie?s Farm? (2:11) ist der zweite Teil dieser Suite. In der Form eines Rocksongs übt Zappa harsche Kritik an Spielzeug, das von nichts als Mord und Zerstörung schreit.(S. 76f)
:13. ?Son Of Suzy Creamcheese? (1:34) ist ein Liebeslied über Suzy Creamcheese ? eine fiktive Person, von der auf Zappas frühen Schallplatten des Öfteren die Rede ist.
:14. ?Brown Shoes Don?t Make It? (7:30) übt in der Geschichte von Rathaus-Fred, der Vorschriften für Jugendliche erlässt und vom Sex mit einer 13-Jährigen träumt, heftige Kritik an der korrupten Regierung und der geistlosen Gesellschaft. Musikalisch werden 20 Themen zu einem Ganzen verwoben.(S. 162)
:15. ?America Drinks & Goes Home? (2:46) ist die ausgespielte Version von ?America Drinks?, bei der Ray Collins als Crooner glänzt, während in seinem Rücken betrunkene Barbesucher mit der Kneipeneinrichtung nicht gerade pfleglich umzugehen scheinen.[http://www.allmusic.com/cg/amg.dll?p=amg&sql=33:k2knikmtbb29 Rezension ?America Drinks & Goes Home?] (Stand: März 2007)
Bedeutung
Bei den Stücken von Absolutely Free handelt es sich um Auszüge aus dem Rockmusical ?Pigs and Repugnant: Absolutely Free? (Schweine und Widerlinge: Völlig umsonst), welches die Mothers etwa ein halbes Jahr lang mehrmals täglich im New Yorker Garrick Theatre aufführten. Verglichen mit dem Debütalbum Freak Out! ist das musikalische Geschehen komplexer und auch beziehungsreicher. Nicht weniger als zehn der insgesamt 15 Titel enthalten Musikzitate. Besonders häufig finden sich Passagen aus Stücken Igor Stravinskys, und zwar aus ?Le sacre du printemps?, ?L?oiseau de feu? (aus der ?Feuervogel-Suite?) und aus dem Ballet ?Petrushka?. Aus klassischen Gefilden stammt auch das Zitat aus ?Jupiter: The Bringer Of Jollity? aus der Orchestersuite ?Die Planeten? von Gustav Holst. Zeit seines Lebens besonders häufig ? auf seinen Plattenveröffentlichungen insgesamt 22 Mal ? zitierte Zappa einen R&B-Klassiker aus den späten 1950er Jahren: ?Louie Louie? von Richard Berry & The Pharaohs. Weitere angespielte R&B- und Soul-Hits sind ?Duke Of Earl? von Eugene Dixon alias Gene Chandler, ?Baby Love? von The Supremes, ?Little Sally Walker? von Don & Dewey oder auch ?Little Deuce Coupe? von den De-Fenders. In ?Soft-Sell Conclusion? greift das Sopransaxophon die Melodie von ?God Bless America? auf, der Gesang stimmt ?America The Beautiful? an und der Bass zitiert den Marsch ?Marine?s Hymn?. Weitere bekannte Melodien, die kurz aufgegriffen werden, sind ?Entry Of The Gladiators? von Julius Fucik sowie ?White Christmas? von Irving Berlin, welches dieser für den Film ?Holiday Inn? geschrieben und das Bing Crosby 1942 bekannt gemacht hat.
Hinsichtlich der technischen Produktion wurde das Album mit einem Aufwand erstellt, der ?zur damaligen Zeit seinesgleichen suchte?, urteilte Rockjournalist Volker Rebell; beispielsweise seien allein für den atmosphärischen Hintergrund der Satire ?America Drinks & Goes Home? vier verschiedene Ereignisebenen sorgfältig miteinander verschachtelt worden.Volker Rebell: Frank Zappa ? Freak-Genie mit Frack-Habitus. In: Rocksession 1, Rororo Sachbuch, 1977. ISBN 3-499-17086-8(S. 259f) Für seine Musikcollagen benutzte Zappa intensiv Klangschnipsel, Geräuschexperimente, Gesprächsfetzen, Musikbruchstücke, Passagen mit den übereinander geschichteten Soli verschiedener Instrumente oder rhythmisch komplexe Strukturen, die er ironisch zusammenwob.
Auf der Textebene knüpft das Album an das auf dem Album Freak Out! Gebotene an: Satirisch, ironisch und teils auch zynisch kommentierten die Mothers den American Way of Life. Absolutely Free enthält Zappa-/Mothers-Klassiker wie die Stücke ?Plastic People?, ?Call Any Vegetable? oder das Minimusical ?Brown Shoes Don?t Make It?, in welchem es um einen städtischen Angestellten geht, der von Sex mit einer 13-Jährigen träumt.
