Abrahamitische Ökumene
Der Begriff Abrahamitische Ökumene geht auf die christlichen Theologen Hans Küng und Karl-Josef Kuschel zurück. Sie betonen damit die Notwendigkeit eines Trialogs der drei monotheistischen Weltreligionen Judentum, Christentum und Islam und fassen sie unter dem Oberbegriff der abrahamitischen_Religionen zusammen.Der Begriff wird daraus verständlich, dass sich die drei Religionen auf Abraham, den Stammvater der Israeliten (Juden) nach der Hebräischen_Bibel (Gen 12-37), zurückführen. Dessen Segen für die Völker ist nach dem Neuen_Testament durch Jesus Christus auch den Christen zuteil geworden; nach dem Koran sind auch muslimische Araber als Ismaeliten seine Nachkommen. Auch andere Religionsgemeinschaften wie die Bahai verstehen sich als Abrahamitische oder Abrahamische Religion und streben auf ihre Weise eine ökumenische Verständigung der Vorgängerreligionen an.
Gemeinsamkeiten und Unterschiede im Glauben von Juden, Christen und Muslimen
Die Abrahamitische Ökumene greift die Gemeinsamkeiten von Judentum, Christentum und Islam auf, die ihre Wurzeln in dem Gott sehen, der mit Abraham einen Bund geschlossen habe. Die älteste sich darauf begründende Religion ist das Judentum. In direkter Folge mit Judentum steht das Christentum. Auch die christlichen Kirchen berufen sich auf den Gott JHWH. 600 n. Chr. begründete Mohammed in Berufung auf denselben Gott, der hier Allah genannt wird, den Islam. Insofern haben alle 3 Religionen trotz ihrer unterschiedlichen Ausprägung gemeinsame Wurzeln.
Sowohl das Neue Testament als auch der Koran beziehen sich mehrfach auf Abraham.
Im Neuen Testament heißt es über Abraham:
:"Ich sage euch aber, dass viele von Osten und Westen kommen und mit Abraham und Isaak und Jakob zu Tisch liegen werden in dem Reich der Himmel" (Mt. 8,11)
:"Die Schrift aber, voraussehend, dass Gott die Nationen aus Glauben rechtfertigen werde, verkündigte dem Abraham die gute Botschaft voraus: `In dir werden gesegnet werden alle Nationen. Folglich werden die, die aus Glauben sind, mit dem gläubigen Abraham gesegnet." (Galater 3,8f)
Im Koran heißt es über Abraham:
:"O Leute der Schrift, warum streitet ihr über Abraham, wo die Thora und das Evangelium doch erst (später) nach ihm herabgesandt worden sind? Habt ihr denn keinen Verstand? Ihr habt da über etwas gestritten, wovon ihr Wissen habt; weshalb aber streitet ihr über das, wovon ihr kein Wissen habt? Gott weiß Bescheid, ihr aber nicht. Abraham war weder Jude noch Christ; vielmehr war er lauteren Glaubens, ein Muslim (ein (Gott) ergebener Hanif), und kein Heide." (3:65-67)
Für Küng ist die Abrahamitische Ökumene ein Schritt auf das noch weiter gefasste Ziel, das er in seinem Projekt Jüdisch-Christlicher Dialog deutlich vom christlich-islamischen_Dialog unterschieden, da dieser durch die verbindliche Bedeutung des Tanach eine andere Qualität habe, als der Dialog mit den Muslimen. In diesem Sinn verwenden auch fast alle kirchlichen Dokumente der verschiedenen christlichen Konfessionen den Begriff Ökumene ausschließlich für ein innerchristliches Anliegen. Dies beruht darauf, dass durch die christliche Bibel des Tanach und des Neuen_Testaments eine umfassende gemeinsame Grundlage für gemeinsames Glauben und Handeln gegeben ist, während insbesondere der Dialog insbesondere mit den Muslimen einen mühsamen Prozess des Erahnens von Gemeinsamkeiten darstellt. Dies reicht bis dahin, dass Teile Christenheit insbesondere mit Verweis auf die Rechtfertigungslehre und die Scharia die Frage stellen, ob Muslime und Christen überhaupt von dem selben Gott reden. Vor diesem Hintergrund wird der Begriff der Abrahamitischen Ökumene als Gefährdung des sehr konkreten Prozesses der eigentlichen Ökumene verstanden, da er unterschiedliche Prozesse verbal gleichsetzt.
Siehe auch
• Ökumene]
• Religion]
• Dialog]
Literatur
Hans Küng (1990): Projekt Weltethos
Karl-Josef Kuschel (2001): Streit um Abraham. Was Juden, Christen und Muslime trennt und was sie eint.
Deutsche Bischofskonferenz (Hrsg.) (2003): Leitlinien für multireligiöse Feiern von Christen, Juden und Muslimen (Arbeitshilfe 170)
Joachim Gnilka (2004): Bibel und Koran (Gnilka)''

