Abrogans
Als Abrogans, genauer Abrogans deutsch, wird ein lateinisch-althochdeutsches Glossar bezeichnet, dessen in St._Gallen aufbewahrte Abschrift als das älteste erhaltene deutsche Buch gilt.
Das Glossar enthält ungefähr 3.670 althochdeutsche Wörter in über 14.600 Belegen und ist damit eine wertvolle Quelle für die Kenntnis der ältesten oberdeutschen Sprache. Es wurde von der germanistischen Forschung nach seinem ersten Eintrag benannt: abrogans = dheomodi (bescheiden, demütig).
Verschiedentlich werden der Südtiroler Geistliche Arbeo von Freising, (? 783 oder 784) oder der Benediktiner-Mönch Kero als Verfasser genannt.
Allgemeine Angaben
Der deutsche Abrogans ist ein lateinisch-althochdeutsches Synonymenwörterbuch, das allerdings nicht aus einer Sammlung lateinisch-althochdeutscher Übersetzungsgleichungen entstand, sondern auf einem rein lateinischen, alphabetisch geordneten Synonymenwörterbuch aufbaute. Dieses lateinisch-lateinische Glossar, der lateinische Abrogans, war wohl in Italien (möglicherweise in dem bedeutenden süditalienischen Kloster_Vivarium) aus zahlreichen älteren spätantiken und frühmittelalterlichen Glossaren zusammengestellt worden. So war ein Wörterbuch entstanden, in dem seltene Ausdrücke vor allem des biblischen Lateins durch gängigere Wörter erläutert waren.
Wahrscheinlich in dem bairischen Kloster Freising, das Bischof Arbeo (er war hier Bischof von 764 bis 783) unterstand, oder auch in Salzburg wurde das Wörterbuch in der zweiten Hälfte des 8. Jahrhunderts schließlich ins Deutsche 'übersetzt'. Dabei wurden sowohl das lateinische Stichwort wie auch dessen lateinische Wiedergabe mit althochdeutschen Entsprechungen glossiert, z. B.:
Dies war ein Vorgehen, das um die Mitte des Verfasserlexikon, Bd. 1 (1978), Sp. 12-15.
* Jochen Splett: Abrogans-Studien. Steiner, Wiesbaden 1976 (zugl. Habilitation, Universität Münster 1972)
Weblinks
• Volltextausgabe des Abrogans (latein.)
• Digital-Faksimile der Abrogans-Handschrift (Cod. Sang. 911) in der digitalen Stiftsbibliothek St. Gallen [http://www.cesg.unifr.ch/de Codices Electronici Sangallenses (CESG)]