Eine weitere Besonderheit: Absolutely Free erschien ohne Titelstück. Zappa hatte den Titel verärgert weggelassen, nachdem die Plattenfirma den Produktionsetat gegenüber dem Debütalbum halbiert hatte.Carl-Ludwig Reichert: Frank Zappa. DTV, München, 2000. ISBN 3-423-31039-1(S. 41)
Rezeption
Kritik
Der US-amerikanische Musikjournalist Robert Christgau sah in Absolutely Free eine ?mäßig amüsante Neuheiten-Schallplatte?. Zwar lobte er ?echte Popmusiker, die die andere Seite betrachten?, dennoch sei das Album ?viel zu offensichtlich in seiner Satire, mit Harmonien und Tempowechseln, die Yes und Jethro Tull ankünden?.[http://www.robertchristgau.com/get_artist2.php?id=4155 Robert Christgau] (Stand: März 2007) Im Urteil des Zappa-Biografen Barry Miles mischte sich Kritik und Lob. Wenn Zappa im Song ?Plastic People? Hippie-Demonstranten als ?Plastikmenschen? brandmarkte, so hätten sich viele Fans gefragt, ?was Zappa denn jetzt schon wieder von ihnen wollte?. Andererseits lobte Miles unter anderem das Stück ?Brown Shoes Don?t Make It? als ?Meisterwerk?, das ?Zappa in Höchstform? zeige.(S. 161f)
Der deutsche Journalist Volker Rebell hob die musikalische Komplexität des Albums, die Dichte seiner thematischen Gliederung, das umfassende Spektrum der zitierten Musikstile und die von Zappa weiter perfektionierte Technik der Musikcollage hervor. Rebell gibt auch die Spannbreite damaliger Reaktionen auf die Liveshows der Mothers im Garrick Theatre am Beispiel zweier US-amerikanischer Medien wider: Während ein (nicht genanntes) Blatt die Auftritte als ?größte Ansammlung heißer Luft seit Hindenburgs Zeiten? pauschal abgekanzelt habe, sei die New York Post in ihrem Urteil weniger pauschal gewesen. Nach dem Aufzählen von Details aus der Show ? ?miniberockte Nummerngirls, psychedelische Lightshows, reichlich Fäkalspäße und Brechmittel-Humor, Angriffe gegen Ronald Reagan, Parodien der Supremes, oberflächliche Kenntnis von Strawinsky ?? ? urteile der Rezensent: ?Dessenungeachtet sind die Musik und das Können der Musiker brillant bis großartig-fantastisch.?(S. 259f) Aus Sicht des Sparifankal-Mitbegründers, Schriftstellers und Journalisten Carl-Ludwig Reichert bot das Album inhaltlich ?wenig Neues?, auch wenn die Musik ?aufregend gespielt? sei. Reichert schlussfolgerte: ?Für viele war das [Album, Anm.] damals schon viel zu weit weg vom Underground.?(S. 41)
Erfolge
Alben
;Absolutely Free
:US: 41 ? 1967 ? ?
Wie oft bei Alben von Frank Zappa und Mothers, weigerten sich die meisten amerikanischen Radiosender, Stücke von Absolutely Free zu spielen. Dennoch kletterte das Album in den US-Charts auf Position 41 ? die zehntbeste Platzierung, die je ein Album Frank Zappas erreichte.
Veröffentlichungen
Das Album hatte sich zu einem gefragten Sammlerobjekt entwickelt. Noch zu Zeiten der Vinyl-Schallplatten gab es mehrere mehrere offizielle Neuauflagen. Selbst Raubkopierer wollten von der Nachfrage profitieren und brachten die Erstveröffentlichung als Bootleg auf den Markt. Auch als CD wurde es ? fast 20 Jahre nach der Erstveröffentlichung ? noch drei Mal herausgebracht. Der folgende Überblick verdeutlicht wesentliche Unterscheidungsmerkmale der Album-Varianten.
* In Amerika, Großbritannien und Australien kam die LP ursprünglich in Mono- und Stereoversionen mit Gatefold-Klappcovern auf den Markt. In Großbritannien hatte die Stereoversion allerdings eine einfache Einsteckhülle.
* In Deutschland und Frankreich erschien das Album allein in der Stereoversion, die französische Auflage hatte eine einfache Einsteckhülle, deren Rückseite sich zudem durch ein Livefoto von den anderen Ausgaben unterschied.
* In Großbritannien erschien 1972 eine LP-Wiederveröffentlichung, diesmal mit Gatefold-Cover. Bekannt ist auch eine Wiederveröffentlichung mit weißem MGM-Label, die zwischen 1972 und 1975 auf den Markt kam.
* Wie schon beim Album Freak Out! gab es auch von Absolutely Free ein Faksimile-LP-Bootleg, welches bei schlechterer technischer Qualität in der Aufmachung der amerikanischen Erstveröffentlichung entsprach.
* Die letzte Wiederveröffentlichung als LP erschien 1985, als Barking Pumpkin Records die erste Old-Masters-Box herausbrachte.
* Erstmals auf CD erschien das Album 1989 bei Rykodisc (US-Markt), Zappa Records (Europa) und VACK (Japan). Weitere CD-Veröffentlichungen folgten 1995 auf Rykodisc und VACK. Zuletzt erschien 2001 in Japan auf Rykodisc/VACK eine CD-Version von Absolutely Free mit Papphülle.
* Die Single ?Why Don't You Do Me Right? / ?Big Leg Emma? erschien Ende 1967 auf dem Verve-Label. Beide Stücke stammen ursprünglich nicht vom Album, sind aber als Bonustracks Bestandteil sämtlicher CD-Wiederveröffentlichungen.The Zappa Patio: [http://www.lukpac.org/~handmade/patio/vinylvscds/absolutely_free.html Versionen] (Stand: März 2007)
Weblinks
• Rezension zu Absolutely Free auf All_Music_Guide (englischsprachig)
• Songtexte
• Frank Zappas Homepage
• Album-Versionen

